EWE-Abrechnungen  Tausende Kunden erhalten falsche Mahnbriefe

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 21.05.2023 11:34 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Blick zur EWE-Zentrale: Der Energieversorger hat zahlreiche falsche Mahnschreiben an seine Kunden verschickt. Foto: DPA
Ein Blick zur EWE-Zentrale: Der Energieversorger hat zahlreiche falsche Mahnschreiben an seine Kunden verschickt. Foto: DPA
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Die Kunden des Energieversorgers EWE warten weiter auf ihre Jahresabrechnungen und Rückzahlungen. Derweil verschickte das Unternehmen tausende Mahnschreiben, auch an einen Uthwerdumer.

Aurich/Oldenburg - Kunden des Energieversorgers EWE können häufig nur noch den Kopfschütteln: Auf ihre Jahresabrechnungen warten sie schon seit Monaten. Gleichzeitig flatterte bei vielen Kunden nun eine Mahnung ins Haus. Axel Romes staunte nicht schlecht, als er von der EWE per Mail erinnert wurde, seinen Gasabschlag zu bezahlen. „Die ziehen die Abschläge selbst von meinem Konto ein. Das hat die EWE auch wie gewohnt Anfang Mai getan“, ärgerte sich Romes. Er sei sehr sauer auf die Firma und habe dem Unternehmen einen bösen Brief geschrieben. Eine Antwort habe er bis heute nicht erhalten.

„Es handelt sich um einen menschlichen Fehler“, sagt EWE-Sprecher Mathias Radowski. Bedauerlicherweise sei bei der Kommunikation mit den Kunden etwas schiefgegangen. „Aufgrund eines händischen Umsetzungsfehlers haben in der vergangenen Woche mehrere tausend Energie-Kundinnen und Kunden fälschlicherweise eine Zahlungserinnerung erhalten, obwohl keine offenen Zahlungen vorliegen“, bestätigt der Sprecher. Aufgefallen sei der Fehler erst nach dem Versand der Schreiben. „Wir schreiben derzeit die betroffenen Kundinnen und Kunden an und weisen auf diesen Fehler hin, für den wir uns auch in aller Form entschuldigen“, so Radowski. Der Großteil der Betroffenen habe dieses Hinweis- und Entschuldigungsschreiben bereits erhalten.

EWE bittet im Entschuldigungsschreiben um Benotung

Der Bonner Romes lebt erst seit wenigen Jahren in Uthwerdum und hat in der Zeit mehrfach den Strom- und Gasanbieter gewechselt. „Die EWE ist der schlechteste“, so Romes. Bereits zum Juli wechselt er wieder den Stromanbieter, einen Monat später soll der Gasvertrag folgen. „Von der EWE verabschiede ich mich.“ So ein Fehler dürfe einem so großen Unternehmen nicht passieren. Er sei mühsam alle Zahlungen durchgegangen, nachdem er die Mahnung erhielt. Inzwischen ist auch bei Romes der „Liebesbrief“, wie er ihn nennt, mit der Entschuldigung eingetroffen. Dazu die Bitte, das Unternehmen zu bewerten. „Die Benotung wird nicht sehr positiv ausfallen“, verspricht Romes.

Aktuell passiere unglaublich viel im Energiemarkt, so die EWE. Sehr viele neue Aufgaben müssten von den Unternehmen umgesetzt und prozessual und kommunikativ an die Kunden weitergegeben werden, sagt Sprecher Radowski. Dabei sei dieser menschliche Fehler passiert, der nichts mit den Preisbremsen oder dem IT-System zu tun habe. Die erforderlichen Systemanpassungen wegen der von der Bundesregierung eingeführten Preisbremsen und Steuersenkungen macht die EWE hingegen für die verspäteten Jahresabrechnungen verantwortlich. Einige Kunden würden hierauf noch immer warten.

Zahlreiche Rückzahlungen weiterhin offen

Daran hängen nach Auskunft des Sprechers sowohl Forderungen von Nachzahlungen als auch ausstehende Rückzahlungen an die Kunden. „Es ist individuell vom Verhalten abhängig, ob die Kunden Energie gespart und ihren Abschlag an die neuen Preise angepasst haben“, so der Sprecher. Wo dies nicht durch den Kunden erfolgt sei, würden die ausstehenden Nach- und Rückzahlungen noch wie gewohnt erfolgen. Allerdings mit erheblicher zeitlicher Verzögerung.

Axel Romes ist gespannt, wann er die Jahresabrechnung bekommt. Sein Nachbar warte schon seit drei Monaten. „Wir müssen auf jeden Fall eine hohe Summe beim Gasabschlag zurückbekommen“, sagt Romes. Sei dies nicht zeitnah der Fall, werde er seinen Rechtsanwalt beauftragen. „Da lasse ich mir schon was einfallen.“

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