Nachwuchskicker im Einsatz  Große Meute auf dem Fußballplatz

| | 15.03.2023 10:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Mädchen und 24 Jungen gehören zur Trainingsgruppe der F-Junioren beim SV Komet Walle. Jörg Lütje (Siebter von links) und sein Sohn Pascal (Dritter von links) trainieren den Nachwuchs. Seit drei Wochen findet das Training draußen statt. Das ist kein Zuckerschlecken für die Kleinen. Fotos: Wolf-Rüdiger Saathoff
Ein Mädchen und 24 Jungen gehören zur Trainingsgruppe der F-Junioren beim SV Komet Walle. Jörg Lütje (Siebter von links) und sein Sohn Pascal (Dritter von links) trainieren den Nachwuchs. Seit drei Wochen findet das Training draußen statt. Das ist kein Zuckerschlecken für die Kleinen. Fotos: Wolf-Rüdiger Saathoff
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Wie beim SV Komet Walle das Trainergespann Jörg und Pascal Lütje den Nachwuchs auf Trab hält und die Freude am Fußballspielen fördert. Eine herausfordernde Aufgabe.

Walle – Ein schriller Pfiff sorgt für Aufmerksamkeit. Im Nu sind die Augenpaare der Fußballkinder auf Jörg Lütje und seinen Sohn Pascal gerichtet. Das Gespann trainiert den Fußballnachwuchs der G- und F-Jugend von Komet Walle. „Manchmal muss man auch etwas lauter werden, um die große Meute zu bändigen“, meint Jörg Lütje. Der gelernte Koch hatte in den Vorjahren Nachwuchsmannschaften beim Jugendförderverein (JFV) Aurich und der SG Egels-Popens betreut.

Am Dienstagnachmittag sind die 8- bis 9-Jährigen (F-Jugend) dran. Sie stehen in ihren kurzen Hosen und Shirts auf dem Sportplatz der Kometen hinter der Grundschule. Der Rasen kommt rutschig und holprig daher. Ein kalter Wind weht über das Gelände. Gefühlte Minusgrade. Damit der Nachwuchs in Schwung kommt, lassen die beiden Trainer die rund zwei Dutzend Kinder zwei Runden um den Wallster Sportplatz drehen.

„Nicht spazieren gehen

Einige flitzen vorneweg, andere lassen es langsamer angehen. Zu langsam findet Jörg Lütje. Er trägt noch seine blaue Trainingsjacke vom JFV Aurich. Damit hat er kein Problem. „Die Jacke ist noch gut und in Walle gab es bisher noch keine neue“, sagt er pragmatisch und wendet sich den trödelnden Jungen im Feld zu. „Ihr sollt nicht spazieren gehen. Dabei kann man ja Tee trinken“, ruft er laut über den Platz. Die Kinder verstehen und laufen plötzlich schneller.

Bevor die Kinder mit dem Ball passen oder schießen, sorgen die Trainer mit einem Aufwärmprogramm dafür, dass die Nachwuchsfußballer geschmeidig ins Training starten können.
Bevor die Kinder mit dem Ball passen oder schießen, sorgen die Trainer mit einem Aufwärmprogramm dafür, dass die Nachwuchsfußballer geschmeidig ins Training starten können.

„Wer läuft und sich bewegt, der wird nicht so leicht kalt“, meint Pascal Lütje. Er hat im Vorjahr mit seinem Bruder Patrick die G-Jugendlichen in Walle trainiert. Sein Mitstreiter musste aus beruflichen Gründen kürzertreten und so sprang Vater Jörg im vergangenen August ein.

Großer Zulauf bei den Jüngsten

„Mehr so als Betreuer und für die Arbeit im Hintergrund“, sagt er im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten. Zur Arbeit hinter den Kulissen zählt der 55-Jährige die Suche nach Sponsoren. Darüber hinaus organisiert er Turniere und sorgt dafür, dass die Kometen-Kinder auch an Turnieren teilnehmen. Die Arbeit der Lütjes trägt in Walle Früchte. Pascal Lütje erzählt: „Wir haben im zweiten Jahr großen Zulauf. Jeweils 25 Kinder in der G- und F-Jugend.“ Eine große Gruppe mit vielen Namen. Erst sei es etwas stressig gewesen, aber mittlerweile kenne er die Namen seiner Schützlinge, meint Pascal Lütje. Sein Vater tut sich damit noch schwer. Er bekennt: „Aus dem Alter bin ich raus, dass ich mir alle Namen merken kann, aber einige kenne ich schon.“

