Drei Demos am 10. Juni Wolfskundgebung stellt Behörden vor Herausforderungen
Am 10. Juni findet mit einer Trecker-Sternfahrt und einer Kundgebung eine der bisher größten Protestveranstaltungen in Aurich statt. Gegendemos sind angemeldet. Die Behörden sind noch nicht zufrieden.
Aurich - Bis zu 3000 Teilnehmer erwartet der Friesische Verband für Naturschutz (FVN) bei der von ihm angemeldeten Kundgebung gegen die Ausbreitung von Wölfen in Ostfriesland am 10. Juni. Wenn diese Schätzung nicht deutlich zu hoch gegriffen ist, kommt auf die Stadt Aurich die größte Demonstration der vergangenen Jahre zu.
Wie berichtet, hat der mitorganisierende Bauern-Verein „Land schafft Verbindung“ zunächst zu einer Trecker-Sternfahrt nach Aurich aufgerufen. Ab 19 Uhr soll dann an der Sparkassen-Arena für etwa zwei Stunden eine Kundgebung stattfinden.
FVN hofft auf viele Teilnehmer
FVN-Vorsitzender Dr. Hansjörg Heeren findet, dass eine Teilnehmerzahl von 3000 Personen der Wichtigkeit und der Größe des Themas angemessen wäre, wie er sagte.
Doch nicht alle Ostfriesen scheinen die Auffassung der Wolfsgegner zu teilen. Nach Angaben des Auricher Ordnungsamtsleiters Helmut Lücht sind zwei Gegendemonstrationen angemeldet worden. Zum einen hat die Gruppe „Ostfriesen gegen Tierleid“ einen Gegenprotest angezeigt – für eine Gruppe von bis zu 50 Personen. Zudem sei eine weitere Demonstration angemeldet, so Lücht.
Poltern gegen Anti-Wolf-Kundgebung
Auf der Internetplattform Facebook ist zu sehen, dass auch ein Nutzer namens Roger Miller von der Gruppe Antifaschistische Aktion Ostrhauderfehn eine Kundgebung gegen die Demonstration der Wolfsgegner plant. Der erste Teil soll von 15 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz stattfinden, der zweite von 18 bis 20 Uhr am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz – also nahezu zeitgleich auf dem gleichen Gelände wie die Kundgebung des FVN.
Miller bezeichnet in seinem Facebookeintrag die FVN-Kundgebung als Hetzveranstaltung und „Aufmarsch fehlgeleiteter Wolfshasser-innen!“ Und fordert: „Schluss mit der Hetze! Freiheit für den Wolf! Verbot der Treckerdemonstration!“ Er ruft Tierfreunde auf, ihn zu unterstützen.
Anfragen von politisch rechten Rednern abgesagt
Doch die „Ostfriesen gegen Tierleid“ wollen sich dem nicht anschließen. Nach Angaben von Sprecher Manfred Hagemann lehnt die Gruppe es ab, dass das Thema politisch von links und rechts instrumentalisiert werde. Und tatsächlich hatten AfD-Mitglieder versucht, sich der Kundgebung anzuschließen, wie Heeren auf Nachfrage bestätigt. Die Organisatoren hätten Anrufe bekommen, auch von Landtags- und Bundestagsabgeordneten. „Wir kannten die Leute nicht“, so Heeren. Als sie die Namen dann gegoogelt hätten, sei der Zusammenhang mit der AfD deutlich geworden. „Wir haben denen dann abgesagt“, so Heeren. „Wir vertreten keine rechten Positionen und wir kennen diese Leute nicht. Bei uns wird davon keiner sprechen.“
FVN: Es muss vor dem Wolf geschützt werden
Stattdessen soll es Redebeiträge von verschiedenen Tierhalterverbänden geben. Schaf-, Pferde- und Rinderhalter kommen zu Wort – darunter vielleicht auch von Nutztierrissen betroffene Halter. Die Auswahl würden die Verbände vornehmen, sagte Heeren. Die Rednerliste werde nach Pfingsten feststehen.
