Verbot neuer Gasheizungen Das kann so nicht funktionieren

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Ein Kommentar von Matthias Hippen
| 29.04.2023 10:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Regler eines herkömmlichen Heizkörpers, der wohl kaum noch eine Zukunft hat. Denn für alternative Heizformen sind meist Flächenheizungen mit geringeren Vorlauftemperaturen erforderlich. Foto: DPA
Der Regler eines herkömmlichen Heizkörpers, der wohl kaum noch eine Zukunft hat. Denn für alternative Heizformen sind meist Flächenheizungen mit geringeren Vorlauftemperaturen erforderlich. Foto: DPA
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Der Regierungsbeschluss ist für Eigentümer älterer Häuser fatal. Alternative Heizmethoden sind teuer und für viele kaum zu bezahlen. Übergangslösungen müssen deshalb her. Ein Kommentar.

Strom statt Erdgas: Auf diese Lösung setzt die EWE in Neubaugebieten. Der Energieversorger baut keine neuen Gasleitungen mehr. Das betrifft auch den letzten Bauabschnitt im Auricher Baugebiet „Im Timp“. Es ist ein Sinneswandel. Noch vor einem Jahr hieß es von der EWE, es werde weiter Gasleitungen geben. Pech für die Bauherren, die anders geplant haben. Sie können diese politisch forcierte Änderung ausbaden.

Dabei haben diejenigen, die neu bauen, vielleicht noch Glück im Unglück: Sie müssen möglicherweise umplanen, wohl höhere Kosten stemmen – wenn sie es denn können. Aber was sollen all jene machen, die in Altbauten sitzen und ab kommendem Jahr keine neuen Gasheizungen mehr einbauen dürfen? Sie haben verloren, wenn die alte Heiztherme den Geist aufgibt. Dabei dürfte schon jetzt klar sein: Das Verbot wird so nicht funktionieren.

Allein mit einer Wärmpumpe ist es nicht getan

Für Standard-Wärmepumpen sind Fußbodenheizungen erforderlich. Und die hat der Großteil der älteren Häuser nicht. Für eine Wärmepumpe und eine Fußbodenheizung werden bei einem 120-Quadratmeter-Haus über den dicken Daumen zusammen rund 25.000 Euro fällig. Da eine Wärmepumpe mächtig viel Strom benötigt, sollte eine Photovoltaikanlage aufs Dach. Mit Stromspeicher sind das grob geschätzt weitere 25.000 Euro. Die Kosten liegen also bei rund 50.000 Euro. Plus neue Bodenbeläge. Denn die fehlen in der Rechnung. Wichtige Faktoren wie dreifachverglaste Fenster, neue Dämmung für Wände und Dächer sind ebenfalls nicht berücksichtigt. Es sind Kosten, die viele Eigenheimbesitzer vermutlich gar nicht stemmen können.

Energiewende mit der Brechstange

Ich will die Notwendigkeit einer Energiewende gar nicht in Frage stellen. Aber die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung sind ein Wandel mit der Brechstange, der wenig durchdacht wirkt. Es gibt lange Lieferzeiten und völlig überlastete Fachbetriebe, ohne die eine Installation der neuen Technik nicht möglich ist. Die immensen und für viele kaum zu schulternden Kosten kommen obendrein.

Es müssen Übergangslösungen und Förderungen her. Sonst werden manche Hauseigentümer in den Ruin getrieben oder zum Verkauf gezwungen und zu Mietern. Die Folgen für die Gesellschaft wären fatal: Die Eigenheimquote wird sinken, die Schere von Arm und Reich weiter auseinanderklaffen. Soll das die Lösung in der Energiewende sein?

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