Feuerwehr braucht neue Leute  Alarm der anderen Art in Wirdum

| | 29.04.2023 18:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sie alle hoffen auf viele neue Freiwillige: Vize-Rathauschef Jochen Behrends (von links), Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels, Ortsbrandmeister Christian Lücht, sein Stellvertreter Daniel Weinrank, Erster Gruppenführer und Gerätewart Matthias Rewerts, setllvertreterdener Gruppenführer und Jugendwart Sven Hinrichs, Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens sowie Ordnungsamtsleiter Guido Feldmann. Foto: Karin Böhmer
Sie alle hoffen auf viele neue Freiwillige: Vize-Rathauschef Jochen Behrends (von links), Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels, Ortsbrandmeister Christian Lücht, sein Stellvertreter Daniel Weinrank, Erster Gruppenführer und Gerätewart Matthias Rewerts, setllvertreterdener Gruppenführer und Jugendwart Sven Hinrichs, Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens sowie Ordnungsamtsleiter Guido Feldmann. Foto: Karin Böhmer
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Wenn der Alarm geht, rückt die Feuerwehr Wirdum aus und sorgt für den Schutz der Bevölkerung. Doch nun ist sie selber in Not, denn mehrere Aktive sind ausgetreten. Nun soll die Bevölkerung retten.

Wirdum - Als Kind will fast jeder Feuerwehrmann werden. Doch als Erwachsene haben die meisten den Wunsch vergessen. Die Wirdumer Feuerwehr steht nun vor der Aufgabe, Kindheitsträume wahr werden zu lassen und neue Leute anzuwerben – denn es mangelt an Einsatzkräften.

Deshalb startet das Ortskommando eine Anwerbeoffensive. Ortsbrandmeister Christian Lücht wird bei der Maifeier die Wirdumer von der Bühne aus um nachhaltige Unterstützung bitten. „Das ist ein Appell, den die Bürger hoffentlich wahrnehmen“, so Lücht. Die Feuerwehr stehe jederzeit für Gespräche mit Interessierten bereit und wolle parallel auch gezielt mögliche neue Kameraden und Kameradinnen ansprechen.

Die Feuerwehr ist in akuter Personalnot, die sich laut Lücht erst in den vergangenen Wochen durch einige Wegzüge, Krankheiten oder berufliche Veränderungen entwickelt hat. Dem Ortsbrandmeister zufolge sank die Zahl der Aktiven binnen kurzer Zeit von 27 auf 18. Es seien noch weitere Abgänge angekündigt. Gleichwohl ist der Brandschutz laut Lücht derzeit voll gewährleistet.

Öffentlicher Dienstabend mit praktischen Übungen

Lücht hatte am Donnerstag schon eine erste gute Nachricht: Nachdem zwei Wirdumer gezielt angesprochen worden sind, habe die Feuerwehr nun zwei neue Mitglieder. Eines davon sei schon voll ausgebildet und früher Mitglied in einer anderen Wehr gewesen.

Nach dieser Erfahrung hofft das Ortskommando auf weitere Erfolge. Für Freitag, 5. Mai, werden alle Interessierten zu einem Schnupperübungsabend eingeladen. „Das ist weit mehr als ein Tag der offenen Tür. Da kann man Fragen stellen, sich alles zeigen lassen, aber auch mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, ein Strahlrohr in der Hand zu haben“, sagte Lücht. Er betonte aber auch, dass am Ende nur ein langfristiges Engagement der Interessierten der Feuerwehr wirklich nütze.

Sollstärke durch den Bedarfsplan höher als per Gesetz

Nach gesetzlichen Vorgaben liegt die Soll-Stärke der Wirdumer Wehr bei 14 Aktiven. Doch im Brookmerland sind durch den Feuerwehrbedarfsplan höhere Sollstärken festgelegt worden. Für Wirdum wäre dies die doppelte gesetzliche Stärke, also 28 Aktive. Das liegt auch am Mannschaftstransportwagen, den die Wehr durch die Umsetzung des Bedarfplans zusätzlich bekommen soll, wie der zuständige Fachbereichsleiter Guido Feldmann sagte. 14 Plätze seien dann auf den Fahrzeugen vorhanden. Alle sollten doppelt besetzt sein.

Der Brand des Bismarckshofes zählte zu den größten Feuern der jüngsten Vergangenheit in Wirdum. Foto: Karin Böhmer
Der Brand des Bismarckshofes zählte zu den größten Feuern der jüngsten Vergangenheit in Wirdum. Foto: Karin Böhmer

Der Personalmangel drückt an zwei Stellen: Zum einen gibt es in Wirdum viele Auspendler, sodass die Tageseinsatzstärke schon 2019 nur bei rund zehn Einsatzkräften lag. Zum zweiten ist der Feuerwehrbedarfsplan die Grundlage für den Neubau von Feuerwehrhäusern. Sollte die Wirdumer Wehr weit unter diesen Vorgaben bleiben, müsse man sich wohl mit der Wehr in Upgant-Schott zusammensetzen und nach Lösungen suchen, sagte Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels. Was er nicht sagte: Sollten sich die beiden Wehren wegen des Wirdumer Personalmangels zusammenschließen, dürfte dies auch Folgen für die Standorte der Feuerwehrhäuser haben.