Und wenn er mal nicht mehr weiterweiß, dann muss sein Sohn einspringen, lacht er und wendet sich dem nächsten Teil des Trainings zu. Der Nachwuchs soll nicht nur Runden um den Sportplatz laufen, sondern er soll in der Trainingsstunde eine „solide Grundausbildung“ erhalten. So steht es auf der Homepage des Vereins. Bevor die beginnt, rufen die beiden Trainer die Kinder zusammen, stellen sie in einem großen Kreis auf und starten mit dem zweiten Teil der Aufwärmübungen. Sie schütteln und strecken sich, springen in die Höhe. Danach teilt Jörg Lütje den Nachwuchs in drei Gruppen ein und schickt sie zu drei Stationen auf dem Sportplatz. Nun beginnt die Arbeit mit dem Ball. Technik- und Koordinationsübungen stehen auf dem Plan.

Lobende Worte

Die Kinder umkurven Hütchen und Stangen. Sie hüpfen über kleine Hindernisse, passen Bälle zum Mitspieler und nehmen den Torwart unter Beschuss. Dreimal werden die Stationen gewechselt. Die beiden Trainer korrigieren die Auftritte der Kinder. Sie geben Tipps, wie sie genauer schießen können und wohin sie laufen sollen. Dazu gesellen sich lobende Worte. „Ihr macht das klasse“ oder „es läuft gut“ ist zu hören.

Pascal Lütje (rechts) teilt die Kinder in Pärchen ein, die sich gegenseitig den Ball zupassen und auf das Tor schießen sollen.
Pascal Lütje (rechts) teilt die Kinder in Pärchen ein, die sich gegenseitig den Ball zupassen und auf das Tor schießen sollen.

Die Kinder schlagen sich trotz der Kälte tapfer. Kein Murren und auch keine Tränen. Wohl auch deshalb, weil sich alle auf das Abschlussspiel freuen. Der letzte Baustein der Trainingsstunde.Doch davor legen die Lütjes eine Trinkpause ein. Der Vater eines Jungen schenkt Getränke in Plastikbecher aus. Ein günstiger Moment für Jörg Lütje, um auf die kommende Müllsammelaktion des Vereins einzustimmen. „Was müssen wir da machen“, fragt ein Junge im Dortmunddress. „Wir sammeln zusammen den Müll am Sportplatz und im Dorf ein“, so Lütje. Denkpause bei den Kindern. Als Lütje verrät, dass den fleißigen Helfern eine kostenlose Pizza winkt, da ertönt laute Zustimmung unter den Kindern.

Höhepunkt Abschlussspiel

Für das gemeinsame Abschlussspiel teilt Pascal Lütje die Kinder in zwei Teams ein. Eine Hälfte zieht gelbe Leibchen über. Pfiff und schon geht es los. Der Ball rollt zwischen den Reihen. Ein großer Knäuel von Kindern ist immer in der Nähe des Balls. Kurz vor Ende des Trainings tauchen die Eltern am Rande des Platzes auf. Sie sind in dicke Jacken gehüllt mit Mützen auf den Köpfen. Sie wollen ihre sportlich leicht gekleideten Kinder einsammeln, die mit roten Wangen den Rückweg antreten werden. Mit Einschlafgarantie am Abend.

Die beiden Trainer sammeln ihre Trainingsausrüstung ein, Hütchen, Stangen und Bälle. Sie machen sich noch den einen oder anderen Gedanken zum nächsten Training. Am nächsten Tag folgt die G-Jugend. „Eine wilde Meute, wie ein Sack Flöhe“, flachst Jörg Lütje.

Auf nach Norderney

Bewegen will das Trainergespann Lütjes noch einiges in dieser Saison. Der Nachwuchs kickt in verschiedenen Fußballrunden mit. Von Mai bis Juli haben die Kometen für drei Turniere gemeldet. Höhepunkt ist eine Fahrt mit den Kindern, ihren Eltern und den Trainern nach Norderney. „Wir rechnen mit 100 Leuten, die rüberfahren“, so Jörg Lütje, „aber noch müssen wir einige Fragen klären, damit es kostenmäßig passt.“

Lütje kämpft dafür, dass jedes Kind mitfahren kann. Auch jene, die mit jedem Euro rechnen müssen. Dafür sammelt Lütje Spenden ein. Infos und Anfragen unter: (0176) 73663843 oder j.lutje@aim.com.

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