Bahnlinie Aurich-Abelitz Verein fordert Unterstützung von der Region
Momentan werden die Weichen gestellt für eine Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Emden für den Personenverkehr. Der Verein „Aurich ran an die Bahn“ fordert Engagement von Unternehmen und Politik.
Aurich - Die Bahnstrecke Aurich-Abelitz soll auch für den Personenverkehr wieder reaktiviert werden. Dafür kämpft der Verein „Aurich ran an die Bahn“ seit vielen Jahren. Vor acht Jahren war der Traum jäh geplatzt, als der Windradhersteller Enercon sich aus der Lademaßerweiterung der Strecke zurückgezogen hat. Jetzt ist die Gelegenheit wieder günstig: Denn das Land Niedersachsen hat eine neue Reaktivierungsrunde für stillgelegte Bahnstrecken ins Leben gerufen. Bis Mitte Mai sollen Städte, Gemeinden und Landkreise Strecken benennen, die überprüft werden sollen. Mit dabei ist bereits die Linie Aurich-Abelitz. Denn, so schreibt es die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), diese Strecke hatte bei der Reaktivierungsuntersuchung von 2013 bis 2015 bereits die Stufe zwei erreicht. Deswegen wurde sie automatisch für die neuen Untersuchungen wieder aufgenommen.
Dennoch wünscht sich der Auricher Verein um Helmut Wendt mehr Unterstützung aus der Region für das Vorhaben. „Die Politik können wir nicht kritisieren, denn alle sind für die Reaktivierung“, sagt Wendt in einem Pressegespräch. Mit dem Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff sowie dem Landtagsabgeordneten Wiard Siebels habe man auf allen politischen Ebenen prominente Fürsprecher. Wiard Siebels hatte in einem ON-Gespräch einmal betont, dass er wegen der Bahnreaktivierung in die Politik gegangen sei.
Verein hat alle Branchen angeschrieben
Es fehle aber dennoch, so Wendt, eine Art „Mr. A31“ für die Eisenbahn. Gemeint ist damit Rolf „Tullum“ Trauernicht. Der 2017 verstorbene Großefehntjer Unternehmer hatte durch seine Hartnäckigkeit den Lückenschluss der Autobahn 31 erreicht. Und es fehle der breite Rückhalt aus der Region. Nachdem Wendt in einer ersten Aktion Privatpersonen motiviert hat, einen Musterbrief mit der Forderung nach dem Bahnanschluss an Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) zu senden, hat er sich mit dem Verein nun an die Wirtschaft gewandt. Insgesamt 48 Briefe wurden verschickt mit der Bitte, einen Musterbrief an Olaf Lies zu senden. „Es muss doch im Interesse der hiesigen Gewerbetreibenden sein, dass sie sowohl von Kunden als auch von Mitarbeitern gut erreicht werden“, sagt Helmut Wendt.
Weit gefasst ist die Auswahl an Branchen. Sie reicht von den beiden Schnellrestaurants Burger King und McDonalds an der Emder Straße über die Hotels und Gaststätten in der Stadt bis hin zu den Gezeitenkonzerten. Auch die Veranstaltungsagentur Marema wurde angeschrieben, ebenso die Verkehrsvereine in Aurich und Südbrookmerland.
Post von „Aurich ran an die Bahn“ erhielt auch das Jugendparlament in Aurich sowie die Jugendorganisationen der Parteien. „Wo sind die jungen Leute? Es ist doch ihre Zukunft“, sagt Wendt. Aber von der Seite würde nichts kommen. Selbst Fridays for Future sage in Aurich nichts zur Reaktivierung der Bahn für den Personenverkehr.
Nahverkehr steht im Vordergrund
Reagiert hat dafür ein altgedienter Politiker. Wolfgang Ontijd (CDU), ehemaliger Landtagsabgeordneter sowie früherer Bürgermeister von Aurich, hat seit 2004 selbst daran gearbeitet, dass zumindest für den Güterverkehr die Gleise nach Abelitz wieder in Betrieb genommen wurden. Bei der Jugend beobachtet er eine gewisse Lethargie. „Aber die gehen nach der Schule sowieso weg.“ Aber man dürfe die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, so Ontijd. Es sei wichtig, über den Tellerrand zu schauen und auch an andere Kommunen zu denken. „Es geht immer um die Verbindung von A nach B.“ Daher müsse die Region zusammenhalten, darum müssten die Auricher für die anderen mitdenken.
Denn im Vordergrund, so Helmut Wendt, stehe immer der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Es gehe beim Bahnanschluss nicht darum, Fernzüge nach Aurich zu bringen. Es gehe darum, eine gute Verbindung zwischen Emden und Aurich zu schaffen mit vielen Haltepunkten dazwischen. Deswegen sollte der Betrieb auch nach der Straßenbahnbetriebsordnung erfolgen, nicht nach der Eisenbahnbetriebsordnung.
Tramtrain mit deutlich mehr Haltepunkten
Eine Idee, die bereits Verkehrsexperte Karl-Georg Schroll vor Kurzem vorgestellt hat. Denn Straßenbahnen können schneller bremsen und beschleunigen. Vor allem fahren sie auf Sicht, sodass die Ortsdurchfahrt in Moordorf einfacher zu meistern wäre. Außerhalb könnten höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Schroll schwebt daher ein Tramtrain vor, eine Mischung aus Straßenbahn und Eisenbahn.
Mit der Straßenbahnlösung seien auch viel mehr Haltepunkte möglich, sagt Thomas Gehrke, zweiter Vorsitzender von „Aurich ran an die Bahn“. So könnten neue Haltepunkte in Suurhusen, Hinte und Loppersum entstehen. Auch an die Zentralklinik in Uthwerdum müsse gedacht werden.
Aurich-Emden bereits Teil des Deutschlandtaktes
Die LNVG wird nun ein Vorauswahlverfahren in vier Schritten durchführen. Zunächst findet eine Vorauswahl der Strecken statt. Sechs bis acht Kriterien sollen dabei angelegt werden. Danach folgt eine Nutzwertanalyse der verbliebenen Strecken. Damit sollen die aussichtsreichsten Kandidaten ermittelt werden. Der dritte Schritt betrachtet dann die Kosten. Wie kann die Reaktivierung finanziert werden? Mit welchen Betriebskosten ist zu rechnen, wie sind diese zu finanzieren? Immerhin: Für die Reaktivierung gibt es derzeit bis zu 90 Prozent Fördergelder. Schließlich muss im letzten Schritt die sogenannte Antragsreife nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz hergestellt werden. Mehrere Jahre wird dieser Prozess in Anspruch nehmen.
Jahre, die sich nach Ansicht von Thomas Gehrke lohnen werden. Das sehe man am Beispiel anderer, bereits reaktivierter Strecken. Deren Nutzerzahlen seien höher als anfangs angenommen. Ein neues Schienenangebot ziehe die Menschen an. Ein gutes Omen gebe es bereits, sagt Bruno Braun, Kassenwart des Auricher Vereins. Im Beispielfahrplan des Deutschlandtaktes, der derzeit entwickelt werde, sei die Verbindung Aurich-Emden bereits enthalten.
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