Beratungen über Klinik-Zukunft  Norder Krankenhaus vor dem Aus

| | 19.04.2023 21:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Norder Krankenhaus könnte bald zu einem Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) umgewandelt werden. Foto: Rebecca Kresse
Das Norder Krankenhaus könnte bald zu einem Regionalen Gesundheitszentrum (RGZ) umgewandelt werden. Foto: Rebecca Kresse
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Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung diskutierten über den UEK-Standort und vereinbarten Stillschweigen. Sie wollen erst die Mitarbeiter informieren. Der Förderverein warnt vor einer Schließung.

Norden - Vor dem Aus steht möglicherweise der Standort Norden der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK). Über entsprechende Pläne haben am Mittwochnachmittag Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Klinik-Trägergesellschaft in einer viereinhalbstündigen Sitzung beraten und entschieden. Zum Ergebnis wollten sich die Trägergesellschaft und Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat Olaf Meinen auf ON-Anfrage am Mittwoch noch nicht äußern. Am Donnerstag soll es eine Pressemitteilung geben. Teilnehmer der Sitzung berichteten dem Vernehmen nach, dass erst die Klinik-Mitarbeiter informiert werden sollen.

Bereits am Dienstagabend gab es eine nicht-öffentliche Informationsveranstaltung für Vertreter der Auricher Kreistagsfraktionen, bei der der neue Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster über die Pläne berichtete.

Umwandlung in Regionales Gesundheitszentrum möglich

Laut einem Bericht der „Ostfriesen-Zeitung“ soll am Mittwoch über die mögliche Umwandlung des Standorts Norden in ein Regionales Gesundheitszentrum (RGZ) entschieden worden sein. Ein entsprechender Antrag solle beim Land Niedersachsen gestellt werden. Bei dem neuen Konzept des RGZ sollen ambulante ärztliche Angebote mit einer stationären Grundversorgung vereint werden.

Wie berichtet, steht die Zukunft des Standorts Norden bereits seit Jahren in der Diskussion. Zuletzt gab es Pläne, den Standort im Rahmen des Projekts „Statamed“, ebenfalls eine Verbindung von ambulanter und stationärer Versorgung, umzuwandeln. Der Förderverein der UEK Norden und Ärzte aus dem Altkreis Norden laufen dagegen immer wieder Sturm.

Förderverein verlangt Grundversorgung bis die Zentralklinik verfügbar ist

Der Förderverein ist in Alarmbereitschaft. Seit Wochen machen sie immer wieder deutlich, wie groß die Sorge der Mitglieder ist, das Norder Krankenhaus als Grundversorger zu verlieren. In einer aktuellen Mitteilung des Vereins heißt es unter anderem: „Ein weiteres Herunterfahren auf ein Niveau, das weit unterhalb von einem Krankenhaus liegt, darf auf keinen Fall beschlossen werden.“ In den Entscheidungsgremien der Trägergesellschaft gehe es jetzt um nicht weniger als die Zukunft des Krankenhausstandortes Norden.

Der Förderverein erwartet von der „Politik und Klinikführung, dass der bisher immer fest zugesagte geordnete Übergang der drei Krankenhäuser in Norden, Emden und Aurich mit mindestens funktionierender Grundversorgung bis zur Verfügbarkeit einer Zentralklinik sichergestellt wird“, sagte Dr. med. Axel Schönian aus dem Vorstand des Fördervereins für das Krankenhaus Norden.

Beratungen hinter verschlossenen Türen

Hinter verschlossenen Türen habe sich die Trägergesellschaft mit dem Klinikstandort Norden seit etwa einem Jahr am Projekt „Statamed“ beteiligt, mit dem bundesweit an sechs Noch-Klinikstandorten modellhaft der Ersatz von geschlossenen Krankenhäusern durch ein stark eingeschränktes Versorgungsangebot erprobt werden soll. „Es soll von Arztpraxen und Pflegeabteilungen getragen werden, die aber bislang gar nicht eingebunden sind. Mit einem Klinikbetrieb mit den Elementarbereichen Innere, Chirurgie und Notfallversorgung wäre Schluss“, heißt es vom Förderverein.

Bei Statamed handelt es sich, wie berichtet, um ein Projekt für „kurzstationäre allgemeinmedizinische Versorgung“ mit einer geplanten Liegedauer von etwa drei bis vier Tagen für einen relativ eingeschränkten Patientenkreis mit weniger schweren Erkrankungen.

Verein kritisiert „langjährige Intransparenz“

Als eine Kernvoraussetzung für Statamed wird ein Versorgungsnetz aus Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Pflegefachkräften und Klinikärzten benannt. Nach Ansicht des Fördervereins ist die entsprechende Versorgung in Norden mit diesen Strukturen jedoch bereits jetzt mangelhaft.

Das Konzept Statamed sehe ausdrücklich keine Notfallversorgung über 24 Stunden täglich an sieben Tagen die Woche vor. Diese sei aber für Norden nicht nur fest zugesichert worden, sondern ohne die Zentralklinik im Hintergrund existenziell notwendig, heißt es vom Förderverein. Er fordert Politik und Verwaltung auf, „die langjährige Intransparenz“ zu beenden. Die Verantwortlichen müssten dafür Sorge tragen, dass die „von ihnen seit Jahren gekürzte wohnortnahe und erreichbare Gesundheitsversorgung“ wiederaufgebaut werde.

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