Umgang mit Wildtier Naturkindergarten hält Wolfsbegegnung für eher unwahrscheinlich
Eine Wolfssichtung hat den Waldkindergarten Ihlow zuletzt zu einigen Abschreckungsmaßnahmen veranlasst. Der Naturkindergarten am Großen Meer hat sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt.
Bedekaspel - Einige Wolfsichtungen im Bereich des Ihlower Waldes haben in den vergangenen Tagen für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Der Waldkindergarten hatte daraufhin seine beiden Gruppen für wenige Tage in ihren Schlechtwetter-Quartieren untergebracht und sich den Rat von Wolfsfachleuten eingeholt. Mit Flatterbändern und einigen anderen Maßnahmen soll ein möglicherweise erneut durchziehender Wolf abgeschreckt werden.
Der Waldkindergarten Ihlow will sich nach der großen öffentlichen Aufmerksamkeit nicht weiter zu dem Thema äußern. Er ist aber nicht der einzige Kindergarten im Bereich Aurich, in dem die Kinder viel Zeit draußen verbringen. Die ON haben auch beim Waldkindergarten Aurich und beim Naturkindergarten Großes Meer nachgehakt.
Gefährdungsbeurteilung vorgenommen
Jochen Müller, Leiter des Naturkindergartens, hat auf diese Anfrage reagiert. Die Einrichtung befasst sich mit dem Thema. Das Team des Naturkindergartens habe mit Blick auf die bekannt gewordenen Beobachtungen von Wölfen im Landkreis Aurich eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen, damit die Sicherheit der Kinder und Erzieher und Erzieherinnen uneingeschränkt gewährleistet sei. „Die abstrakte Gefährdungslage wird als gering eingeschätzt, da der Naturkindergarten überwiegend Räumlichkeiten im Woldenhof und ein umschlossenes Grundstück am Großen Meer nutzt“, so Müller.
Der Naturkindergarten unterscheide sich von den Waldkindergärten. In der Gemeinde Südbrookmerland gebe es nur einen sehr geringen Waldanteil von 0,8 Quadratkilometern. Müller nennt noch einen weiteren Unterschied: „Die Naturflächen, die vom Naturkindergarten mit den 15 Kindern der Gruppe besucht werden, sind rundherum touristisch erschlossen und werden von Menschen regelmäßig frequentiert.“
Mehrere touristische Einrichtungen in direkter Nähe
Bislang habe es lediglich in Nachbargemeinden und umliegenden Dörfern einzelne Sichtungen von potenziell gefährlichen Wildtieren gegeben, so Müller weiter. Das Gebiet rund ums Große Meer sei aufgrund der geringen Waldfläche eher unattraktiv für Wölfe und deren Beuteverhalten. „Ein gutes Beispiel ist hier der Strand am Uferbereich des Großen Meeres. Auch auf weiteren von uns genutzten Naturflächen handelt es sich eher um kleine überschaubare Gehölze in direkter Nähe von Hotels, dem Campingplatz oder anderen touristischen Einrichtungen.“ Solche Bereiche würden von Raubtieren eher gemieden.
Weiterhin sei der Kindergarten über eine Vernetzung mit dem Nabu und lokalen Jagdpächtern sehr gut informiert, sodass eine umgehende Mitteilung über die Sichtung eines Wolfes in der Umgebung erfolgen würde, ist Müller sich sicher. Laut Nabu sei allerdings sogar in einem Wolfsterritorium die Begegnung mit den eigentlich scheuen Tieren selten.
Kindergartenpersonal ist über Verhalten im Falle einer Begegnung informiert
Sollte es zu einer Begegnung kommen, werde dazu geraten, dem Wolf Gelegenheit zu geben, sich zurückzuziehen und ihn nicht zu bedrängen. Der Platz solle nicht fluchtartig verlassen werden. „Durch lautes Rufen und Klatschen veranlasst man den Wolf laut Wolfsreferentin Marie Neuwald dazu, sich zurückzuziehen“, so der Kindergartenleiter.
Sollte es dennoch eines Tages zu der Sichtung eines Wolfes in der vom Naturkindergarten genutzten Umgebung des Großen Meeres kommen, würde dieser vorerst ausschließlich auf die Gruppenräume im Woldenhof zurückgreifen. „Sollte ein Wolf in der Umgebung unseres Grundstücks am Großen Meer gesichtet werden, während sich die Kindergartengruppe dort befindet, ist das Kindergartenpersonal informiert, wie in einem solchen Fall vorgegangen werden müsste. Zudem verfügt unser Grundstück am Großen Meer über eine gesicherte Rückzugsmöglichkeit.“