Medizin in Südbrookmerland Ärzte dringend gesucht
So sieht die medizinische Versorgung in der Gemeinde Südbrookmerland aus. Und das wird getan, um sie zu verbessern.
Südbrookmerland - Wie geht es weiter mit der hausärztlichen Versorgung in Südbrookmerland? Fünf Hausärzte gibt es aktuell in der Gemeinde, demnächst sind es nur noch vier. Zu wenig, sagen viele Patienten. Immer wieder wird berichtet, dass Hausarztpraxen derart überlastet sind, dass sie keine Patienten mehr in ihre Kartei aufnehmen. Die Folge: Sorgen, Ungewissheit und weite Wege.
Zuständig für die ärztliche Versorgung in der Region ist die Auricher Niederlassung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die zählt die Gemeinde Südbrookmerland zum Planungsbereich Aurich. Das bedeutet: Bei der ärztlichen Versorgung wird die Gemeinde nicht losgelöst vom Rest der Region betrachtet. Siedelt sich beispielsweise in Aurich ein neuer Hausarzt an, wirkt sich das auch auf die Versorgung in Südbrookmerland aus. Neben Südbrookmerland und Aurich gehören noch die Stadt Wiesmoor und die Gemeinden Großefehn und Ihlow zu diesem Planungsbereich.
Planungsbereich ist unterversorgt
Nach den Maßstäben der KVN ist der Planungsbereich Aurich derzeit aber tatsächlich unterversorgt. Rechnerisch gibt es aktuell 5,5 freie Stellen für Hausärzte. Die Gemeinde Südbrookmerland werde unter Berücksichtigung anstehender Veränderungen in der Hausarztpraxis an der Ringstraße in Moordorf von vier Hausärzten, zwei Gynäkologinnen und einem Kinderarzt versorgt. Wie berichtet, verlassen die Hausärzte Dr. Thorsten Laaf und Boris Sombrowski die Region. In ihre Gemeinschaftspraxis zieht ab 15. August Dr. Svetlana Höhne, die derzeit noch in einer Praxis in Marienhafe arbeitet. Unter dem Strich verliert die Gemeinde damit einen Hausarzt.
Bei der KVN sei man sehr bemüht, weitere Mediziner für die Region zu finden. Auch wegen der bestehenden Altersstruktur unter den Ärzten. Nicht wenige stehen kurz vor dem Ruhestand. Um die Versorgung sicherzustellen, unternehme die KVN verschiedene Anstrengungen. Beispielsweise mit dem Programm KV-Niederlassen fördere die KVN die Gründung oder Übernahme von Arztpraxen in strukturschwachen Regionen. Seit 2016 habe die KVN bereits sieben Millionen Euro an Fördergeldern vergeben. Die KVN werde auch 2023 die Ansiedlung ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte mit einem Zuschuss von bis zu 75.000 Euro unterstützen. Ein Großteil der einzelnen Förderungen liege bei 60.000 Euro. Die Förderungsregionen für die Besetzung von Kassenarztsitzen nach der Strukturfonds-Richtlinie der KVN würden im Niedersächsischen Ärzteblatt veröffentlicht.
KVN kritisiert Kapazitäten an Unis
Neben finanziellen Fördermöglichkeiten sei auch die Attraktivität eines Praxisstandorts von großer Bedeutung, heißt es weiter. Die KVN biete mit ihren Niederlassungsberatern vor Ort ein umfassendes Beratungspaket für Kommunen, um diese bei der Stabilisierung der ärztlichen Versorgung in den Regionen zu unterstützen.
Die KVN dränge seit langem darauf, die seit Jahrzehnten immer weiter zusammengekürzten Kapazitäten der medizinischen Fakultäten zur Sicherstellung des medizinischen Nachwuchses wieder aufzustocken. „Hier wurde leider zu viel Zeit verschwendet“, so Katrin Weerda, Geschäftsbereichsleiterin vertragsärztliche Versorgung bei der KVN in Aurich. Zum Wintersemester 2023/24 solle nun auch in Niedersachsen eine „Landarztquote“ eingeführt werden. Dabei werden laut dem niedersächsischen Gesundheitsministerium jährlich 60 Studienplätze der Humanmedizin für Studierende reserviert, die sich für eine Tätigkeit als Hausarzt im ländlichen Raum entscheiden.
KVN fordert mehr Digitalisierung
Wichtig ist aus Sicht der KVN aber auch der Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Hierzu müsse die digitale Infrastruktur in den Krankenhäusern und den Praxen ausgebaut und die Schnittstellenproblematik behoben werden. Hier habe die Corona-Pandemie für einen Schub gesorgt, für Patienten deutlich spürbar in der Videosprechstunde und in der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, so Weerda abschließend.
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In Südbrookmerland setzt sich nach eigenen Angaben Bürgermeister Thomas Erdwiens dafür ein, mehr Mediziner in die Gemeinde zu locken. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister hatte sich Erdwiens unter anderem für den Bau eines medizinischen Versorgungszentrums starkgemacht. Gebaut wurde eine solche Einrichtung bislang nicht.
Die Gemeinde selbst gibt vor allem finanzielle Anreize für Mediziner, die sich hier niederlassen wollen. Die gibt es mittlerweile jedoch fast überall, so dass Südbrookmerland damit nicht besonders heraussticht.