Darten beim TuS Weene Pfeilewerfen im „Weene-Pally“ ist beliebt
Dartsport boomt beim TuS Weene. „The Freshman“ ist das große Talent. Auch der Vereinschef zimmert die Pfeile in die Scheibe, aber eine Sache fehlt ihm noch.
Weene – Pock, pock, pock, ertönt es im Zehnsekundentakt unter dem Dach des Vereinsheims des TuS Weene. Mehrere Männer werfen Pfeile auf Dartscheiben. Seit mehr als einem Jahr haben sich Freunde des Pfeilewerfens beim TuS gefunden. Stetig werden es mehr. Selbst Vereinschef und Dauerläufer Harm Park hat seine Liebe für Pfeile mit einer Spitze aus Metall entdeckt. Die Idee zum Dartspielen bei den Gelb-Schwarzen hatte Vorstandsmitglied Nils Strasburger. Er fragte herum und hatte mit Sönke Groß und Torsten Brigert schnell zwei Typen gefunden, die für diese Idee brannten und Lust hatten, Darten beim TuS anzubieten.
Groß, der mittlerweile als Spartenleiter fungiert, erinnert sich: „Torsten und ich hatten einfach Bock auf Dart. Unseren ersten Dartabend hatten wir Ende Januar 2022 mit drei Boards, die Torsten zusammengezimmert hat. Wir mussten zuerst improvisieren.“ Brigert brachte nicht nur handwerkliches Geschick mit, sondern verfügt auch über das Wissen und das Netzwerk in der Dart-Szene.
Fußballer, der bei Boßlern Dart spielte
Im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten erzählt er seinen sportlichen Werdegang. Früher habe er beim TuS Fußball gespielt, musste aber verletzungsbedingt damit aufhören. Über eine Anzeige „Spieler für Dartmannschaft gesucht“, sei er zum Boßelverein nach Fahne gekommen. „Ein ehemaliger Fußballer, der bei Boßlern Dart spielt. Eine etwas schräge Geschichte“, meint Brigert und lacht. Als er davon hörte, dass sein ehemaliger Verein eine Dartsparte aufbauen wollte, sei er in seine gelb-schwarze Heimat zum TuS zurückgekehrt. Sein Dart-Spitzname ist „Blabla-Effekt“, für einen, der viel und gerne spricht. Auch beim Spiel, flachst sein Dartkollege Groß, den alle „The Big One“ in Anlehnung seines Nachnamens so nennen.
„Blabla-Effekt“ und „The Big One“ machten sich an die Arbeit. Wurde zur Premiere noch im Erdgeschoss des Vereinsheims gespielt, zog die Dartcrew schnell ins Dachgeschoss um. Dort, wo sonst Besprechungen der Fußballer stattfinden oder die Schiedsrichter während der Fußballspiele unterkommen. Der Dartraum wird von den Dartern auch als „Weene-Pally“ genannt. Als Vorbild diente das Alexandra Place, Spitzname Ally Pally. Dort wird jährlich die Dart-WM ausgeworfen. Unter der Dachschräge des TuS-Gebäudes wird dienstags und donnerstags ab 19 Uhr trainiert. So steht es auf der Homepage. Es werfen Männer im Alter von 17 bis 69 beim TuS. Der älteste Pfeilewerfer ist Vereinschef Harm Park. Einer, der sonst zig Kilometer im Wald oder auf dem Asphalt zurücklegt, wirft nun Pfeile auf die Scheibe. Mit wachsender Begeisterung.
Vereinschef wirft im Arbeitszimmer
„Wenn es mit dem Laufen irgendwann nicht mehr geht, dann kann ich bis ins hohe Alter Pfeile werfen. Auf Zeiten kommt es da nicht mehr an“, freut sich Park auf Duelle mit seinen Vereinskollegen. In der Theorie weiß Park genau, wie er sein Spiel anlegen muss. Möglichst viele Punkte mit drei Pfeilen pro Durchgang sammeln und zum Schluss mit einem Doppelfeld das Spiel auf Null bringen und beenden.
