Not im Auricher Tierheim Immer mehr Tiere, zu wenig Platz
Weitere Katzen oder Kaninchen kann das Auricher Tierheim nicht mehr aufnehmen. Eine Befürchtung aus dem vergangenen Jahr hat sich bestätigt.
Aurich - Immer mehr Tiere und immer weniger Platz: Das Auricher Tierheim platzt aus allen Nähten. Nicht nur für Katzen, auch für Kaninchen gilt inzwischen ein Aufnahmestopp, sagt Tierheimleiterin Andrea Kerzel. Auch die Pflegestellen sind voll. Schon im vergangenen Herbst war die Not bei Tierschutzvereinen in der Region groß – und eine Befürchtung ist eingetreten.
Seit der neuen Gebührenverordnung für Tierärzte, die Ende November des vergangenen Jahres in Kraft trat, werden auch häufiger kranke oder verletzte Tiere ausgesetzt. Das sehe man vor allem bei den Kaninchen. „Sie kosten im Handel fast nichts“, sagt Kerzel. Zuletzt nahm das Tierheim ein Kaninchen mit einem gebrochenen Bein auf. Allein das Röntgen habe etwa 300 Euro gekostet – ein Preis, den viele nicht bereit seien zu zahlen.
Nur geringe Chance auf Vermittlung
Das Tierheim inklusive der Pflegestellen betreut derzeit etwa 30 Katzen, sagt Kerzel. Viele von ihnen stammen aus schlechter Haltung, das Veterinäramt griff ein. Wenn man nur die Anzahl betrachtet, könnte das Tierheim mehr Katzen versorgen. Aber die Räume reichen nicht. Wenn eine Katze in einem Raum untergebracht werde, bekomme dieser dadurch einen Status, sagt Kerzel. Manche Tiere müssen in Quarantäne, bei anderen ist nicht klar, ob sie vermittelt werden dürfen und ein paar wenige sind unheilbar krank. So wie Kater „Manni“. Er ist positiv auf das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) getestet worden. Die Krankheit ist auch unter dem Namen Katzen-Aids bekannt, weil sie der menschlichen Aids-Erkrankung stark ähnelt. Sie wird zum Beispiel durch Bisswunden übertragen. Es gibt aber eine Impfung – in verwahrloster Haltung sind die Tiere jedoch zu oft nicht ausreichend medizinisch betreut. So verbreitet sich das Virus schnell.
Im Tierheim ist Manni wegen der Raumnot in der Küche der Mitarbeiter untergebracht. Allein – zu groß ist die Gefahr, dass andere Tiere sich bei ihm anstecken könnten. Dank Medikamenten werde der Kater aber von der Krankheit nicht groß beeinträchtigt, sagt Kerzel. Seine Vermittlungschancen? Schlecht. Er soll am besten zu einer Familie mit einer anderen Katze, die auch FIV-positiv ist, vermittelt werden. Zusätzlich zu seiner Krankheit fehlt ihm ein Auge, wohl bedingt durch die schlechte Haltung. Viele Menschen wollen lieber eine kerngesunde Katze – obwohl Manni mindestens genauso liebenswert ist.
Unvermittelbare und „Schattentiere“
Viele Katzen im Tierheim haben kein leichtes Spiel. So wie Lorelai – eigentlich der Traum eines jeden Katzenliebhabers. Auf Besucher geht sie unter ständigem Maunzen zu, lässt keine Gelegenheit für eine Streicheleinheit aus. Zweimal war sie bereits vermittelt – kam aber jedes Mal wieder zurück. Das lag nicht an den Familien, sagt Kerzel. Bessere Halter habe man sich kaum wünschen können. Sobald Lorelai jedoch in ihrem neuen Zuhause ankam, urinierte sie überall hin.
Die Unvermittelbaren, die „Schattentiere“, wie Kerzel sie nennt, auch sie brauchen einen Platz. Und jemanden, der sich um sie kümmert. Das Tierheim betreut deshalb eine Gruppe von halbwilden Katzen, für die immer wieder Paten gesucht werden. Sie leben größtenteils draußen, ihnen steht eine beheizte Hütte zur Verfügung.
Ein Kampf gegen Windmühlen
Das Retten der Katzen ist für das Auricher Tierheim ein Kampf gegen Windmühlen. Nur ein Bruchteil der Katzen kann aufgenommen werden. Der Rest vermehrt sich unkastriert und ungesehen. Dreimal pro Jahr werfen Katzen zwei bis sechs Welpen, sagt Kerzel. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit etwa einem halben Jahr. Die Arbeit des Tierheims ist deshalb zu oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Um zukünftig noch mehr Katzen helfen zu können, will das Tierheim ausbauen. Es sollen mehr Gehege geschaffen werden, so können mehr Gruppen untergebracht werden. Dazu sollen auch zwei weitere beheizte Hütten entstehen. Seit Langem wird diese Maßnahme nun schon geplant. Und das Tierheim ist zur Umsetzung auf Spenden angewiesen.