Auricher Tafel in Not Zahl der Spenden hat sich halbiert
Die Auricher Tafel ist in Not. Nach Weihnachten ist die Zahl der Lebensmittelspenden eingebrochen, gleichzeitig steigt die Zahl der Bedürftigen. „Wir können nicht mehr“, sagt der Leiter der Ausgabestelle.
Aurich - Not herrscht derzeit bei der Auricher Ausgabestelle der Tafel: Die Zahl der Lebensmittelspenden hat sich im Vergleich zur Vorweihnachtszeit halbiert. Das teilt der Leiter der Ausgabestelle, Ernst Kuntner, auf Anfrage mit. Gleichzeitig wachse die Zahl der Anfragen um eine Tafelkarte.
Derzeit sind 250 sogenannte Tafelkarten im Umlauf. Sie bescheinigt dem Inhaber die Berechtigung, dass er bei der Tafel Lebensmittel kaufen darf. 250 Karten sind das absolute Maximum, seit August des vergangenen Jahres herrscht ein Aufnahmestopp. „Wir sind bis zur Oberkante ausgelastet“, sagte Kuntner. Nicht eingerechnet sind Notfälle, also Menschen, die nicht wissen, wie sie sich in den nächsten Tagen ernähren sollen. „Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, niemanden wegzuschicken“, sagt Kuntner.
Gewisser Rückgang war erwartbar
Als Problem kommt nun hinzu, dass bei der Tafel immer weniger Lebensmittelspenden ankommen. Mit einem gewissen Rückgang hatte Kuntner schon vor Weihnachten gerechnet. Das habe man bereits in den Vorjahren beobachten können. Vor den Feiertagen stockten Supermärkte ihre Bestände auf, mit dem neuen Jahr würden sie wieder zurückgefahren. Nun jedoch sei die Lage dramatisch. An Sonnabenden habe man teilweise die Ausgabestelle schließen müssen, weil nicht genug Spenden da gewesen seien. Inzwischen rationiere man, damit man den Kunden wenigstens etwas anbieten könne.
Hin und wieder gebe es Aktionen und Sammlungen von Clubs und Vereinen, sagt Kuntner. Sie seien auch wirklich eine große Hilfe. Wie zum Beispiel die Wette, die der Lions-Club Aurich Frisia Orientalis gegen Landrat Olaf Meinen im vergangenen November gewann. Mehr als 5000 Lebensmittelspenden wurden so gesammelt. Die Ausgabestellen teilten sie untereinander auf. „Es reichte für zwei Ausgabetage“, sagt Kuntner.
Arbeitslast kaum zu stemmen
Die Not bei der Auricher Tafel und ihrer Mitarbeiter ist groß. Ursprünglich waren die Tafeln als Lösung gegen Lebensmittelverschwendung gedacht. In vielen Städten sind sie inzwischen ein wichtiger Bestandteil für Menschen, die wenig Geld im Monat zur Verfügung haben. Dazu zählen auch Geflüchtete. Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ist die Zahl der Menschen, die Hilfe benötigen, stetig gewachsen. Mittlerweile versorgt die Tafel Aurich 90 Ukrainer, sagt Kuntner.
Es sei bereits vorgeschlagen worden, zusätzliche Ausgabetage anzubieten, damit mehr Menschen versorgt werden könnten, sagt Kuntner. Einerseits würden die Waren dafür einfach nicht ausreichen. Andererseits sei das angesichts der bereits bestehenden Arbeitsbelastung für die Ehrenamtlichen absolut keine Option. In der Auricher Tafel werden für die Kunden Warenkisten gepackt. So wird sichergestellt, dass jeder etwas bekommt. Die Ehrenamtlichen, oft Frauen, älter als 70 Jahre, stehen stundenlang, um jedem Kunden etwas anbieten zu können. Schon jetzt arbeiteten sie 70 Stunden im Monat und mehr. Er selbst sei früher in Rente gegangen, weil sein Körper mit der Arbeitslast nicht mehr klargekommen sei, sagt Kuntner. „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“
„Wir können nicht mehr“
So kann es nicht lange weitergehen, ist sich Kuntner sicher. Die Ehrenamtlichen halten kaum noch durch. Und Politiker verließen sich zu oft darauf, dass die Tafeln bedürftige Menschen versorgten – obwohl es in erster Linie die Aufgabe der Politik wäre, das zu gewährleisten, sagt Kuntner. Das merke man vor allem bei den ukrainischen Geflüchteten. Der Staat biete ihnen bereits Leistungen – warum sollen sie zur Tafel? Die Auricher Tafel kann die Unterstützung nicht mehr stemmen, auch wenn sie es gern würde. „Man kann vor den Ukrainern nur den Hut ziehen“, sagt Kuntner.
Bei der Tafel fehlt es aktuell an allen Ecken und Enden. Die Wette des Landrats sei ein wichtiges Zeichen gewesen und habe für Aufmerksamkeit gesorgt. Aber allein reicht es nicht. „Wir wollen uns nicht beschweren – aber wir können nicht mehr“, sagt Kuntner.
Immer mehr bedürftige Kinder
Zahl bedürftiger Kinder verdoppelt
Aufnahmestopp bis Ende des Jahres verlängert
Auf die Ehrenamtlichen kommt es an