Aus für Norder Krankenhaus  Kreispolitiker üben scharfe Kritik an früherer Klinik-Leitung

| | 21.04.2023 19:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Haupteingang des Norder Krankenhauses. Foto: Rebecca Kresse
Der Haupteingang des Norder Krankenhauses. Foto: Rebecca Kresse
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Grüne und Freie Wähler kritisieren zudem den Klinik-Aufsichtsrat. Doch die Entscheidung finden alle unvermeidbar – und loben einen heute Verantwortlichen.

Aurich/Norden - Für die Misere am Klinik-Standort Norden, die jetzt zur Schließung der Grund- und Regelversorgung führt, sind vor allem die frühere Geschäftsführung um Claus Eppmann, aber auch der Aufsichtsrat verantwortlich. Das sagten Vertreter von Grünen und Freien Wählern im Auricher Kreistag auf ON-Anfrage.

„Alle Kontrollmechanismen haben versagt“, so Gila Altmann (Grüne, Aurich). Ihre Fraktion habe in der Vergangenheit immer wieder auf Probleme hingewiesen, diese seien aber immer relativiert worden. Das sogenannte Bredehorst-Gutachten habe alles vorhergesagt. Eppmann habe als Geschäftsführer schließlich „das sinkende Schiff verlassen“, so Altmann. Auch Detlev Krüger (Freie Wähler, Südbrookmerland) fragt: „Was hatte der Aufsichtsrat in den letzten Jahren für eine Funktion?“

Grünen-Abgeordnete: Balster hat mich überzeugt

Die Entscheidung, die UEK Norden in der bisherigen Form zu schließen, tragen die größten Fraktionen aber mit. Und in einem sind sich ihrer Vertreter einig: Der neue Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster hat die Entscheidung, den UEK-Standort Norden in der jetzigen Form aufzulösen, nachvollziehbar erklärt und begründet. Selbst die in der Regel kritische Grünen-Abgeordnete Altmann sagte: „Er hat mich überzeugt.“

Die Argumente seien sachlich fundiert gewesen. Und: „Er hat uns die drohende Katastrophe vor Augen geführt.“ Balster hatte am Dienstagabend vor Kreistagsabgeordneten in einer nicht-öffentlichen Sitzung über die Situation am Standort Norden und die Konsequenzen berichtet. Auch Krüger sagte: „Er ist konsequent und ehrlich und haut raus, was ihn bedrückt.“

Krüger: Entscheidung längst überfällig

Dem Vernehmen nach war Balster, zuvor Chef des viel größeren Klinikums Chemnitz, erschrocken über das, was er in Norden von der Vorgänger-Geschäftsführung um Claus Eppmann und Dr. Astrid Gesang vorfand. Alle Verantwortlichen hätten schon seit vielen Jahren Kenntnisse gehabt von der problematischen Situation, aber man habe sich vor Entscheidungen gescheut, sagte Krüger.

Am Ende sei der Standort Norden dann immer weniger von der Bevölkerung angenommen worden. „Die Entscheidung war längst überfällig“, so Krüger. Er übt allerdings einmal mehr deutliche Kritik an der Art und Weise. Die kleineren Fraktionen seien zu wenig beteiligt worden und erst Dienstag vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „Das war wieder mal typisch“, so Krüger, der sich früher stark für den Bau der Zentralklinik engagiert hat.

SPD-Fraktionschef: „Alte Geschäftsführung war nicht offen und ehrlich“

Auch SPD-Kreistagsfraktionschef Johannes Kleen (Wiesmoor), selber Mitglied in der Klinik-Gesellschafterversammlung, sagte: „Es ist alles verständlich rübergekommen. Es gibt keine Alternative dazu.“ Die Beschlussvorlage habe bereits seit einigen Wochen vorgelegen. Auch Kleen meint: „Die alte Geschäftsführung ist damit nicht offen und ehrlich umgegangen.“ Aus seiner Sicht seien nun aber auch die betroffenen Mitarbeiter durchaus dankbar, dass es endlich Klarheit gibt.

Die CDU/FDP-Kreistagsgruppe unterstützt die Umwandlung der UEK Norden in ein „Regionales Gesundheitszentrum“ ebenfalls. Zwar bedeute das „massive Veränderungen“ für die Stadt Norden und die betroffenen Mitarbeiter, so Gruppenvorsitzender Sven Behrens (CDU, Berumbur), der auch Mitglied der Gesellschafterversammlung ist. Doch die Entscheidung sei „alternativlos“, so Behrens und stellvertretende Vorsitzende Sarah Buss (FDP, Aurich) in einer Mitteilung. Zu strukturellen Fehlern aus der Vergangenheit kämen die mangelnde medizinische Qualität und die drastischen Kosten durch Einsatz von Honorarärzten. Viele Bürger hätten bereits geahnt, dass die Aufrechterhaltung unter diesen Umständen nicht mehr zu verantworten war. „Wir sehen das Regionale Gesundheitszentrum als Chance für den Standort Norden“, betont Behrens.

CDU/FDP: 150 Betroffene Mitarbeiter müssen unbedingt im Verbund bleiben

Die CDU/FDP-Gruppe betont zugleich, dass die gut 150 von der Umwandlung betroffenen Mitarbeiter unbedingt im Klinikverbund Aurich-Emden-Norden gehalten werden müssen. Dafür sei eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten nötig. Die bereits geschlossene Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung sei dazu ein erster wichtiger Schritt.

Unterdessen bleiben die Kliniken Dauerthema der Auricher Kreispolitik. Am Freitag, 5. Mai, soll es eine Klausurtagung dazu geben - hinter verschlossenen Türen.

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