Verdacht auf Wolfsriss Schafe in Schwittersum gerissen
Es gab am Wochenende außer dem Angriff auf Pferde in Hinte noch mehr gerissene Tiere. In Schwittersum traf es Schafe.
Landkreis Aurich - Die Landwirtschaftskammer hat am Montag drei Fälle von Nutztierrissen in Ostfriesland und Friesland bestätigt. Neben dem Angriff auf eine Gruppe Pferde in Longewehr/Hinte und auf Schafe in Sande (wir berichteten), gab es auch einen Angriff auf Schafe in Schwittersum bei Dornum.
Am 26. März sei der Landwirtschaftskammer von dort ein Nutztierschaden gemeldet. Die Fachleute hätten vor Ort drei tote und zwei verletzte Schafe vorgefunden, teilte Kammersprecher Wolfgang Ehrecke mit: „Die Spurenlage lässt nicht eindeutig auf einen Wolfsangriff schließen. Aufschluss darüber sollen die DNA-Proben geben, die an den toten Tieren genommen wurden, um den oder die Angreifer zu identifizieren.“
DNA-Spuren sollen Rückschlüsse auf den oder die Angreifer liefern
Als eindeutiger bewerten die Wolfsexperten der Landwirtschaftskammer die Situation, die sie am 24. März in Sande vorfanden. Vor Ort seien in und nahe einer Stallung insgesamt fünf tote und drei verletzte Schafe vorgefunden worden. Der Spurenlage nach gehen die Gutachter von einem Wolfsangriff aus. An den getöteten Tieren wurden DNA-Proben genommen, um gegebenenfalls weitere Informationen über den oder die Angreifer zu gewinnen.
„Über die Verwendung der DNA-Probe befindet das Wolfsbüro (NLWKN) bzw. das Umweltministerium“, so Ehrecke. Laut dem Ortsbrandmeister der Feuerwehr Sande sei vor Ort bei der Rettung eines geflüchteten Schafes aus einem Teich vor Ort schon von sechs toten und zwei verletzten Schafen die Rede gewesen.
Angriff auf Pferde im Aktivstall
Am 25. März fuhren die Experten zu einem Pferdehof in Longewehr. Dort wurden laut Landwirtschaftskammer fünf Pferde verletzt, die zusammen mit zehn weiteren Pferden in einem Offenstall gehalten werden. Die Halterin selbst sprach gegenüber den ON von vier verletzten Pferden – einem lebensbedrohlich, einem schwer und zwei leicht verletzten. „Die Verletzungen der Tiere lassen auf einen Wolfsangriff schließen“, bestätigt Ehrecke. Eines der verletzten Pferde werde in einer Tierklinik behandelt.
Wolfssichtung in Leezdorf, Angriff auf Pferde in Hinte
Wolfsangriffe auf vier Pferde an zwei Orten im Kreis Aurich
Schafe in Tannenhausen gerissen
Inwieweit es sich bei dem Video, das am Wochenende über soziale Netzwerke verbreitet und hundertfach angesehen wurde, um einen Wolfsnachweis handelt, ist offenbar noch nicht sicher. Zu sehen ist ein einzelnes Tier, das in kurzer Distanz zu Wohnhäusern über eine Weide läuft. Das Video soll in Leezdorf zwischen dem Kirchweg und dem Hirtenweg aufgenommen worden sein. Katja Bontjes betreibt in Leezdorf den Reithof Goldberg und ist Jägerin. Sie bestätigte auf ON-Anfrage, dass die Aufnahmen aus Leezdorf stammen.
Das Umweltministerium sieht darin aber keinen eindeutigen Hinweis auf einen Wolf. „Es gibt in unserer Datenbank vom 25.03.2023 ein kurzes Video, das ein großes hundeartiges Tier zeigt. Das Video stammt aus dem LK Aurich, Gemeinde Leezdorf. Ob es sich um einen Wolf handelt, kann nur vermutet werden“, heiß es auf Anfrage der ON.
Acht Wolfs-Angriffe in diesem Jahr auf der ostfriesischen Halbinsel
Der niedersächsische Umweltkartenserver verzeichnet für das laufende Jahr im Kreis Friesland den Angriff von diesem Wochenende auf die Schafe und im Kreis Aurich die Attacke auf den Pferdestall in Longewehr.
Im Landkreis Wittmund wurde am 27. Januar ein Pferd in Collrungermoor angegriffen – trotz eines wolfsabwehrendes Zauns. Ein zweiter Angriff auf diesen Stall erfolgte am 3. März. Beides mit dem Eintrag „Wolf“, aber bisher ohne DNA-Ergebnisse, ob ein konkretes Tier ermittelt werden kann.
Am 7. März wurden in Dose (Gemeinde Friedeburg) zwölf Schafe getötet und sechs verletzt. Als Verursacher ist „Wolf“ eingetragen. Ebenfalls am 7. März und ebenfalls in Dose wurden sechs Schafe getötet und 10 weitere verletzt. Als Schadensverursacher ist „Wolf“ eingetragen. Ein konkretes Tier wurde noch nicht ermittelt. Laut Eintrag war in beiden Fällen kein wolfsabwehrender Zaun vorhanden.
Am 18. März wurde in Wiesede Friedeburg zudem ein Rind gerissen. Als Verursacher ist „Wolf“ vermerkt.
In Uplengen im Kreis Leer gab es am 19. März einen Angriff auf Schafe. Sieben Tiere wurden getötet, drei verletzt – trotz entsprechender Zaunanlage. Als Verursacher ist bereits „Wolf“ eingetragen.