Rauschgift an Schule  Schulleiter beklagt Drogenproblem an der IGS

| | 16.04.2023 15:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Probleme an der IGS drehen sich vor allem um Handel und Konsum mit Cannabis. Foto: Fabian Sommer/DPA
Die Probleme an der IGS drehen sich vor allem um Handel und Konsum mit Cannabis. Foto: Fabian Sommer/DPA
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Gerüchte und bestätigte Fälle zu Drogenmissbrauch an seiner Schule beklagt Kai-Dieter Hoop, Chef der IGS Marienhafe-Moorhusen. Wie damit umgegangen wird und was die Polizei sagt.

Südbrookmerland/Marienhafe - Probleme mit Drogenmissbrauch unter Schülern beklagt Kai-Dieter Hoop, Schulleiter der IGS Marienhafe-Moorhusen. Entsprechende ON-Informationen bestätigte er am Freitag auf Anfrage. Zwar sei es keineswegs „der Normalfall“, dass Schüler berauscht zum Unterricht kämen. Bei einigen sei der Hang zum Drogenmissbrauch aber offenkundig. Auch habe es bereits bestätigte Fälle gegeben. Oft seien es vor allem Gerüchte, die in Zusammenhang mit Drogenmissbrauch an ihn herangetragen würden. Die beträfen auch schon Schüler im sechsten Jahrgang, also im Alter von etwa 12 Jahren. Bestätigte Fälle habe es in dieser Altersklasse zwar noch nicht gegeben. Durch die Gerüchte entstünden hin und wieder aber Verdachtsmomente. Den Lehrkräften seien dann aber meist die Hände gebunden. Sie dürften nicht einfach so Taschen durchsuchen, die Polizei könne wegen des hohen Aufkommens gleich gelagerter Fälle nicht immer ausrücken.

Achtklässler mit Drogen erwischt

Manchmal gibt es aber auch bestätigte Fälle von Drogenmissbrauch an der IGS Marienhafe-Moorhusen. So seien kürzlich bei einem Schüler des achten Jahrgangs Drogen gefunden worden.

Über die Probleme in Sachen Drogenmissbrauch hat Hoop kürzlich Vertreter der Samtgemeinde Brookmerland und der Gemeinde Südbrookmerland informiert, wie er den ON sagte. Dies habe er mit der Bitte um Unterstützung durch alle Beteiligten verbunden.

Ein Thema ist Drogenmissbrauch an Schulen auch bei der Polizeiinspektion Aurich Wittmund. Die hat in der Vergangenheit bereits einige Verfahren eingeleitet.

Der IGS-Standort in Moorhusen wird von Schülern der Jahrgänge fünf bis acht besucht. Foto: Holger Janssen
Der IGS-Standort in Moorhusen wird von Schülern der Jahrgänge fünf bis acht besucht. Foto: Holger Janssen

Immer wieder werden Beamte der Polizeiinspektion Aurich auch zu Schulen gerufen, um dort Fälle von Drogenkriminalität aufzunehmen. „Drogen sind bei Jugendlichen ja oft ein Thema – vermutlich in jeder Stadt, an jeder Schule“, so Polizeisprecherin Wiebke Baden. Im hiesigen Zuständigkeitsbereich seien davon grundsätzlich alle Schulformen betroffen. „Schwerpunktschulen“ habe man bislang nicht ausgemacht.

Polizei erwischt Kinder und Jugendliche

In gut 100 Fällen wurden laut Baden im vergangenen Jahr Kinder und Jugendliche als Täter im Bereich der Drogenkriminalität ermittelt. Konkret spricht sie von 94 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, und sieben Kindern unter 14 Jahren. Überwiegend habe es sich um Verstöße mit Cannabis gehandelt. Allerdings geht die Polizei von einem hohen Dunkelfeld aus.

Die Jahrgänge neun und zehn sowie die gymnasiale Oberstufe besuchen den IGS-Standort Marienhafe. Foto: Thomas Dirks
Die Jahrgänge neun und zehn sowie die gymnasiale Oberstufe besuchen den IGS-Standort Marienhafe. Foto: Thomas Dirks

Kai-Dieter Hoop, Schulleiter der IGS Marienhafe-Moorhusen hatte sich gegenüber Vertretern der Politik besorgt gezeigt. An seiner Schule sei es in der Vergangenheit zu bestätigten Fällen von Drogenmissbrauch gekommen. Gerüchteweise sei sogar von Drogenmissbrauch in der sechsten Klasse zu hören. Allerdings teilt Hoop die Einschätzung der Polizei, wonach die wenigsten Rauschgiftdelikte von Kindern oder Jugendlichen während der Schulzeit und auf dem Schulgelände stattfinden. Vieles spiele sich eher im öffentlichen Bereich ab. Hoop nennt als Beispiel die Busbahnhöfe vor den Schulstandorten Moorhusen und Marienhafe. Sowohl Schule als auch Polizei setzen bei Kindern und Jugendlichen vor allem auf Prävention. „Wir sind regelmäßig in Schulen vertreten und klären über die gesetzlichen Bestimmungen und rechtlichen Folgen, die Gefahren und gesundheitlichen Schäden in Verbindung mit Drogen auf“, so Wiebke Baden. Das Problem: Laut Hoop habe in diesem Bereich in den vergangenen Jahren pandemiebedingt vieles ausfallen müssen. Nun sei es schwierig, dies wieder aufzuholen. Wie er, betrachtet auch die Polizei die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen als gesamtgemeinschaftliche Aufgabe. Da bereits in jungen Jahren die Bausteine für das Verantwortungs- und Gesundheitsbewusstsein gelegt würden, seien Kinder und Jugendliche die wichtigste Zielgruppe der Prävention. Sie sollte so früh wie möglich beginnen, dort, wo noch keine oder nur wenige Berührungspunkte mit Drogen entstanden sind. „Hierbei sind natürlich auch die Eltern gefordert“, so Baden. Sie könnten dazu beitragen, Persönlichkeit zu stärken, Selbstvertrauen aufzubauen und Grenzen zu setzen.

Schulleiter spricht von „Familienclans“

Was die Geschehnisse an seiner Schule betrifft, spricht Hoop unter anderem von „Familienclans“, die eine Rolle spielen. Unter ihnen würden Gerüchte über Angehörige der jeweils anderen Familien gestreut. Möglicherweise, um diesen damit zu schaden und sie in ein schlechtes Licht zu rücken. Andererseits müsse man derartige Hinweise aber auch ernst nehmen. Bestätigte Fälle an der Schule zeigen dies.

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