Nahverkehr in Aurich Mit der Straßenbahn von Tannenhausen bis nach Emden
Karl-Georg Schroll ist Verkehrswissenschaftler und überzeugter Bahn-Anhänger. Für Aurich hat er sich etwas Besonderes ausgedacht.
Aurich - Ein überzeugter Anhänger der Bahnanbindung Aurichs ist Dr. Karl-Georg Schroll. Der Verkehrswissenschaftler war Geschäftsführer der Eisenbahngesellschaft Oldenburg-Ostfriesland (EGOO) und hat in dieser Funktion mit dafür gesorgt, dass die Strecke nach Abelitz 2008 zumindest für den Güterverkehr reaktiviert wurde. Nun hat er ein Buch über diese Strecke geschrieben, die 1883 entstanden ist. Zwei Teile enthält das Werk. Zunächst handelt er die Historie zwischen 1850 und 2004 ab. Relevanz auch für die Zukunft hat der zweite Teil mit den Konzepten für die Schiene in Ostfriesland, die teils bis heute gültig sind.
„Ich ärgere mich besonders, dass zehn Millionen Euro bislang unnütz in die Strecke nach Abelitz investiert worden sind“, sagt Schroll im ON-Gespräch. Unnütz, weil die Strecke durch die paar Güterwaggons, die derzeit dort verkehrten, nicht erhalten werden könne. Schroll will nach wie vor den Personennahverkehr auf die Schiene bringen, kämpft dafür gemeinsam mit dem Verein „Aurich ran an die Bahn“, dessen zweiter Vorsitzender er einst war.
Straßenbahn bis Georgsheil
Ein Kampf, dessen Erfolgsaussichten in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Für die Berechnung der Kosten und des Nutzens wurden zwei neue Kriterien eingeführt, mit denen die Strecke wirtschaftlicher wird. Die Bundesregierung hat sich den Ausbau der Schiene angesichts des Klimawandels auf die Fahnen geschrieben, und angesichts des Ukraine-Krieges soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schneller gesenkt werden als bislang geplant. Der Landkreis Aurich will eine neue Machbarkeitsstudie für die Strecke Aurich-Abelitz in Auftrag geben. Bislang ist es nicht gelungen, einen Gutachter aufzutreiben. Auch das ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Schiene Aufwind hat, wie Bruno Braun vom Verein „Aurich ran an die Bahn“ sagt. Denn es gebe derzeit einfach eine Vielzahl von Bahnprojekten in Deutschland.
Neue Gutachten müsse man gar nicht unbedingt erstellen, sagt hingegen Karl-Georg Schroll, der auch Verkehrswissenschaftler ist. Er empfiehlt dem Landrat Olaf Meinen sein neues Buch. Darin seien genug Konzepte für ein ostfriesisches Nahverkehrsnetz enthalten. So bevorzugt Schroll eine Straßenbahn auf der Strecke von Aurich bis Georgsheil. Denn Züge, die nach der Straßenbahnbetriebsordnung fahren, hätten es an den vielen Bahnübergängen leichter. „Die Sicherheit sitzt dann im Zug.“ Heißt: Der Fahrer selbst schaut, ob der Weg frei ist. Eben genau so, wie es ein Straßenbahnfahrer zum Beispiel in Bremen auch machen muss. „So könnte man auch den Wallster Weg problemlos queren.“ Ab Georgsheil könnte dann die Eisenbahnbetriebsordnung für die Weiterfahrt bis nach Emden gelten.
Mindestens 14 Haltepunkte müsse es geben, um so viele Autofahrer wie möglich in die Bahn zu locken. Alleine in Moordorf sollten es laut Schroll sechs Zusteigemöglichkeiten sein. Kritik aus Moordorf, die Schiene würde das Dorf zerschneiden, weist er zurück. Denn das mache die Straße auch ohne die Gleise. „Die Schienen sollten damals für eine breitere Bundesstraße verschwinden.“ Heute habe man dort ein wunderbares Nebeneinander von drei Fahrbahnen, zwei Gehwegen und einem Gleis.
Plädoyer für die Bahnanbindung
Karl-Georg Schroll: „Aurich-Abelitz. Der Bahnanschluss zum Weltverkehr – ein ostfriesisches Bahnkonzept“. BlattFuchs-Verlag 2022, ISBN 9783946652298, 22,50 Euro
Und die Kosten für den SPNV? „Der Nahverkehr ist nie rentabel, das geht gar nicht“, sagt Schroll. Es sei aber ein Teil der Daseinsvorsorge, diese Verbindungen anzubieten.
Elektrozüge im Akku-Betrieb
Auch an die Fahrzeuge hat er bereits gedacht. Zum Einsatz kommen könnten Elektrozüge, die mit einem Akku betrieben würden. Aufgeladen werden sie dann an der Oberleitung auf dem Stück zwischen Abelitz und Emden. In Aurich könnten die Züge in Höhe des Dreekamp geteilt werden. Eine Hälfte führe weiter bis zum neuen ZOB an der Sparkassen-Arena, die andere Hälfte fahre weiter bis nach Sandhorst und Tannenhausen. Auch ein Lückenschluss wäre denkbar, um Wilhelmshaven mit der Bahn von Aurich aus erreichen zu können. „Alles ist denkbar“, so Schroll. Geld sei dank der Klimakrise für den Bahnausbau genug vorhanden. Im Übrigen sei schon 1906 eine Verbindung zwischen Aurich und Sande geplant worden. Sogar einen Staatsvertrag mit Oldenburg habe es darüber gegeben. „Der ist nur nie ratifiziert worden.“
Berechnungen, Zahlen, Vergleiche zwischen verschiedenen Verkehrsträgern – wer sich tief in die Materie der Auricher Bahnanbindung einarbeiten möchte, wird mit dem Buch von Karl-Georg Schroll gut bedient. Es ist ein fundiertes Plädoyer, den Nahverkehr auch in der Kreisstadt Aurich wieder auf die Schiene zu bringen.
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