Dörpmuseum Münkeboe  Zwei Apotheken werden zu einer

| | 04.05.2023 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Herzstück des neuen Gebäudes ist eine historische Apotheke mit über 400 Jahre alten Exponaten. Fotos: Holger Janssen
Herzstück des neuen Gebäudes ist eine historische Apotheke mit über 400 Jahre alten Exponaten. Fotos: Holger Janssen
Artikel teilen:

Zwei historische Apotheken aus der Region sind im Dörpmuseum in Münkeboe zu einer vereint worden. Dafür wurde eigens ein neues Haus gebaut. Bei der Eröffnung flossen Tränen.

Münkeboe - Es dauerte nicht lange, bis auch der letzte der Anwesenden wusste, wie viel Otto Klatt am Münkeboer Dörpmuseum liegt. Unter Freudentränen nahm er am Donnerstag die Würdigung als Ehrenmitglied der Dorf-Arbeitsgemeinschaft entgegen. Gemeinsam mit dem Verein zum Erhalt der Mühle in Münkeboe betreibt die Dorf-Arge das Museum. Nun ist es um ein nagelneues Gebäude reicher – und für Otto Klatt ging ein Traum in Erfüllung.

Eine Apotheke, eine Schneiderei, eine Schusterwerkstatt und ein Friseursalon finden seit Kurzem Platz in dem neuen Gebäude neben dem Kolonistenhaus. Mehr als 222.000 Euro kostete der Bau des Gebäudes. Geld, das nur dank umfangreicher Fördermittel aufgebracht werden konnte. Und ohne die tatkräftige Hilfe vieler Ehrenamtlicher wäre der Bau wohl noch deutlich teurer und damit kaum realisierbar geworden. Rund 182.000 Euro konnten die Verantwortlichen bei verschiedenen Förderstellen einwerben. 40.000 Euro musste das Museum selbst aufbringen.

Jahrhunderte alte Exponate aus Apotheke

Entstanden ist die Idee, eine historische Apotheke im Museum einzurichten, bereits vor vielen Jahren. Otto Klatt war die Einrichtung einer Apotheke in Westerstede angeboten worden. Allerdings war nur noch eine Ladeneinrichtung mit vielen Schubladen übrig. Das Inventar war bereits verkauft worden. Die Einrichtung, so Klatt, hätte auch in einem Geschäft für Oberhemden stehen können. Dennoch ließ ihn die Idee nicht mehr los. Klatt, der ursprünglich aus Marienhafe stammt, fragte bei einer Apotheke an, die er schon als Kind immer wieder besucht hatte. Und die Eigentümer der Adler-Apotheke zeigten sich aufgeschlossen. Einige Zeit später kam auch die Einrichtung der Hager Apotheke hinzu, die nach 413 Jahren geschlossen wurde. Apotheker Tielemann Schäffer unterstützte die Museumsmacher zudem mit Rat und Tat. Und mit etlichen Exponaten, die zum Teil noch aus der Anfangszeit der Apotheke stammten und damit einige Hundert Jahre alt sind.

Ein Blick in die historische Apotheke. Foto: Holger Janssen
Ein Blick in die historische Apotheke. Foto: Holger Janssen

Neben der Apotheke als Herzstück des Gebäudes gibt es dort eine Schneiderei und eine Schusterwerkstatt. Und den Friseursalon der Familie Leibnitz, in dem sich vor vielen Jahren viele Auricher an der Oldersumer Straße die Haare schneiden ließen. Theda Leibnitz, die selbst noch in diesem Salon die Schere geschwungen hatte, freute sich darüber, dass die wertvolle Einrichtung samt echtem Marmor einen derart würdigen Platz gefunden hatte. Bevor das neue Gebäude fertig war, waren die Werkstätten in der benachbarten Mühle untergebracht.

„Ich bin heute ein überglücklicher Mensch“

Exakt zwei Jahre und einen Tag dauerte es vom ersten Spatenstich bis zur Eröffnungsfeier des neuen Gebäudes. In dieser Zeit habe es „einige Katastrophen“ zu bewältigen gegeben, so Otto Klatt. So lag unter der Baufläche eine Hauptwasserleitung. Auch Corona machte den Verantwortlichen zu schaffen. Und wegen eines Tornados in Berumerfehn zogen Baufirmen zeitweise sämtliche Handwerker aus Münkeboe ab, um den vom Sturm Betroffenen schnell wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen.

Tielemann Schäffer zeigt das alte Mobiliar. Foto: Holger Janssen
Tielemann Schäffer zeigt das alte Mobiliar. Foto: Holger Janssen

All das konnte Otto Klatt am Donnerstag mit einem Lächeln auf den Lippen erzählen. „Ich bin heute ein überglücklicher Mensch“, ließ er die rund 50 geladenen Gäste wissen. Was er da noch nicht ahnte, wusste bereits ein enger Kreis um Martina Bruns, der Vorsitzenden der Dorf-Arbeitsgemeinschaft. Sie würdigte Klatt wenig später als Ehrenmitglied der Dorf-Arbeitsgemeinschaft. Und prompt flossen Tränen, sowohl bei Martina Bruns, als auch bei Otto Klatt selbst.

Tränen bei der Ehrung.
Tränen bei der Ehrung.

Für ihn schließt sich mit dem Apothekenbau ein Kreis. In seiner Kindheit habe er in Sichtweite der Adler-Apotheke gewohnt. Nun könne er von seinem Haus in Münkeboe ebenfalls wieder auf die Apotheke blicken. Und noch ein Kreis soll sich schließen: Nahe der alten Adler-Apotheke steht seit vielen Jahren ein Walnussbaum, gleich mehrere Hundert Jahre alt ist die berühmte Blutbuche, in deren Schatten die Hager Apotheke steht. Bäume dieser Arten sollen künftig auch an der Museumsapotheke einen Platz finden.

Ähnliche Artikel