Leezdorfer vor fünf Jahren mit Resonanz zufrieden

Die Wirdumer Probleme erinnern ein wenig an die Leezdorfer Personalsorgen im Jahr 2018, als mehrere Einsatzkräfte ausgetreten waren. Zu einem Infoabend erschienen damals zehn Männer und eine Frau und ließen sich die Fahrzeuge zeigen, über Einsatzszenarien aufklären und eine Fettbrandexplosion vorführen. Vier oder fünf Besucher wollten daraufhin zu einem weiteren Übungsabend kommen und sich den Feuerwehrdienst gründlich anzuschauen. Es meldeten sich zudem weitere Interessierte. Die Leezdorfer, die damals unter Sollstärke gefallen waren, wollten trotz der schon feststehenden Zusammenlegung mit der Feuerwehr Osteel ihre Einsatzstärke erhöhen.

Das muss man für den Feuerwehrdienst mitbringen und wissen

Aktives Mitglied der Feuerwehr kann werden, wer in Wirdum wohnt, zwischen 16 und 67 Jahre alt ist und die gesundheitlichen Voraussetzungen mitbringt.

Eine Zweitmitgliedschaft kann erwerben, wer in einer anderen Brookmerlander Wehr aktiv ist und sich regelmäßig in Wirdum aufhält, weil er oder sie beispielsweise dort arbeitet.

Es sind bereits einige Frauen in der Wehr aktiv. Im Bedarfsplan wird mit rund neun Frauen kalkuliert.

Eine Mitgliedschaft beginnt mit einer sechsmonatigen Eingewöhnungsphase und der vierwöchigen Truppmann-1-Ausbildung. Ab dann dürften die Neu-Einsatzkräfte schon mit ausrücken und Aufgaben übernehmen, aber noch nicht direkt in den Einsatz gehen.

Dienstabende sind in Wirdum alle zwei Wochen freitags.

In den vergangenen zwei Jahren hat die Wirdumer Wehr 24 Einsätze gehabt.

Die Wirdumer Wehr will und soll sogar eigenständig bleiben und braucht umso nötiger Zugänge. Einstweilen gehen das Ortskommando, Gemeindebrandmeister Klaus-Dieter Cassens und die Samtgemeindespitze voller Hoffnung in die Werbeaktion. Eine Pflichtfeuerwehr werde es nicht geben, betonte Ihmels. Aber Wirdum liege etwas abseits von den anderen Brookmerlander Gemeinden. Für Brandschutz, aber auch für das Soziale, sei eine Feuerwehr im Ort sehr wichtig.

Viele verschiedene Aufgaben

Die Wehr wirkt an vielen Veranstaltungen wie dem Maibaumaufstellen, dem Nikolausumzug oder dem Osterfeuer mit. Auch Prävention gehört zu ihren Aufgaben. Zudem kontrolliert sie die Hydranten und berät auf Nachfrage zum Brandschutz. Die Gemeinschaft ist laut Jochen Behrends ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehrarbeit - und ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

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Auch die Jugendarbeit soll intensiviert werden, um eigenen Nachwuchs heranzuziehen. Elf Mitglieder hat die Jugendwehr laut Jugendwart Svens Hinrichs. Zwei Mädchen erreichen noch in diesem Jahr das Mindestalter für den aktiven Dienst. Die anderen Nachwuchskräfte seien aber erst 12 oder 13 Jahre alt, so Hinrichs. Schon seit 2019 planen die Wirdumer - ausgebremst von Corona - eine Kinderfeuerwehr. Ein Plan, der laut Lücht bald wieder aufgenommen werden soll - wenn die dringendsten Probleme gelöst sind.

Das Üben soll abwechslungsreich sein

„Wir bemühen uns auch sehr, die Dienstabende abwechslungsreich zu gestalten“, sagte Lücht. Einmal im Quartal gebe es eine Einsatzübung der Wirdumer Wehr. Hinzu kämen Übungen zusammen mit den anderen Brookmerlander Feuerwehren. Es habe Exkursionen zur Kläranlage in Emden, zum Flugplatz in Emden und der Wachbereitschaft Emden gegeben. „Da haben wir uns besondere Einsatzsituationen und Sonderfahrzeuge angesehen“, sagte Daniel Weinrank.

Bei der Nachbarfeuerwehr in Upgant-Schott hätten die Wirdumer das Rettungsgerät für Unfälle ausprobieren dürfen. „Wir durften auf dem Schrottplatz ein Fahrzeug mit dem Gerät auseinandernehmen“, so Weinrank. „Alle waren begeistert - auch von der guten Erklärung durch die Kameraden.“