Inflation und steigende Preise Zahl der Anfragen zur Abgabe von Tieren beim Auricher Tierheim steigt
Immer mehr Anfragen erhält das Auricher Tierheim von Haltern, die ihre Tiere abgeben wollen. Auch bei anderen Tierschutzvereinen in Ostfriesland ist die Lage dramatisch.
Aurich - Alles wird teurer – Strom, Gas, aber die Inflation schlägt auch bei Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs zu. Die Auswirkungen kriegen auch Tierheime zu spüren. Es gebe immer mehr Anfragen zur Abgabe von Haustieren, bestätigt der Vorsitzende des Vereins Tierschutz Aurich und Umgebung, Gerold Köllmann, der das Auricher Tierheim betreibt. Und das ist nicht das einzige Problem.
Eine große Anzahl an Neuzugängen im Auricher Tierheim gibt es nicht – das ist auch kaum möglich. „Die Kapazitäten sind ja fast immer am Limit“, sagte Köllmann. „Wir können die Tiere ja nicht stapeln.“
Ist es die Corona-Abgabewelle?
Die Anfragen zur Abgabe von Haustieren steigt allerdings beim Auricher Tierheim, sagte Köllmann. Das betreffe vor allem Katzen und junge Hunde. Köllmann vermutet, dass es sich dabei um die lang befürchtete Abgabewelle nach Corona handelt. Viele Menschen hatten sich im Zuge des pandemiebedingten Lockdowns ein Haustier angeschafft. Dank Homeoffice war die Sorge um das Tier leicht. Aber immer mehr Menschen arbeiten wieder außer Haus – und sind dann mit ihrem Haustier überfordert.
Üblicherweise werde mit den Haltern in solch einem Fall zunächst ein Beratungsgespräch durchgeführt – und über die Kosten der Abgabe geredet. Denn umsonst kann das Tierheim nicht alle Tiere aufnehmen, sagte Köllmann. Das koste gut 250 Euro, in Ausnahmefällen mehr. Bei vielen ändere sich dann bereits die Meinung.
Immer mehr verletzte Katzenbabys ausgesetzt
Einen weiteren möglichen Grund sieht Köllmann bei den allgemein gestiegenen Preisen. Manche könnten sich ihr Haustier einfach nicht mehr leisten. Hinzu kommt die neue Tierarztgebührenordnung, die am 22. November in Kraft tritt. Die Preise für eine Behandlung verdoppeln sich dann teilweise. Manche Tierhalter stelle das vor eine unüberwindbare Herausforderung.
Welche Ausmaße das Problem hat, sehen auch die Aktiven Tierfreunde Norden. Vorsitzende Sonja Lindemann ist besorgt – zunehmend würden verletzte Katzenbabys gefunden. Zuletzt wurde ein kleiner Kater von den Tierfreunden gerettet, bei dem Elle und Speiche eines seiner Beine gebrochen waren. Die Kosten für eine Operation seien hoch, sagte Lindemann. Und damit ist er bei weitem kein Einzelfall. Zuletzt wurden zwei Katzenbabys in Detern ausgesetzt, immerhin waren sie unverletzt. Lindemann vermutet, dass die Halter die Behandlung nicht bezahlen konnten oder wollten – und die Tiere einfach aussetzten.
In Emden bereits Aufnahmestopp
Für solche Fälle haben die Tierfreunde Rücklagen angehäuft, sagte Lindemann. Sie seien allerdings eher für notwendige Katzenkastrationen oder für wirkliche Notfallbehandlungen gedacht. Die Vorsitzende fürchtet, dass wegen der gestiegenen Kosten immer weniger Halter ihre Tiere zum Tierarzt bringen – und die Tiere am Ende Qualen leiden.
Das Tierheim in Emden musste bereits aus der hohen Zahl an Abgaben Konsequenzen ziehen. Für Katzen gilt ein Aufnahmestopp. Nicht einmal Fundtiere können mehr aufgenommen werden. Völlig unüblich für diese Jahreszeit, sagt die Vorsitzende des Vereins Tierschutz Emden und Umgebung, Birgit Egberts. Sowohl die Aufnahmestation, in der die Katzen geimpft, gechippt und kastriert werden, als auch die Katzenstation selbst seien voll. Normalerweise würden bis Jahresende vor allem viele Katzenbabys adoptiert, im Frühjahr dann die älteren Katzen. Das bleibe derzeit allerdings aus.
„Kann ich mir das Tier wirklich leisten?“
Egberts vermutet ebenfalls, dass der Grund für die geringe Nachfrage die gestiegenen Kosten sind. „Die Leute überlegen sich, kann ich mir das Tier denn wirklich leisten?“, sagte sie.
Dabei ächzen die Tierheime und Tierschutzvereine aktuell nicht nur unter der hohen Zahl an Abgaben. Auch sie leiden unter den gestiegenen Kosten. In Aurich sollte demnächst eigentlich angebaut werden. „Das müssen wir auf die lange Bank schieben“, sagte Köllmann. Die Aktiven Tierfreunde müssen für ihre Tiertafel in Norden bereits Futter zukaufen, um die immer weiter steigende Nachfrage zu bedienen, sagte Lindemann. Beim Tierheim sollte das Hundehaus einen Anbau bekommen. Für alle gilt in der Krise dasselbe. „Wir müssen Sparen“, sagte Egberts.