Hilfe für die Auricher Tafel  Auf die Ehrenamtlichen kommt es an

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 17.02.2023 17:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Landrat Olaf Meinen (Mitte) besuchte am Freitag die Auricher Tafel und ging dabei Ausgabestellenleiter Ernst Kuntner und Hannelore Schug bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit zur Hand. Foto: Franziska Otto
Landrat Olaf Meinen (Mitte) besuchte am Freitag die Auricher Tafel und ging dabei Ausgabestellenleiter Ernst Kuntner und Hannelore Schug bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit zur Hand. Foto: Franziska Otto
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Landrat Olaf Meinen besuchte am Freitag die Auricher Tafel und half den Ehrenamtlichen. Dabei stellte er sich auch einigen Problemen der Einrichtung.

Aurich - Paprika, Salat, Äpfel und Orangen, dazu Brot und frische Waren: Landrat Olaf Meinen packte am Freitag bei der Auricher Ausgabestelle der Tafel mit an und unterstützte die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit. Er löste damit eine verlorene Wette gegen den Lions-Club Aurich Frisia Orientalis ein. Für sich selbst nimmt er eine wichtige Botschaft mit: Die Tafeln sind ein Ort der Gemeinschaft und des Engagements. „Aber es ist schlimm, dass es sie geben muss.“

Ursprünglich waren Tafeln zur Verwertung von Lebensmitteln gedacht, die unter anderem von Supermärkten nicht mehr verkauft wurden. Inzwischen sind sie aber zu einem essenziellen Teil der Versorgung von Menschen geworden, denen wenig Geld zur Verfügung steht.

Immer mehr Kunden, immer weniger Spenden

Die Tafeln im Landkreis Aurich stehen vor einem wachsenden Problem. Immer mehr Menschen wollen Tafelkunden werden. 250 Tafelkarten sind allein für die Ausgabestelle in Aurich ausgegeben, sagt Leiter Ernst Kuntner. Schon seit August des vergangenen Jahres gibt es einen Aufnahmestopp. Neukunden gibt es nur, wenn andere ihre Tafelkarte nicht mehr benötigen.

Gleichzeitig geht die Zahl der Spenden stark zurück. Einerseits ist das saisonbedingt. Vor den Weihnachtsfeiertagen stockten viele Supermärkte ihre Vorräte auf, so bleibe auch mehr für die Tafeln über, hieß es von den Ausgabestellen Ende des vergangenen Jahres. Nach den Feiertagen fahren die Supermärkte ihre Bestände jedoch zurück. Die Ausgabestellen müssen teilweise die Spenden rationieren, damit auch jeder etwas abbekommt.

Lidia Schmidt packt bei der Tafel in Aurich Kisten mit Lebensmitteln, die Sven Duderstadt an die Tafelkunden weiterreicht. Foto: Franziska Otto
Lidia Schmidt packt bei der Tafel in Aurich Kisten mit Lebensmitteln, die Sven Duderstadt an die Tafelkunden weiterreicht. Foto: Franziska Otto

Kreis hat nur wenige Möglichkeiten, um Tafel zu helfen

Auch den ehrenamtlichen Helfern fällt auf, dass immer weniger ankommt. „Man merkt, dass bei den Geschäften gespart wird“, sagt Hannelore Schug. Sie packte am Freitag Gemüse und Obst in Kisten für die Tafelkunden. Bei den gekühlten Waren ist der Großteil Markenware. Was zunächst überraschend klingen mag, hat einen einfachen Hintergrund. Auch die Kunden in den Supermärkten greifen inzwischen zu den günstigeren Produkten, sagt Lidia Schmidt, am Freitag war sie für die Kühlwaren zuständig. Die teure Markenware landet bei der Tafel.

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine kommen auch immer mehr geflüchtete Ukrainer zur Tafel. Viel mehr Menschen, so Kuntner, könne man jedoch in Aurich nicht mehr versorgen. Immer wieder kommt die Kritik auf, dass sich die Politik zu sehr auf Einrichtungen wie die Tafel verlässt, um Menschen zu helfen, die an der Armutsgrenze leben. Muss der Landkreis sie mehr unterstützen? Die Verwaltung habe nur wenige Möglichkeiten, sagte Meinen. Sozialleistungen würden zum Beispiel vom Bund geregelt. Man müsse eher dafür sorgen, dass all jene, die einen Anspruch auf Sozialleistungen haben, diese auch abrufen.

Landrat: Tafeln brauchen mehr Ehrenamtliche

Ein anderes Thema sind Unterstützungen vom Bund für die Kommunen zur Aufnahme der Geflüchteten. Meinen wünscht sich da mehr Einsatz von der Regierung. Auch angesichts zukünftiger Herausforderungen. „Wir erwarten schon, dass dort Kosten übernommen werden“, sagte er.

Geld ist die eine Seite, die ehrenamtlichen Helfer bei der Tafel sind die andere. Sie bilden das Herzstück, ohne das wohl nichts funktionieren würde. Lidia Schmidt ist bereits seit über sechs Jahren bei der Tafel. Oder Hannelore Schug, die schon seit 16 Jahren dabei ist. Sie sind hier nur stellvertretend genannt für all die Ehrenamtlichen, die sich in Aurich, Wiegboldsbur, Großefehn und Friedeburg für die Tafelkunden engagieren. Von ihnen brauchen die Ausgabestellen noch mehr, so Olaf Meinen. „Es gibt den Menschen so viel“, sagte er.

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