Geeint seien die Verbände dadurch, dass sie der Meinung seien, dass nicht mehr der Wolf geschützt werden müsse, sondern die Natur vor dem Wolf. Es gehe dabei um Küstenschutz und Nutztiere. Aber es gehe auch darüber hinaus: nicht nur um die Weidetiere, die gerissen werden, sondern auch um den Verlust von Weideland und damit von Insekten und Bodenbrütern. Die Beweidung sei essenziell wichtig für viele Pflanzen- und Tierarten, sagt Heeren.
Tierschützer halten geforderten Abschuss für billige Lösung
Eine andere Position vertreten die Ostfriesen gegen Tierleid. Sie wollen laut Manfred Hagemann ab 17 Uhr an der Bundesstraße auf Höhe der Sparkassen-Arena weiße Plakate und Flaggen mit Sprüchen zeigen – still und ohne Interaktion mit den Wolfsgegnern. Auf den Plakaten werde beispielsweise stehen, wie viele Menschen in Deutschland bei Jagdunfällen sterben und wie wenige – nämlich niemand – durch eine Wolfsattacke. Oder wie viele Tiere im Verkehr sterben, ohne dass ein Hahn danach krähe und ohne dass Konsequenzen gefordert würden, so Hagemann.
Der von den Wolfsgegnern geforderte Abschuss von Wölfen sei aus Sicht der Gruppe einfach nur die billigste Lösung. Richtig wäre es nach Meinung der Tierschützer aber, die Weidetiere ausreichend und unblutig mit Zäunen oder Bewachung zu schützen. „Eine Ursache des Konflikts ist aus unserer Sicht auch die übermäßige Nutztierhaltung“, so Hagemann. Es gehe den Wolfsgegnern am Ende nur darum, Tiere zu schützen, die später vom Menschen ohnehin geschlachtet würden.
Polizei und Ordnungsamt prüfen noch bis nach Pfingsten
Das Ordnungsamt der Stadt Aurich und die Polizei haben schon mehrere Abstimmungsgespräche geführt, um die Sternfahrt, die große Kundgebung und den Gegenprotest zu koordinieren. „Wir wir genau damit umgehen, müssen wir noch sehen“, so Lücht. In der nächsten Woche soll eine Entscheidung fallen, ob alles so stattfinden darf, wie von den Anmeldern gewünscht.
Dass die Ostfriesen gegen Tierleid sich direkt an der Bundesstraße aufbauen wollen, macht dem Ordnungsamtsleiter beispielsweise noch Sorge – wegen der Nähe zum dortigen Verkehr. Auch die große räumliche Nähe zwischen Protest und Gegenprotest sorgt für Skepsis.
Fahrspuren für parkende Traktoren
Laut Hagemann ist es vor allem die Polizei, die die Gegenproteste am liebsten räumlich weiter von der Hauptkundgebung trennen will.
Aber das ist nicht alles, was bedacht werden muss. Die Stadt hat derzeit vorgesehen, für die Aufstellung der Traktoren auf einigen Abschnitten die beiden äußeren Fahrspuren der Bundesstraße zu nutzen. Zudem hätten die Firmen Wima und Böwe am Breiten Weg sowie Nutzfahrzeuge Osterkamp auf Anfrage ihre Bereitschaft signalisiert, dass Traktoren auch dort parken können, sagte Lücht. Diese Flächen werden sonst auch für Gäste der Auricher Jahrmärkte freigegeben.
Auricher Rat verabschiedet Resolution
Jäger wollen mehr Möglichkeiten zum Abschuss von Wölfen
CDU-Fraktion fordert Resolution zum Wolf
Nutztierrisse in Ostfriesland – mehrere Meldungen, einige Ergebnisse
Wolfsriss-Gutachter untersuchten Pferde
„Land schafft Verbindung“ plant Treckersternfahrt nach Aurich