Gigafactory in Ostfriesland  Dämpfer für VW-Batteriefabrik-Pläne in Emden

| | 22.05.2023 11:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im VW-Werk in Salzgitter wird derzeit eine erste „Gigafactory“ zur Produktion von Batteriezellen aufgebaut. Foto: DPA
Im VW-Werk in Salzgitter wird derzeit eine erste „Gigafactory“ zur Produktion von Batteriezellen aufgebaut. Foto: DPA
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Seit mehr als sieben Jahren wird über den Bau einer Gigafactory am Dollart gesprochen. Doch im Augenblick sieht es nicht gut aus für die Milliardeninvestition – vor allem aus einem Grund.

Emden - Dämpfer für die Batteriefabrik-Pläne in Emden. Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ sieht der Volkswagen-Konzern derzeit keine Chancen, neben Salzgitter eine zweite Batteriefabrik in Niedersachsen aufzubauen. Dafür seien die Energiepreise in Deutschland zu hoch, heißt es. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Mitglied des VW-Aufsichtsrates, hatte sich mehrfach für eine zweite sogenannte Gigafactory am Standort Emden eingesetzt, zuletzt etwa bei einer Betriebsversammlung in Emden im Dezember 2022.

Am 9. Dezember 2022 sprach Ministerpräsident Stephan Weil vor rund 4000 Emder VW-Werkern. Foto: VW Emden
Am 9. Dezember 2022 sprach Ministerpräsident Stephan Weil vor rund 4000 Emder VW-Werkern. Foto: VW Emden

Mittlerweile habe man Weil aber vorgerechnet, dass eine solche Fabrik derzeit nicht wirtschaftlich zu betreiben sei, schreibt der „Spiegel“. Weil macht sich nun für eine staatlich subventionierten „Transformationsstrompreis“ von sieben Cent je Kilowattstunde stark. Dieser soll Deutschland gegenüber Asien und den USA wettbewerbsfähig machen. Aktuell liegt der Preisdeckel laut „Spiegel“ für mittlere und große Unternehmen bei 13 Cent je Kilowattstunde.

Laut „Spiegel“ waren die hohen Energiepreise auch Thema eines Treffens von deutschen Automobilmanagern mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) im Kanzleramt. Dabei soll VW-Chef Oliver Blume den Vorschlag Weils unterstützt haben. Wenige Tage zuvor hatten der Bund und das Land Schleswig-Holstein zugesagt, die Ansiedlung einer Batteriefabrik des Anbieters Northvolt in Heide zu fördern.

VW-Gigafactorys entstehen in Salzgitter, Valencia und Kanada

Seine erste eigene Batteriefabrik baut der VW-Konzern derzeit für zwei Milliarden Euro am Motorenwerk-Standort Salzgitter auf, die Produktion dort soll 2025 starten. Zwei weitere VW-„Gigafactorys“ sollen im spanischen Sagunto/Valencia (bis 2026) und im kanadischen St. Thomas entstehen. Bei einer Betriebsversammlung im Emder VW-Werk am 9. Dezember 2022 hatte Ministerpräsident Stephan Weil erneut die Forderung nach einer Batteriefabrik für Emden unterstrichen. „Dafür werde ich mich trotz der schwierigen Rahmenbedingungen einsetzen“, bekräftigte Weil vor rund 4000 Mitarbeitern.

Emden sei ein „beeindruckendes Beispiel für eine gelungene Transformation zur umweltschonenden Elektromobilität“. Und: „Dieses Werk hat nach meiner tiefen Überzeugung seine besten Zeiten noch vor sich.“ Im Emder VW-Werk läuft seit Frühjahr 2022 das Elektro-SUV-Modell ID 4 vom Band, ab Sommer dieses Jahres außerdem die Limousine ID 7, eine Art Elektro-Passat. Für den Umbau zur E-Auto-Fertigung investierte der Konzern mehr als eine Milliarde Euro in neue Hallen und Anlagen in Emden.

Emden eigentlich „perfekter Standort“

Im Januar 2022 hatte Ministerpräsident Weil Emden in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) als „perfekten Standort“ für eine Batteriefabrik bezeichnet. „An der Küste gelegen und sehr windreich!“, hieß es seinerzeit. Und: „Viel erneuerbare Energie direkt vor Ort, das würde gut zur Batterieproduktion passen, die äußerst energieintensiv ist.“

Allerdings betonte Weil schon damals, kurz vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, dass Emden in der Standortfrage im Wettbewerb stehe. Manche Staaten in Ost- und Südeuropa lockten mit „unsittlich hohen Subventionen“, da gehe es um dreistellige Millionenbeträge. Sein „dringendster Rat an die Bundespolitik“ sei, dass Deutschland mithalten solle. Es gehe darum, in der Autobranche eine vollständige Wertschöpfungskette einschließlich Batterieproduktion darstellen zu können, so Weil.

Im Dezember 2021 hatte der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, seinerzeit ebenfalls Mitglied im VW-Aufsichtsrat, im Landtag erklärt, Niedersachsen habe „durch die Windenergie an der Küste sehr günstige ökonomische und ökologische Voraussetzungen für eine weitere Batteriezellenfabrik neben Salzgitter“. Und weiter: „Wir werden uns als Landesregierung weiter für den Aufbau eines zweiten Batteriezell-Standorts bei uns in Niedersachsen einsetzen.“

Diskussion läuft seit Jahren

Die Diskussion um die Ansiedlung einer Batteriefabrik in Emden läuft bereits seit mehr als sieben Jahren. Ein möglicher Standort wäre wohl vor allem der Wybelsumer Polder, direkt neben dem VW-Werk gelegen.

Zur Erinnerung: 2019 hatte sich Emden auch um die Ansiedlung der ersten deutschen Fabrik des US-Herstellers Tesla beworben. Den Zuschlag bekam jedoch das brandenburgische Grünheide vor den Toren Berlins. Pläne für eine komplette Batteriefertigung dort hatte Tesla aber im Januar zusammengestrichen.

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