Gemeindehaus in Engerhafe Wärmepumpe für mittelalterliches Haus
In Engerhafe trifft bald Mittelalter auf Moderne: Das historische Steinhaus wird derzeit umfassend saniert. Bald soll es mit einer Wärmepumpe geheizt werden. Doch es gibt Schwierigkeiten.
Engerhafe - Einen weiten Bogen zwischen Mittelalter und Moderne schlagen derzeit die Kirchengemeinde Engerhafe und der Kirchenkreis Aurich beim Umbau des Gemeinde- und früheren Pfarrhauses in Engerhafe. Aus dem 13. Jahrhundert stammen der Keller und ein großer Teil des Mauerwerks des alten Pfarrhauses. Und beheizt wird dieses bald mit Warmwasser, das durch eine Wärmepumpe erzeugt wird.
Seit 2020 wird am Gemeindehaus gebaut. Neben der Sanierung des Steinhauses umfasst die Baumaßnahme auch den Abriss und Neubau des Gemeindehauses. Wie berichtet, bekommt die Kirchengemeinde größere Räume in einem Neubau an der Nordseite des Grundstücks . In das Steinhaus, bei dem im Erdgeschoss und im Obergeschoss kleinere Räume zu zwei großen Räumen zusammengefügt werden, zieht die neue Ausstellung des Vereins Gedenkstätte KZ Engerhafe ein. Den Zwischenbau teilen sich die beiden Institutionen als gemeinsamen Eingangsbereich.
Bauzeit von den aktuellen Krisen geprägt
Die Baustelle hat nach den Worten von Architektin und Projektleiterin Claudia Brüggemann vom Amt für Bau und Kunstpflege der Landeskirche Hannovers in Aurich alle Krisen der vergangenen Jahre mitgemacht: die Einschränkungen und Lieferengpässe der Coronazeit, die Inflation infolge des Krieges in der Ukraine und den Fachkräftemangel im Handwerkssektor. Dennoch geht es gut voran. „Wir haben glücklicherweise immer noch Betriebe für die Arbeiten finden können“, so Brüggemann.
Derzeit gibt es jedoch zwei Unwägbarkeiten, die es unmöglich machen, ein festes Fertigstellungsdatum zu benennen. Zum einen hat sich im Zuge der Arbeiten herausgestellt, dass das Kellergewölbe ertüchtigt werden muss. Dies wird Brüggemann zufolge derzeit im Detail geplant und für Verzögerungen sorgen. Die gute Nachricht: Es konnte bereits erreicht werden, dass die Förderfrist bis zum kommenden Frühjahr verlängert wird. Zum zweiten ist die Wärmepumpe für das Gemeindehaus zwar seit dem vergangenen Herbst bestellt. Der Heizungsbauer könne aber immer noch keinen Liefertermin nennen, berichtet die Architektin. „Dass sie zum Herbst kommt, ist noch fraglich.“
Vom Einbau der Heizungsanlage wiederum hängen natürlich weitere Schritte im Bau ab.
Umplanung noch im Bau
Und eine Wärmepumpe passt in ein jahrhundertealtes Gebäude? Ganz so einfach ist es laut der Projektleiterin nicht. Als der Umbau 2019 geplant wurde, war sogar noch eine Gasbrennwerttherme für das gesamte Gebäude vorgesehen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine habe man jedoch noch einmal umgedacht.
Im Neubau sei die Umplanung auf eine Wärmepumpe kein Problem. Und im Steinhaus sind laut Brüggemann an einigen Stellen, „dort, wo es geht“, kleine Warmwasserheizkörper vorgesehen. Sie bekommen das warme Wasser von der Wärmepumpenanlage. „Es handelt sich ja um Ausstellungsräume, und nicht um Wohnräume“, sagte die Projektleiterin. Deshalb reiche eine Raumtemperatur von 16 bis 18 Grad dort aus.
Dort, wo Vorträge oder Veranstaltungen stattfinden, wird es eine Fußbodenheizung geben. Aber dieser Raum liegt im Zwischenbau.
Superintendent: Kirche ist bei Nachhaltigkeit in der Pflicht
Für den Auricher Superintendenten Tido Janssen ist es „eine Herzensangelegenheit“, dass das neue Gemeindehaus moderne Heiztechnik bekommt und nachhaltig und energieeffizient gebaut wird, wie er sagt: „Ich habe verlangt, dass wir eine Wärmepumpe einbauen. Wenn wir uns jetzt auf den Weg machen, dann muss es für Jahrzehnte passen.“ Es sei eine Verpflichtung der Kirche, „umweltgerecht und schöpfungsrund“ zu bauen, sagte der Superintendent. Deshalb werde auch eine Fotovoltaikanlage auf das Dach des Gemeindehausneubaus gesetzt. „Das war alles kompliziert und muss mit dem Denkmalschutz zusammenpassen“, so Janssen. Aber es sei ein Weg gefunden worden.
Ein weiteres Argument für die Umplanung seien auch die künftigen Unterhaltungskosten gewesen. Angesichts der Entwicklung der Gaspreise und der Co2-Abgabe wäre ein kurzfristiges Sparen bei der Heizungsanlage kurzsichtig, sagte der Superintendent. Neben der Energieeffizienz ist es laut Janssen das Steinhaus, das die Engerhafer Baustelle zu etwas ganz Besonderem macht. „Wenn man den Denkmalschutz mit an Bord hat und im Bestand baut, führt das zu Verzögerungen. Aber das weiß man ja, wenn man sich auf so eine Baustelle einlässt. Es ist sehr spannend und sehr interessant,aber auch teuer und langwierig.“
Funde werden derzeit restauratorisch gesichert
Im alten Pfarrhauses wurden mehrere kleine, etwa 80 Jahre alte Tapetenreste gefunden. Sie werden nun laut Brüggemann von einer Restauratorin gesichert. „Irgendwann werden sie an den Kirchenvorstand zurückübergeben und dann muss man schauen, was man damit macht“, sagt Brüggemann. Auch die sogenannte Lamperie, die frühere Wamdvertäfelung des Pfarrhauses, ist in der Restaurierung. Sie soll laut Brüggemann wieder im Haus angebracht werden.
Die Fenster des Steinhauses, die ursprünglich erneuert werden sollten, waren trotz der langen Lebensdauer noch weitgehend in gutem Zustand und wurden in Feinarbeit abgeschliffen. Brüggemann wie Janssen freuen sich auf das Endergebnis. Die Kirchengemeinde kann dann aus dem derzeit für Gemeindeaktivitäten genutzten Pfarrhaus in Oldeborg zurückkehren. Und der Gedenkverein kann seine Ausstellung im Steinhaus einbauen und eröffnen. „Das wird ganz toll. Der Verein hat ein richtig gutes Konzept“, sagt Janssen. „Und wir haben zugesehen, dass wir das Steinhaus technisch so multifunktional ausstatten wie angesichts des Denkmalschutzes möglich.“
Nach Angaben von Brüggemann wird es eine zentrale Lichtsteuerung geben,sodass Schalter nur sehr reduziert eingebaut werden müssen. Die Steckdosen verschwinden im Fußboden und die Kabel in einem Überzug. Gut zu sehen soll hingegen die lange Historie des Steinhauses sein. laut Janssen soll es für vorbeikommende Pilger und Radfahrer sowie Besucher der Gedankstätte eine Infotafel zu dem mittelalterlichen Gebäude geben. Es zählt zu den ältesten Wohnhäusern Ostfrieslands.