Prozess vor Landgericht Aurich  38-Jähriger weist Missbrauchsvorwürfe von sich

| | 18.04.2023 11:42 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Eingang des Landgerichts Aurich. Foto: Romuald Banik
Der Eingang des Landgerichts Aurich. Foto: Romuald Banik
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Während die Mutter bei der Arbeit war, soll der Emder sich an deren beiden Töchtern vergangen haben. Der Mann kann sich nicht erklären, wie die Kinder zu den schweren Vorwürfen kommen.

Aurich - Weil er die kleinen Töchter seiner früheren Lebensgefährtin in 173 Fällen sexuell missbraucht haben soll, muss sich ein 38-Jähriger aus Emden seit Dienstag vor dem Landgericht Aurich verantworten. Der Mann, der selbst einen elfjährigen Sohn hat, soll sich in der gemeinsamen Wohnung in der Krummhörn zwischen 2019 und August 2022 an den beiden Mädchen vergangen haben, während die Mutter bei der Arbeit war.

Eine heute Elfjährige soll er laut Anklage in zahlreichen Fällen im Intimbereich angefasst haben und auch Finger eingeführt haben. Ihre heute achtjährige Schwester soll er unter anderem oral missbraucht haben. Am ersten Verhandlungstag vor der 1. Großen Jugendkammer wies der Angeklagte die schweren Vorwürfe weitgehend von sich. Bezüglich der älteren Tochter machte er zunächst gar keine Angaben. Bezüglich der jüngeren Tochter sagte er, diese habe sich gerne von ihm kraulen lassen, auch am Po. Sie habe gewollt, dass er ihr beim Ausziehen eines Kleides helfe. „Sie wollte überall gekrault werden. Sie kennt da keine Hemmungen. Aber mit der Zunge habe ich nichts gemacht“, beteuerte der 38-Jährige. Für ihn sei das nicht komisch gewesen, er sei wie ein Vater für das Mädchen gewesen. Der Mann war seit 2017 mit der Mutter der beiden Mädchen liiert gewesen.

Angeklagter: „Wir haben uns alle super verstanden“

Vorsitzender Richter Bastian Witte fragte den Mann, wie die Mädchen wohl zu diesen schweren Vorwürfen kämen – ob es gar Gründe für eine mögliche Verschwörung gebe. „Ich weiß es nicht. Wir haben uns alle super verstanden. Mir ist das unbegreiflich“, sagte der Angeklagte.

Die Mutter der beiden Mädchen, eine 27-Jährige aus der Krummhörn, berichtete, wie die Vorwürfe im August 2022 ans Licht kamen. Man sei man aus dem gemeinsamen Urlaub zurückgekommen. „Meine jüngere Tochter war ganz komisch drauf. Sie wollte nicht, dass ich arbeiten gehe“, erinnerte sich die 27-Jährige. Das Kind habe ihr dann erzählt, dass der Angeklagte sie immer wieder zu sich ins Schlafzimmer rufe und er sie ausziehe. Das wolle sie nicht mehr.

Mutter: „Habe ihn aufgefordert, seine Sachen zu packen und zu gehen“

„Ich bin dann direkt zu ihm gestürmt, habe ihn angeschrien“, erinnerte sich die Mutter unter Tränen als Zeugin vor Gericht. Er habe nur gesagt, es tue ihm leid und er mache es nicht wieder. „Ich habe ihn dann aufgefordert, seine Sachen zu packen und zu verschwinden“, berichtete die Mutter. Der 38-Jährige habe begonnen, sich zu rechtfertigen und der jüngeren Tochter die Schuld zu geben. „Da habe ich die Polizei gerufen“, berichtete die Mutter.

Die ältere Tochter habe dann bei der Polizei weitere Details der mutmaßlichen sexuellen Übergriffe berichtet. Die heute Elfjährige sei mittlerweile in psychiatrischer Behandlung in einer Einrichtung, weil sie sich zuletzt ständig erbrechen musste und sich verletzte.

Jugendamt hatte bereits Verdacht

Die Mutter berichtete zudem, dass das Jugendamt, mit dem die Familie bereits zu tun hatte, auch schon den Verdacht hatte, dass etwas nicht stimmte.

Am Dienstag sollte außerdem noch eines der Opfer als Zeugin gehört werden – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Intimsphäre des Kindes zu schützen.

Der Prozess vor dem Landgericht Aurich wird am Montag, 24. April, 9 Uhr, fortgesetzt.

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