Aktion für Wolfsmanagement  Jäger unterzeichnen Auricher Erklärung

| | 06.04.2023 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Elf Küstenjägerschaften und zwei Landesverbände unterzeichneten am Gründonnerstag ihr Positionspapier im Sandhorster Krug. Foto: Romuald Banik
Elf Küstenjägerschaften und zwei Landesverbände unterzeichneten am Gründonnerstag ihr Positionspapier im Sandhorster Krug. Foto: Romuald Banik
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In Sandhorst haben Jägerschaften der niedersächsischen Küstenregionen ein Positionspapier zum Thema „Wolf an der Küste“ mit sieben Forderungen unterzeichnet. Sie wollen damit eine Bewegung anstoßen.

Sandhorst - Die niedersächsischen Landtags- und die Bundestagsabgeordneten werden in den nächsten Tagen Post bekommen. In einem Wolfs-Positionspapier fordern die Jäger der niedersächsischen Küstengebiete die Politik zum Handeln auf. Die elf Jägerschaften aus Aurich, Norden, Emden, Wittmund, Leer, Friesland, Wilhelmshaven, Wesermarsch, Hadeln-Cuxhaven, Stade, Wesermünde-Bremerhaven sowie der Landesjägerschaft Bremen und der Landesjägerschaft Niedersachsen wollen die Landkreise an der Küste zu wolfsrudelfreien Zonen machen – allerdings nicht zu komplett wolfsfreien Zonen.

Dies sei zum Schutz der Deichschafe und damit der Deichsicherheit notwendig, hieß es beim Unterzeichnungstermin am Donnerstag im Sandhorster Krug. Ein zweites Argument ist, dass der politische Wunsch nach Weidetierhaltung konterkariert werden, wenn die gleichen Politiker die Halter mit ihren Sorgen und Problemen alleine ließen.

Schutz von Menschenleben soll Vorrang haben

Menschen und ihre Sicherheit in überflutungsgefährdeten Bereichen sollen Vorrang vor dem Schutzstatus von Wölfen bekommen. Schafherden und andere Weidetiere seien in Ostfriesland nicht wirkungsvoll durch Zäune zu schützen, so die Auffassung der Jäger. Die „Aufrüstungsspirale“ beim Herdenschutz gehe zulasten der Halter, die an den Deichen und in der Grünlandregion Ostfriesland mit einem hohen Weidetierbestand keine Chance hätten, alles durch Zäune zu schützen. Hinzu komme, dass sich regelmäßig Wildtiere in den Zäunen verfangen oder auf sehr schmale Wechselkorridore beschränkt würden.

Schäfer Janko Schneider aus Großheide berichtete über die Folgen von inzwischen fünf Wolfsattacken auf seine Herde. Foto: Romuald Banik
Schäfer Janko Schneider aus Großheide berichtete über die Folgen von inzwischen fünf Wolfsattacken auf seine Herde. Foto: Romuald Banik

Die Formulierungen in den Koalitionsverträgen sowohl auf Bundes‐ als auch auf Landesebene, ein europarechtskonformes regional differenziertes Bestandsmanagement zu ermöglichen, müsse endlich in die Tat umgesetzt werden, heißt es in dem Papier zudem. Die Jäger, die dann für dieses Management zuständig wären, fordern in diesem Zusammenhang die Wahrung der Anonymität und des Stillschweigens über geplante Abschüsse, um Störungen zu vermeiden und die Akteure vor Beschimpfungen und Bedrohungen zu schützen.

Jäger enttäuscht über niedersächsische Regierung

Die Jägerschaften sind enttäuscht, dass das Land Niedersachsen sich der Forderung von sechs Bundesländern, eine Neubewertung der EU‐Strategie bei der Europäischen Kommission sowie eine Überprüfung des Schutzstatus des Wolfes vorzunehmen, bislang nicht angeschlossen hat.

In Niedersachsen lebten inzwischen 45 Rudel, ein Paar und vier sesshafte Einzeltiere. Das sei genug, um über ein Umdenken zum Thema Bestandsmanagement nachzudenken, sagte Gernold Lengert, stellvertretender Bezirksvorsitzender der Jägerschaften im Bezirk Ostfriesland.

Jäger wollen mit Erklärung weitere Verbände zum Handeln anstoßen

„Der Deichschutz zwingt uns, Position zu beziehen“, sagte Lengert weiter. Denn die Angriffe auf Schafsherden gefährdeten die Existenz der Deichschäfereien. Und ohne diese sei die Deichsicherheit gefährdet – in Zeiten des Klimawandels einmal mehr. Die Weidetierhaltung sei zudem Grundlage für das Überleben etlicher bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Der Schutz dieser Arten sei nicht geringer einzustufen als der Schutz von Wölfen.

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Die Jäger kritisierten, dass sich die Entwässerungsverbände, aber auch die Verbände der Tierhalter nicht lauter zu Wort melden. Diese Rolle wollten die Jägerschaften übernehmen – in der Hoffnung, andere mitzuziehen und die Politiker zu erreichen.