Saisonstart im Hafen  Leinen los für den Tourismus in Aurich

| | 04.04.2023 20:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Hafenmeister haben seit Montag Tretboote, Kanadier und Kajaks zu Wasser gelassen. Foto: Romuald Banik
Die Hafenmeister haben seit Montag Tretboote, Kanadier und Kajaks zu Wasser gelassen. Foto: Romuald Banik
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Es ist April und damit kehrt das Leben in den Auricher Hafen zurück. Die Boote sind zurück, die Leihfahrräder auch. Nur eine hält diesmal noch ein kleines Osterschläfchen.

Aurich - In diesem Jahr bleibt sie an Ostern ausnahmsweise einfach liegen. Die „MS Stadt Aurich“ hat ihren alljährlichen Werftbesuch zwar schon hinter sich. Doch ihre erste Ausfahrt wird sie erst am 30. April machen. „Dann geht es frisch geputzt und frisch lackiert wieder los“, sagt Marco Bordasch vom Verkehrsverein Aurich, der das Ausflugsschiff betreibt.

Warum dauert die Winterruhe diesmal länger? Laut Bordasch kehrte nach den zwei Oster-Touren bislang immer für den Rest des Monats Ruhe ein. Erst im Mai geht die Ausflugsfahrtsaison richtig los. „Und auf diese beiden Fahrten verzichten wir in diesem Jahr einfach.“ Also konnten am Dienstag bei bestem Sonnenschein noch in Ruhe einzelne Stellen ausgebessert werden.

Jede Menge Gerätschaften für die Freizeitgestaltung

Der Rest des touristischen Hafenangebots steht den Gästen ab diesem Mittwoch aber wieder zur Verfügung. Zwei Tage lang haben die Mitarbeiter alles schick gemacht. Leihfahrräder, E-Bikes, Tret- und Ruderboote, Kanus und E-Motorboote sind fertig zum Gebrauch. Auch Boards für Stand-Up-Paddling und Wasser-Fahrräder sind im Angebot. Ab sofort ist zudem die Hafen-Info wieder besetzt, um den Verleih der Freizeit-Fahrzeuge zu betreuen und Gästen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Letzte Arbeiten an der „MS Stadt Aurich“: Am 30. April legt das 86-jährige Wahrzeichen der Stadt wieder zu Linienfahrten ab. Foto: Romuald Banik
Letzte Arbeiten an der „MS Stadt Aurich“: Am 30. April legt das 86-jährige Wahrzeichen der Stadt wieder zu Linienfahrten ab. Foto: Romuald Banik

Besonders viel Rat brauchten die Gäste laut Bordasch in den vergangenen Jahren bei der Frage, wo sie einkehren und etwas trinken können. Die „Hafenkiste“ war seit Beginn der Corona-Pandemie geschlossen. Das Restaurant Jugoslavija öffnet erst abends. Also erklärten die Hafenmeister den Weg in die Innenstadt. „Wenn die Leute in die Innenstadt gehen, ist das ja sehr gut“, sagt Bordasch. „Aber viele wollen sich auch gerne vor Ort hinsetzen, auf den Hafen gucken und dem Treiben zuschauen.“

Laufkundschaft durch neue Gastronomie

Der vergangene Sonntag hat Bordasch Mut gemacht. Die Terrasse der neu eröffneten Hafenkiste sei bei dem schönen Wetter komplett voll gewesen. Seit dem 8. März betreibt die Kaffeehauskette Café Extrablatt dort unter dem Namen Hafenkiste ein R-Café, das sich an beliebten Radrouten und gerne auch am Wasser ansiedelt.

Am Hafen ist eine der insgesamt fast 20 Paddel- und Pedal-Stationen in Ostfriesland, wo man vom Fahrrad aufs Kanu umsteigen kann - und umgekehrt. Foto: Karin Böhmer
Am Hafen ist eine der insgesamt fast 20 Paddel- und Pedal-Stationen in Ostfriesland, wo man vom Fahrrad aufs Kanu umsteigen kann - und umgekehrt. Foto: Karin Böhmer

„Das neue Angebot wird uns in diesem Sommer eine Menge Laufkundschaft bringen“, hofft Bordasch. Denn wer dort sitze, bekomme vielleicht auch Lust auf eine Fahrt mit dem Tretboot oder sehe die „MS Stadt Aurich“ abfahren und nehme sich vor, beim nächsten Mal mit an Bord zu sein.

Angebote nun etwas weniger individuell

An Kapitänen fehlt es dem Verkehrsverein nicht. Gleichwohl muss das Angebot auf der „MS Stadt Aurich“ in diesem Jahr etwas standardisiert werden, wie Bordasch berichtet. Der Grund ist das Personal. Wie fast überall in der Gastronomie- und Tourismusbranche ist der Personalstamm durch die Corona-Einschränkungen dezimiert worden.

Am Hafen ist eine der insgesamt fast 20 Paddel- und Pedal-Stationen in Ostfriesland, wo man vom Fahrrad aufs Kanu umsteigen kann - und umgekehrt. Foto: Karin Böhmer
Am Hafen ist eine der insgesamt fast 20 Paddel- und Pedal-Stationen in Ostfriesland, wo man vom Fahrrad aufs Kanu umsteigen kann - und umgekehrt. Foto: Karin Böhmer

„Bislang waren alle in der Tourismus- und Freizeitbranche sehr vom Dienstleistungsgedanken beseelt. Das Motto: Sag du mir, was du dir wünscht, und ich sehe zu, wie ich es hinkriege“, so Bordasch. Doch angesichts der Personalknappheit sei dies vielfach nicht mehr in dieser Individualität zu realisieren. Während das Team der „MS Stadt Aurich“ bei Charter-Touren für Geburtstage, Hochzeiten oder andere Feiern einen hohen Aufwand betrieben habe, um möglichst alle Wünsche zu erfüllen, sei dies nun nicht mehr möglich. „Nun heißt es: Willst du Angebot A, B oder C?“, sagt der Touristiker. Und das führe nicht dazu, dass die Interessenten dann absagten. Sondern sie entschieden sich dann für das passendste Modell. „Das macht das Angebot auch nicht schlechter, aber anders“, sagt Bordasch.

Viel Entwicklung in der Gastro-Szene

Er freut sich, dass die Stadt Aurich trotz der Personalsorgen ein so großes Angebot für Einheimische und Gäste aufrechterhalten kann. Im Gastro-Führer gebe es mehr als 50 Einträge. Und wer alle Imbisse mitzähle, komme auf etwa 100 Möglichkeiten, etwas zu essen zu bestellen. „Da wird jeder satt“, sagt Bordasch – auch wenn festzustellen sei, dass einige Lokale den Mittagstisch reduziert hätten.

Zudem tue sich gerade viel in der Stadt, beispielsweise im Carolinengang und hoffentlich auch bald wieder in der Markthalle. „Die Gastronomen gehen nach Corona jetzt wieder auf 100 Prozent.“

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