Lage im Landkreis Aurich  Genügend Wohnplätze für Flüchtlinge bis 2024

| | 23.05.2023 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der ehemaligen Auricher Kaserne leben bereits mehr als 200 Flüchtlinge. Platz für weitere 640 wird derzeit geschaffen. Foto: Romuald Banik
In der ehemaligen Auricher Kaserne leben bereits mehr als 200 Flüchtlinge. Platz für weitere 640 wird derzeit geschaffen. Foto: Romuald Banik
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Mehr als 1000 Plätze für Geflüchtete hat der Landkreis bereits geschaffen. In den nächsten Monaten kommen mehrere Hundert dazu – vor allem in einem Gebäudekomplex in Aurich.

Aurich - Bis Ende Februar 2024 ist die Unterbringung weiterer Flüchtlinge im Landkreis Aurich gesichert – wenn die Zahlen so bleiben wie vorhergesagt. Derzeit gibt es 1266 freie Plätze, die belegt werden können, berichtete Sandra Hoofdmann von der Kreisverwaltung am Dienstag im Sozialausschuss. Davon sind 459 freie Plätze in Gemeinschaftsunterkünften. 640 weitere Plätze sollen in den kommenden Monaten in den Gebäuden 11, 12 und 14 auf dem ehemaligen Auricher Kasernengelände dazukommen. Zu den dann 1099 freien Plätzen in Gemeinschaftseinrichtungen kommen 167 Plätze in 33 angemieteten Wohnungen, die derzeit vorbereitet werden.

Insgesamt hält der Landkreis Aurich in Gemeinschaftsunterkünften in Aurich-Extum, in der früheren Kaserne, in Norden und in Wiesmoor 955 Plätze vor, davon sind derzeit 496 belegt.

Die meisten Flüchtlinge, nämlich 132, leben in der früheren Küstenfunkstelle Utlandshörn. Im ehemaligen Divisionsgebäude der Auricher Kaserne sind bereits 126 Menschen eingezogen, in früheren Offizierswohnungen (Gebäude 22) sind es 76 Menschen. Insgesamt 309 Wohnungen hat der Landkreis derzeit für die Flüchtlingsunterbringung angemietet.

Noch 651 Aufnahmen bis Ende September

Die Kreisverwaltung rechnet damit, bis Ende September noch 651 Flüchtlinge aufnehmen zu müssen – entsprechend der Quote des Landes Niedersachsen. Das Land war ursprünglich von einer deutlich höheren Quote ausgegangen, so Hoofdmann. 289 Aufnahmen seien noch in der Klärung bei der Landesaufnahmebehörde.

Insgesamt wurden seit 1. Juli 2021 laut Hoofdmann 3800 Flüchtlinge im Landkreis Aurich aufgenommen, davon 2458 Ukrainer und 1123 sonstige Asylbewerber. Dazu kommen 219 sogenannte Ortskräfte aus Afghanistan, die deutsche Einrichtungen unterstützt haben und nun besonderen Schutz genießen.

Flüchtlingsbeauftragter: Gesellschaft heute offener

Der Flüchtlingsbeauftragte des Landkreises Aurich, Bernd Tobiassen vom Deutschen Roten Kreuz, berichtete, dass die Zahl der Ausländer im Landkreis in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Waren es Anfang 2015 noch 7903 Personen, so stieg die Zahl bis Ende 2022 auf 14 105. Den deutlichsten Anstieg gab es auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/16. Von den 14.105 Ausländern kommen 5110 aus EU-Staaten. Tobiassen geht davon aus, dass rund die Hälfte der hier lebenden Ausländer einen Fluchthintergrund haben.

Tobiassen betonte, dass sich das gesellschaftliche Klima gegenüber Ausländern in den vergangenen 30 Jahren seiner Tätigkeit deutlich verbessert habe. „Damals durfte man über angebliche Asylschmarotzer schwadronieren. Ausländer waren weitgehend rechtlos, eine Willkommenskultur gab es nicht, Helfer mussten sich rechtfertigen“, erinnert sich Tobiassen. „Heute ist die Gesellschaft viel offener.“ Er persönlich habe Angela Merkels berühmten Ausspruch „Wir schaffen das“ stets für richtig gehalten. Zum Jahresende will Tobiassen, der beruflich vor Kurzem in Rente gegangen ist, auch das Amt beim Landkreis niederlegen.

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