Mordprozess Popenser Straße  Tonaufnahmen und Zeugenaussagen zeigen Details der Todesnacht

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 30.03.2023 16:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Auricher steht vor Gericht, weil er seine Ehefrau ermordet haben soll. Foto: Romuald Banik
Ein Auricher steht vor Gericht, weil er seine Ehefrau ermordet haben soll. Foto: Romuald Banik
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Vor dem Landgericht Aurich wurde am Donnerstag der Prozess gegen einen Auricher fortgesetzt. Er soll im September in Popens seine Frau ermordet haben. Bei Zeugenaussagen kam Neues ans Licht.

Aurich - „Meine Frau liegt auf dem Boden. Überall ist Blut. Ich brauche sofort Hilfe“ – das sind die Worte, mit denen ein Auricher am 19. September vergangenen Jahres die Polizei per Notruf in die Popenser Straße rief. Nun steht er vor dem Landgericht Aurich, weil er seine 20-jährige Ehefrau ermordet haben soll.

Am Donnerstag, 30. März, wurde der Prozess gegen den 27-Jährigen fortgesetzt. Polizisten und Nachbarn sagten als Zeugen aus. Begonnen hatte der Prozess vor rund zwei Wochen. Damals schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Er soll die Mutter seines Kindes nach mehrfachen Streitigkeiten nachts zu Tode gewürgt und es am Morgen wie ein Raubüberfall aussehen lassen haben, so die Anklage.

Hier, in der Popenser Straße, kam es im September 2022 zum Polizeieinsatz. Foto: Heino Hermanns
Hier, in der Popenser Straße, kam es im September 2022 zum Polizeieinsatz. Foto: Heino Hermanns

Kind im Notruf zu hören

Vor Gericht war ein Mitschnitt der Tonaufnahmen des Notrufs zu hören. Mit hektischen Atemzügen erzählt der Angeklagte am Morgen, seine Frau in einer Blutlache aufgefunden zu haben. Sie sei nicht ansprechbar, atme nicht mehr. Er wird gebeten, ihren Arm hochzuheben. „Der Arm ist hart“, sagt er. Die Frau war tot. Während der Auricher bei ihr steht und mit den Einsatzkräften spricht, ist im Hintergrund durchgehend die zweijährige Tochter zu hören.

Bevor die Polizei vor Ort war, kamen Rettungssanitäter und ein Notarzt am Tatort an. „Irgendetwas ist hier komisch“, habe einer der Einsatzkräfte bei Ankunft der Polizei gesagt, so eine Streifenbeamtin. Denn die Wohnung war durchwühlt und der Tresor geöffnet.

Polizistin: Angeklagter war gefasst

Ihr sei der Einsatz schon auf dem Weg dorthin komisch vorgekommen, so die Polizistin. „Verletzte Person“ sei die Info der Leitstelle gewesen. Und das hat für gewöhnlich keine polizeiliche Relevanz. Vor Ort unterhielt sie sich mit dem Ehemann und befragte ihn als Zeugen. „Er war insgesamt gefasst“, sagte sie. Aus ihrer Diensterfahrung wisse sie, dass viele völlig hysterisch würden, wenn sie tote Personen auffinden.

Der Polizeibeamtin erzählte er, nachts von der Arbeit gekommen zu sein und seinen Schlüssel vergessen zu haben. Er habe seine Frau mehrfach angerufen und an der Wohnungstür geklingelt, aber sie sei nicht zu erreichen gewesen. Dann sei er zu seinen Eltern gefahren, habe dort übernachtet und sei morgens mit dem Ersatzschlüssel wiedergekommen. Der Wohnungsschlüssel kam in den Zeugenbefragungen immer wieder zur Sprache. Denn während der Angeklagte von einem Ersatzschlüssel sprach, berichtet der Notarzt laut Gericht jedoch von einem Schlüsselbund.

Nachbarin hatte Angst

Eine Nachbarin, die mit ihrer Familie direkt gegenüber der Wohnung der Verstorbenen wohnt, sagte als Zeugin aus. Sie habe in dem Monat vor dem Tod der 20-Jährigen häufiger Streit und Schreie aus der Wohnung gehört, meist von der Frau. In der Nacht zum 19. September habe sie wieder wütende Schreie, Weinen und etwas wie „lautes Atmen“ der Frau gehört. Sie habe auch eine männliche Stimme gehört, die allerdings leiser. Zwischen 0.30 Uhr und 1.30 Uhr wurde es dann laut Angaben der Nachbarin plötzlich ruhig. Danach habe sie noch drei laute Geräusche gehört. Es habe sich angehört, als würde jemand mit einem Staubsauger gegen die Wand stoßen, erklärte die Zeugin.

Auch wenn es nicht unüblich war, dass aus der Wohnung Geräusche kamen, machte die Nachbarin sich Sorgen. Zweimal sei sie vor die Tür gegangen. Sie habe bei ihren Nachbarn klopfen wolle, hatte jedoch Angst. Als es wieder still war, habe sie dann gesehen, wie im Wohnungsflur das Licht angegangen sei und laute Schritte gehört.

Vater des Angeklagten sagt nicht aus

Am nächsten Morgen beobachtete die Frau, wie der Angeklagte vor der Tür seiner Wohnung telefonierte und mehrmals klingelte. Kurze Zeit später sei wieder eine Person gekommen, diese habe sie allerdings nicht gesehen. Die Nachbarin hörte nur die Tochter des Ehepaares und wie jemand leise versuchte, das Kind zu beruhigen, und schließlich das Haus verließ. Kurz danach traf die Polizei ein.

Wenige Zeit später kamen die Eltern des Angeklagten dazu, bei denen er angab, die Nacht verbracht zu haben. Laut der befragten Polizistin weinte die Mutter. Der Vater habe eher anteilnahmslos und besonnen gewirkt. Der Mann kam am Donnerstag ins Gericht, um als Zeuge auszusagen. Er machte jedoch von seinem Recht, als Verwandter zu schweigen, Gebrauch, und sagte nichts zu den Vorwürfen gegen seinen Sohn.

Der Prozess wird am Donnerstag, 13. April, vor dem Landgericht Aurich fortgesetzt.

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