Ihlower Bildungsangebot Schulkindergarten vor dem Aus
Der Schulkindergarten der Grundschule Westerende-Kirchloog wird voraussichtlich zum Schuljahresende geschlossen. Schulleiter Wolfgang Albers nennt die Gründe für diesen Schritt.
Ihlow - Im Ihlower Schulkindergarten finden bisher die schulpflichtigen Kinder einen Platz, die noch nicht genügend entwickelt sind, um erfolgreich am Unterricht der ersten Klasse teilzunehmen. Doch die Einrichtung steht vor dem Aus. Am Dienstag, 2. Mai, berät der Ihlower Bildungsausschuss über die Aufhebung des Schulkindergartens. „Wir haben alles versucht und gekämpft. Aber wir können die Betreuung nicht länger garantieren“, sagt Wolfgang Albers. Als Schulleiter der Grundschule Westerende-Kirchloog betreut er den angeschlossenen Schulkindergarten mit. Früher habe eine Diplom-Sozialpädagogin die Betreuung übernommen. Doch seit einiger Zeit müsse dies eine Lehrkraft sein. Und die findet Albers nicht.
Im laufenden Schuljahr kümmern sich der Schulleiter selbst und Erzieherin Helma Mäcken vom mobilen Dienst um die 13 Kinder. Die meisten davon kommen aus der Stadt Aurich, nur eins aus der Gemeinde Ihlow. Der Einzugsbereich des Schulkindergartens ist groß, 16 Grundschulen werden durch ihn betreut. Lediglich in Norden an der Grundschule Im Spiet gibt es einen weiteren Schulkindergarten. „Es tut uns sehr leid, dass wir die Einrichtung nach 20 Jahren aufgeben müssen“, so Albers. Die Schule habe die entsprechenden Beschlüsse bereits gefasst, nun ist die Gemeinde als Schulträger gefragt.
Erste Schritte in den Schulalltag
Viele Schulen hätten bereits ein riesiges Personalproblem, so der Schulleiter. Bisher sei seine Grundschule noch gut aufgestellt gewesen. Doch eine Vertretung für den Schulkindergarten konnte Albers trotz zahlreicher Telefonate, die er geführt habe, nicht finden. In seinen Augen müssten die Sondergruppen von Förderschullehrern geführt werden. Doch das sei vom Land so nicht vorgesehen. Auch Schulbegleiter könnten die Jungen und Mädchen nicht bekommen. Diese stünden ihnen erst ab der ersten Klasse zu.
Im Schulkindergarten in Westerende lernen die schulpflichtigen Kinder stillzusitzen, die Mappen zu führen und den Schulalltag zu organisieren. Dabei seien sie laut Albers auf sehr viel Hilfe angewiesen. „Die Aufgabe ist sehr anspruchsvoll.“ Im Prinzip werde die Vorschularbeit aus den Kindergärten fortgesetzt. Gleichzeitig würden erste Buchstaben eingeführt. Nachdem die Kinder ein Jahr intensiv betreut worden seien, könnten sie anschließend eine erste Klasse einer Grundschule besuchen. „Der Erfolg ist da“, so Albers.
Bürgermeister bedauert die Entscheidung
Helma Mäcken ist seit zehn Jahren als Erzieherin im Schulkindergarten tätig. Sie hänge mit Herzblut an ihrer Arbeit dort. „Es geht ein Bildungsangebot verloren“, so Mäcken. Rund 100 Kinder habe sie in all den Jahren betreut und im emotional-sozialen Bereich aufgefangen. Insbesondere Rituale und Strukturen würden diesen Kindern helfen, später im Unterricht zurechtzukommen. Die Sechs- und Siebenjährigen hätten ein Jahr länger Zeit gehabt, sich zu entwickeln. Im kommenden Schuljahr komme deshalb auf alle Beteiligten eine große Aufgabe zu. Die Schließung verdränge sie momentan noch. „Ich schaue im Juli, wie es weitergeht“, so Mäcken.
Den Erfolg bestätigt der Einrichtung Wolfgang Neiweiser als Leiter der Auricher Grundschule Finkenburg. Immer wieder habe er Kinder, die zurückgestellt werden mussten, in den Schulkindergarten eingewiesen. Sollte dies zukünftig nicht mehr möglich sein, müssten die Kindergärten oder Grundschulen einspringen. Nach der Rückstellung könnten die Kinder in ihren Kindergarten zurückkehren. Doch da dort die Plätze zu diesem Zeitpunkt schon neu vergeben wurden, sei nicht immer Platz für die Älteren. In diesem Fall würden sie entweder ein Jahr zu Hause betreut, wo eventuell der Förderbedarf nicht abgedeckt werden könne. Oder sie würden doch in die erste Klasse eingeschult. „Sie haben einen hohen Förderbedarf und der ist in großen Klassen nicht einfach zu handhaben“, so Neiweiser. Er fände es deshalb schade, wenn der Schulkindergarten geschlossen würde: „Er fällt dem Lehrermangel, der Aurich inzwischen erreicht hat, zum Opfer.“
Ob es so weit kommt, entscheiden im nächsten Schritt die Gemeinde Ihlow und danach die Landesschulbehörde. Letztere habe die Schulen aber bereits über die Schließung informiert, so Neiweiser. Auch der Ihlower Bürgermeister Adam Ulrichs bedauert die geplante Schließung. „Wir sind froh, dass es den Schulkindergarten bei uns gibt“, so Ulrichs. Doch würde er auch die Zwangslage der Grundschule Westerende sehen. „Ich gehe davon aus, dass die Politik die Schließung mitträgt. Wir werden nicht darum herumkommen.“ Der Ihlower Bildungsausschuss trifft sich zur öffentlichen Sitzung am 2. Mai um 17 Uhr in der Grundschule Riepe.