Theater in Timmel Dorfverein nutzt RTC für Großprojekt 2025
Der Dorfverein „Uns Timmel“ hält einen Nutzungsvertrag für das Reitsport-Touristik-Centrum in den Händen. Trotz Umstrukturierung soll dort 2025 ein Großprojekt Premiere feiern.
Timmel - Aufatmen beim Dorfverein „Uns Timmel“: Die Großefehn Tourismus GmbH (GTG) hat mit dem Vorstand eine Nutzungsvereinbarung für das Reitsport-Touristik-Centrum (RTC) geschlossen. So stehe dem Großprojekt, das 2025 Premiere feiern soll, nichts mehr im Weg, sagte Dorfvereinsvorsitzender Wilhelm Buschmann. Angesichts der politischen Entscheidung der Fehntjer, das RTC nicht mehr in Eigenregie zu betreiben, war dies einige Zeit unklar.
Die GTG habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Hans Freese. Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung betonte, dass die Umstrukturierung und das einmalige Engagement der Timmeler sich nicht im Wege stünden. „Uns ist wichtig, dass beides möglich ist“, so Freese. Deshalb habe sich die GTG für die Unterschrift unter dem Nutzungsvertrag entschieden. Am Wochenende werde die Gemeinde eine Anzeige schalten, um einen Pächter sowohl für die kleine als auch die große Halle mit allen Stalltrakten und Außenflächen des RTC zu finden, informierte GTG-Geschäftsführer und Bürgermeister Erwin Adams.
„Timmel unner Strom“ nimmt 20er Jahre in den Blick
Von April bis Dezember 2025 stünde das RTC einem zukünftigen Pächter aber nur eingeschränkt zur Verfügung. Für diesen Zeitraum ist der Dorfverein Nutzer der Anlage. „Wir planen wieder ein großes Theaterstück“, sagte Buschmann voller Vorfreude. Durch die Einstellung des Reitbetriebes der GTG im RTC könnten sowohl der Kulissenbau als auch die Proben bereits vor Ort stattfinden. Bei den früheren Theaterprojekten wäre der Vorlauf zum Aufbau sehr knapp gewesen. „Diesmal können wir zentral arbeiten“, ergänzte Ludwig Soeken.
Der stellvertretende Vorsitzende des Dorfvereins ist federführend bei der Ausgestaltung des historischen Theaterstückes. Es nehme diesmal die Zeit von 1918 bis 1925 in den Blick. „Das war auch in Timmel eine bedeutende historische Epoche“, so Soeken. Das Stück unter dem Titel „Timmel unner Strom“ passe gut in diese Zeit – denn Timmel stünde auch jetzt immer unter Strom.
Inflation, Neubeginn und Engagement
Autor Hayo Bootsmann von Borkum schreibt derzeit das Stück. Darin vorkommen soll neben der Rückkehr der Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg auch die Spanische Grippe. Denn die Soldaten wurden nach Timmel geschickt, um sich im Lazarett zu erholen, bevor sie nach Hause zurückkehren durften. Auch die erste Wahl 1919 sowie die vielen wirtschaftlichen Folgen des Krieges möchten die Timmeler auf die Bühne bringen. „Unsere Molkerei konnte sich eine große Reparatur nicht leisten. Unsere Vorfahren haben daraufhin eine Raiffeisengenossenschaft gegründet“, berichtete Soeken von seiner Recherche.
Der Titel „Timmel unner Strom“ passe auch noch in einer weiteren Hinsicht, so Soeken. Denn 1922 gründete sich eine Energiegenossenschaft. Diese wollte erreichen, dass das Dorf an die Siemenswerke in Wiesmoor angeschlossen wird. 1924 war es dann tatsächlich soweit. „Die arbeitslosen Kräfte vor Ort haben in Eigenregie die Masten aufgestellt“, sagte Soeken.
Laienschauspieler und Mitwirkende gesucht
Im Stück mitspielen sollen wieder Laienschauspieler aus Timmel und der Umgebung. Bei den letzten beiden Theaterstücken im RTC wurden 250 Personen auf der Bühne sowie im Hintergrund eingebunden. Die werden auch dieses Mal wieder gebraucht. Denn parallel zum Stück planen die Timmeler auch noch einen historischen Markt auf dem Vorplatz. Die Angebote sollen im Zeichen der Goldenen 1920er stehen. In den Monaten vor der Premiere am 25. Oktober 2025 entstehen große Kulissen. Darunter acht Häuser im Originalformat, runter gerechnet auf 70 Prozent, damit sie zu den Darstellern und in die Halle passen.
Das Stück wird überwiegend auf plattdeutsch gespielt. Denn Soeken und seinem Team sei es wichtig, möglichst viel von den Charakteren der damals in Timmel Lebenden darzustellen. Regie führt erneut Elke Münch aus Wilhelmshaven. Geplant sind 14 Veranstaltungen. In der Halle werden rund 1000 Zuschauer pro Vorstellung Platz finden.
2018 war das zweite große Theaterstück „Steerns över Timmel“, das die Navigationsschule in den Mittelpunkt stellte, ein großer Erfolg. Und auch das allererste Theaterprojekt des Dorfes 2011 rund um die Napoleon Saga stieß damals auf großes Interesse. „Die Projekte waren auch aus kaufmännischer Sicht ein Erfolg“, sagte Bürgermeister Adams. Er ist sich sicher, dass die anstehenden Verhandlungen mit zukünftigen Pächtern sogar von der geplanten Veranstaltung profitieren werden. „Hoffentlich haben wir dann zum Spätsommer jemanden gefunden“, so Adams.