In der Praxis fliegen die Pfeile aber nicht immer so wie gewünscht. Als Park anfing, da benötigte er auch schon mal um die 50 Pfeile, um ein Spiel zu beenden. Mittlerweile kommt er mit 30 Versuchen aus. Er übt fleißig täglich zu Hause. In seinem Arbeitszimmer hängt die Scheibe. Damit der Abstand von 2,37 Meter zwischen Board und Abwurflinie gewahrt bleibt, wirft Park die Pfeile durch die offene Tür. Nicht nur das. Er hat ebenso das Online-Dartwerfen für sich entdeckt und misst sich weltweit mit Werfern. Die Suche nach einem Spitzenamen für Park gestaltet sich schwierig. „Harm the Blitz“ war in der Verlosung, aber dieser Vorschlag fiel durch, weil ein Dartbruder schon als „Blitz“ beim TuS unterwegs ist. Park glaubt, dass diese Lücke auch zeitnah geschlossen wird.
„The Freshman“ rockt das Weene-Pally
Einer, der es deutlich besser kann als Park, ist Karsten Dalhoff, Spitzname „The Freshman“. Der 17-Jährige gilt als großes Talent. Ihm gelang bei einem Turnier in Moordorf eine Sensation. Der Dart-Novize schlug die Moordorfer Dartikone Dennis Akhtar. Dalhoff macht nicht viel Wirbel um sein Können. Er kommt bescheiden daher. Beim Pressetermin liefert er sich ein Duell mit Spartenleiter Groß. Eine einseitige Angelegenheit. Groß war chancenlos gegen den präzise werfenden „The Freshman“, der im Durchschnitt 17 Würfe benötigte, um seine Spiele zu beenden.
Mit Würfen kennt sich Dalhoff auch noch in anderer Beziehung aus. Er steht bei der A-Jugend des OHV Aurich im Tor und fängt mit seinen Paraden die Würfe des Gegners ab. Ein junger Mann, der mit Pfeilen und Bällen exzellent umgehen kann. Einen hohen Unterhaltungswert haben die Spielberichte aus der Dartsparte. Sie sind das Feld von Henning Saathoff. Einst Fußballer im Mittelfeld von TuS Weene, mittlerweile ein „Süchtiger nach Pfeilen“ und Schreiber lässiger, kurzweiliger Texte über das Geschehen aus dem gelb-schwarzen Dartkosmos. Saathoff bekennt: „Das Dartspielen eröffnet neue Horizonte. Es gibt so viele Komponenten, um besser zu werden. Keine Frage, Dart ist eine mentale Geschichte. Man treibt es bei jedem Spiel bis auf die Spitze, denn zum Schluss muss die Spitze in ein ganz bestimmtes Feld. Einfach herrlich.“
Es winkt ein neues Zuhause
Das kleine Dartmekka bei den Gelb-Schwarzen ist längst kein Geheimtipp mehr. Die Sparte ist innerhalb eines Jahres auf mehr als zwei Dutzend Spieler angewachsen. Gegenwärtig nimmt der TuS mit zwei Mannschaften am Ligaspielbetrieb teil. Für die nächsten Saison dürften noch zwei bis drei Teams dazukommen, glauben Spartenleiter Groß und sein Mitstreiter Brigert. „Das Interesse ist groß, unser Problem ist der begrenzte Platz. Wir haben in unserem Dartraum nur für zehn Leute Platz“, ist zu hören.
Für dieses Problem zeichnet sich eine Lösung ab. Die Darter können in das alte Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Weene einziehen, sobald der Bau für das neue Feuerwehrhaus fertig ist (die ON berichteten). Damit rechnen die TuS-Darter aber nicht vor Ende 2024. Bis dahin werden auch weiterhin die dumpfen Pock-pock-pock-Geräusche unter dem Dach des TuS-Vereinsheimes hörbar sein, wenn die Pfeile von „The Pläppermors“ oder „Blitz“ und weiteren Dartjüngern in die Dartscheiben einschlagen.