Spielkreis in Moorhusen  Am Anfang stand ein Platt-Problem

| | 09.03.2023 18:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jenke Broers (links) und Thees Hinrichs am Basteltisch des Spielkreises. Foto: Holger Janssen
Jenke Broers (links) und Thees Hinrichs am Basteltisch des Spielkreises. Foto: Holger Janssen
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Ein Platt-Problem brachte vor 50 Jahren Mütter dazu, den heutigen Spielkreis in Moorhusen zu gründen. Was es damit auf sich hat und welche großen Schritte nun geplant werden.

Moorhusen - Ein Stück weit war es wohl ein Sprach-Problem, das 1972 einige engagierte Mütter in Münkeboe bewog, einen Kinderspielkreis zu gründen. Viele vorwiegend Plattdeutsch sprechende Kinder trafen auf eine Reihe von Lehrern, die der ostfriesischen Heimatsprache nicht mächtig waren. Dieser Nachteil sollte möglichst ausgeglichen werden und so entstand im März 1973 der Kinderspielkreis Münkeboe. Nach einem Umzug ist die Einrichtung nun in Moorhusen zu Hause und blickt auf ihre 50-jährige Geschichte zurück.

Was das Sprach-Problem betrifft, haben sich die Verhältnisse mittlerweile geändert. Einerseits, weil die meisten Kinder mittlerweile hochdeutsch aufwachsen. Und andererseits, weil man heute weiß, dass die Mehrsprachigkeit eher ein Vorteil als ein Nachteil ist.

Hilko Gerdes ist seit fast 40 Jahren Vorsitzender

Hilko Gerdes, CDU-Gemeinderatsmitglied, ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Elternvereins, der als Träger der Einrichtung fungiert. Stellvertretend für die „Pionierinnen“ des Spielkreises nennt er Anni Jaspers, Anita Ludwigs, Berta Gerdes, Margareta Meyerhoff und Anne Keck. „Diese Frauen haben damals wegen der genannten Probleme nicht zuallererst nach dem Staat gerufen, wie es heute eher üblich ist, sondern mit echtem Bürgersinn das Heft selbst in die Hand genommen“, lobt Gerdes, der zu denen gehörte, die seinerzeit die erste Satzung des Vereins unterschrieben haben.

Ebenfalls von Anfang an mit dabei war Voelke Lübbers. Sie war bereits Kinderpflegerin und kam nach einer entsprechenden Empfehlung dazu. Bis heute hält sie der Einrichtung die Treue und schaut immer wieder mal im Spielkreis vorbei. „Man ist dann sofort mittendrin und von den Kindern umringt“, sagt sie. Zum ersten Team gehörten neben ihr noch Erika Kalkwarf, Henni Janssen, Marie Hagen, Annchen Giesenberg und Berta Gerdes.

Am Anfang traf man sich nur nachmittags im Spielkreis

Zu Beginn trafen sich die Kinder und ihre Betreuerinnen nachmittags in der alten Schule in Münkeboe. Mit zwei Schränken, einem Spielteppich und einem mit Bauklötzen beladenen Wagen ging es los, erinnert sich Voelke Lübbers.

Mittlerweile hat der Spielkreis in der alten Schule in Moorhusen ein neues Domizil gefunden. Dort können die Kinder vormittags betreut werden. Täglich von 8 Uhr bis 13 Uhr ist die Einrichtung geöffnet und wird von 50 Kindern in zwei Gruppen begrüßt. In den mittlerweile 50 Jahren wurde die Einrichtung von etwa 2600 Kindern besucht. „Also deutlich mehr als jeder zweite Einwohner aus den Gemeinden Münkeboe und Moorhusen“, so Gerdes. „Inzwischen besuchen unsere Einrichtung schon längst die Kinder derjenigen Kinder, die uns in früheren Jahren besucht haben. Und sogar die Kindeskinder.“ Die engagierte Arbeit des Spielkreis-Teams bezeichnet Gerdes als wesentliche Grundlage des Erfolges. Voelke Lübbers schließt in ihr Lob aber auch Gerdes mit ein. Von seinem Engagement und von seinem guten Draht zur Gemeinde habe die Einrichtung immer wieder profitiert. Ein gutes Team in der Einrichtung und viel Unterstützung von außerhalb also.

Aus dem Spielkreis Moorhusen könnte Kindergarten werden

Das scheint sich auszuzahlen. So habe sich Gerdes in 38 Jahren als Vorsitzender noch kein einziges Mal mit einer Elternbeschwerde befassen müssen. Zudem habe es in den 50 Jahren seit Bestehen des Vereins nicht eine einzige Kündigung einer Mitarbeiterin gegeben oder eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses im Streit.

Hilko Gerdes ist Vorsitzender des Elternvereins. Foto: Romuald Banik
Hilko Gerdes ist Vorsitzender des Elternvereins. Foto: Romuald Banik

Nach wie vor gilt die Einrichtung in Moorhusen offiziell als Spielkreis. Faktisch steht sie einem Kindergarten aber in nichts nach. Wohl auch deshalb gibt es seit einiger Zeit Bemühungen, die Einrichtung in einen Kindergarten umzuwandeln. Dafür wäre allerdings die Erweiterung eines Gruppenraumes nötig, um die Auflagen des Landesjugendamtes zu erfüllen. Die Gespräche dazu laufen. Auch mit der Gemeinde, deren finanzielle Unterstützung Gerdes besonders hervorhebt. Ohne die wäre vieles nicht möglich gewesen.

Voelke Lübbers: Zusammenarbeit mit Eltern ist unverzichtbar

Ebenso essentiell war und ist laut Voelke Lübbers die Zusammenarbeit mit den Eltern. Die hätten faktisch das Sagen in der Einrichtung und könnten über den Elternverein direkten Einfluss nehmen. Und vielleicht ist genau das einer der Schlüssel, die zum Erfolg der Einrichtung geführt haben.

Das Jubiläum des Spielkreises Moorhusen soll in diesem Jahr gleich mehrfach mit Eltern und Kindern gefeiert werden. Zum Beispiel am kommenden Dienstag, wenn in alter ostfriesischer Tradition ein Bogen zum Ehrentag gebracht werden soll. Vor den Osterferien soll es zudem ein großes Frühstück geben, das in der Einrichtung für Kinder und Eltern bereitgestellt wird. Und dann ist da noch ein großes Sommerfest, das stattfinden soll. Möglichst im Freien, wie Voelke Lübbers sagt. Denn das entspricht genau dem Konzept der Einrichtung: Nach draußen, wann immer es möglich ist.

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