Prozess in Aurich  76-Jähriger soll eigene Enkelin missbraucht haben

| | 16.05.2023 14:10 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Eingang des Landgerichts im Auricher Schloss. Foto: Romuald Banik
Der Eingang des Landgerichts im Auricher Schloss. Foto: Romuald Banik
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Während eines Besuchs in den Sommerferien soll sich der Senior an der Teenagerin vergangen haben. Vor Gericht räumte der Mann zwar sexuelle Handlungen ein, jedoch nicht gegen den Willen des Mädchens.

Aurich - Weil er seine eigene Enkelin sexuell missbraucht haben soll, muss sich ein 76-Jähriger aus Aurich seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten. Laut Anklage war die heute 18-Jährige Anfang Juli 2021 in den Sommerferien bei ihrem Großvater in Aurich zu Besuch. Am Abend des 4. Juli soll sich der Senior dann im heimischen Wohnzimmer an der Teenagerin vergangen haben, mit den Fingern und der Zunge in sie eingedrungen sein. Irgendwann ließ der Großvater von seiner Enkelin ab. Diese schloss sich in einem Zimmer ein und verständigte ihre daheim gebliebene Mutter, die wiederum die Polizei rief.

Der 76-Jährige sagte am ersten Prozesstag selber nichts zu den schweren Vorwürfen. Er ließ über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Arno Saathoff (Aurich), eine Erklärung abgeben. Darin räumte er ein, dass es zu den besagten sexuellen Handlungen gekommen war, jedoch nicht gegen den Willen des Mädchens. Er bereue sein Verhalten gleichwohl. „Ich hätte mich nie dazu hinreißen lassen dürfen“, erklärte der 76-Jährige, der ursprünglich aus dem Ruhrgebiet stammt. Er habe sich mehrfach entschuldigt.

Mutmaßliches Opfer: „Ich war in Schockstarre“

Die heute 18-Jährige bestätigte die Vorwürfe der Anklage in einer rund zweistündigen Vernehmung als Zeugin. „Ich habe einmal Nein gesagt. Aber ich war wie in Schockstarre und habe nicht verstanden, was passiert. Ich war nicht in der Lage, mich zu wehren. Ich war geschockt und überfordert und habe es passieren lassen“, sagte sie. Als sie sich danach im Zimmer eingeschlossen hatte, habe sie gedacht: „Ich muss hier weg, ich muss fliehen.“ Zumal der 76-Jährige kurz zuvor beiläufig erwähnt hatte, dass er eine Pistole und ein Luftgewehr im Haus hat – weshalb er zusätzlich wegen unerlaubtem Waffenbesitz angeklagt ist. Die 18-Jährige leidet heute unter Panikattacken und muss Psychopharmaka nehmen.

Mutter berichtete von eigenen schlechten Erfahrungen

Auch die Mutter des Mädchens, also die Tochter des Angeklagten, sagte als Zeugin aus. Sie hatte am besagten Abend Nachrichten von ihrer Tochter aus Aurich erhalten. „Ich muss sofort hier raus. Er hat mich angefasst“, hieß es darin unter anderem. Die 49-Jährige berichtete, dass sie selber wohl auch Erfahrungen mit Missbrauch durch ihren Vater gemacht hat. „Nach außen waren wir eine perfekte Bilderbuchfamilie. Aber irgendetwas stimmte nicht. Bei aller Liebe zu ihm, es war immer ein klebriges Gefühl. Er ist ein besitzergreifender, übergriffiger Mensch.“ Ihr Vater sei „sehr dominant“ und manipulativ.

5000 Euro als Wiedergutmachung gezahlt

Sie habe immer viel Geld von ihm erhalten, als Wiedergutmachung für die Tat hatte der 76-Jährige bereits 5000 Euro an seine Tochter gezahlt. „Er hat gezahlt, um sein Gewissen reinzuwaschen, sich freizukaufen“, sagte die 49-Jährige dazu.

Eine Polizeibeamtin berichtete von der Vernehmung des 76-Jährigen. Dort sagte der Mann, seine Enkelin habe „durch Trinkerei einen Blackout“ gehabt und sich selbst ausgezogen. Sie habe sich ihm „offenbart“, die Tat „ohne Mucken“ über sich ergehen lassen und „alles genossen“.

Der Prozess vor der 1. Großen Jugendkammer des Auricher Landgerichts wird am Dienstag, 30. Mai (14 Uhr), fortgesetzt.

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