Protest vom Ihlower Ausschuss Schleichendes Ende für den Schulkindergarten
Der Ihlower Bildungsausschuss tut sich schwer, den Schulkindergarten in Westerende-Kirchloog aufzugeben. Doch neue Kinder aufnehmen, kann er auch nicht. Eine Hoffnung haben die Politiker nun noch.
Ihlow - Voller Unverständnis und Wut reagierten die Mitglieder des Ihlower Bildungsausschusses auf das baldige Ende des Schulkindergartens in Westerende-Kirchloog. Er ist der letzte seiner Art im Altkreis Aurich. Doch nach Angaben des Schulleiters Wolfgang Albers steht er vor dem Aus. Da es ihm nicht gelungen sei, Personal zu bekommen, bliebe ihm keine Wahl, erläuterte er im Ausschuss. „Wir hatten viel vor – in neuen Räumen mit neuer EDV. Doch daraus wird nichts“, sagte Albers bedauernd. „Wir schaffen es nicht mehr, das ist die traurige Realität.“
Für das kommende Schuljahr gebe es schon wieder Kinder, die gerne das Angebot des Schulkindergartens genutzt hätten, erläuterte Albers. Doch dieses Schuljahr habe gezeigt, dass die Betreuung der 14 Kinder nicht ausreichend gewährleistet werden kann. „Es sind einige mit Fluchttendenzen dabei“, schilderte der Schulleiter. Andere Lehrkräfte hätten sie wieder zurückbringen müssen. Das derzeitige Schulsystem sehe Schulkindergärten einfach nicht vor. „Ich bin mit der Hilfe, die wir bekommen, nicht zufrieden“, sagte Albers auch mit Blick auf den Landkreis. „Uns bleibt nichts anderes, als den Schulkindergarten abzuwickeln.“
Elternrat möchte die Einrichtung erhalten
Diesem Votum der Gremien der Schule wollte der Ihlower Fachausschuss nicht recht folgen. André Goldenstein von der SPD-Fraktion sprach sich für einen Prüfauftrag an die Verwaltung aus. „Wir wollen nicht kampflos aufgeben.“ Stattdessen solle die Gemeinde als Schulträger an die Landesschulbehörde, den Landkreis und die Landtagsabgeordneten herantreten, um doch noch eine Lösung zu finden. „Das hilft uns nicht. Wir werden im kommenden Schuljahr keine Kinder aufnehmen“, entgegnete Albers. Als Schule habe er alles versucht, nun sei die Politik gefragt.
Schulkindergarten vor dem Aus
Kein Rückenwind für den Schulleiter vom Ihlower Rat
Viele offene Fragen nach Tauziehen um den Erhalt des Schulkindergartens
Ein Zwischenschritt vor der Einschulung
Als „ganz erschreckend“ bezeichnete Renate Dittrich (SPD) die Situation. Sie hätte sich gewünscht, dass schon viel früher „Theater auf Landesebene“ gemacht worden wäre. Sie könne einer Schließung nicht zustimmen. Was denn der Elternrat der Gemeinde dazu sagen würde? Vom Elternrat war keine Stellungnahme eingegangen. Michael Meyer, der dem Ausschuss als Elternvertreter beiwohnte, begründete dies mit mangelnder Zeit, um eine Sitzung einzuberufen. Doch das Thema sei in den Schulen sehr brisant. Er fände es sehr wichtig, die Einrichtung aufrechtzuerhalten. „Das Thema ist heikel und schwierig“, so Meyer.
Ausschuss fordert Land zum Handeln auf
Der Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs konnte die Bedenken des Ausschusses gut nachvollziehen. „Wir sollen jetzt ausbaden, was anderswo versaut wurde“, sagte er. Was ihn umtreibe, sei die Folge aus der Entscheidung. Wenn es jetzt schon kein Personal gebe, um Schulkindergärten zu versorgen, wie solle dann bis 2026 umgesetzt werden, dass es überall Ganztagsschulen gibt? „Da müssen bei uns die Alarmglocken schrillen, wie das ohne Personal funktionieren soll“, so Ulrichs.
Petra Saathoff als Leiterin der Riepster Kita „Zwergennest“ fand es sehr bedenklich, dass ihre Einrichtungen über die schlechte Personallage keine Infos bekommen hätten. Die Lösung könne nicht sein, dass die betroffenen schulpflichtigen Kinder ab kommendem Schuljahr in den Kindertagesstätten oder noch schlimmer zu Hause bleiben. „Unsere Plätze sind bereits wieder vergeben“, verdeutlichte Saathoff das Dilemma.
Sabine Hohagen (Grüne) forderte von ihren Ausschusskollegen, den Schulleiter nicht im Regen stehen zu lassen. Das Thema einfach auszusitzen oder Prüfanträge zu stellen, helfe ihm bei der Planung des kommenden Schuljahres nicht weiter. Letztlich entschied das Gremium einstimmig, sich für den Erhalt des Schulkindergartens auszusprechen und das Land aufzufordern, Personal zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werde der Ausschuss bereit sein, sich kurzfristig noch einmal zu treffen, um notfalls doch über ein Ende des Schulkindergartens zu beschließen, so der Vorsitzende Julian Jetses.