Baustopp verärgert Verein  Auricher Schützen fühlen sich ungerecht behandelt

| | 14.02.2023 18:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Auricher Schützenverein musste die Erdarbeiten am Schützenhaus abbrechen. Foto: Karin Böhmer
Der Auricher Schützenverein musste die Erdarbeiten am Schützenhaus abbrechen. Foto: Karin Böhmer
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Einer der Vorsitzenden vermutet ein Missverständnis. Derweil spricht die Stadtbaurätin von zwei unter Schutz stehenden Winterlinden, die gefällt wurden.

Aurich - Der Auricher Schützenverein fühlt sich ungerecht behandelt. Die beiden Vorsitzenden Stefan Dunkmann und Siegfried Janssen sehen sich an den Pranger gestellt, obwohl sie nach ihrer Auffassung nur auf ihrem Vereinsgrundstück aufgeräumt haben.

Der Verein habe nur auf seinem Grundstück aufräumen wollen, sagen die beiden Vorsitzenden. Sie fühlen sich missverstanden. Foto: Karin Böhmer
Der Verein habe nur auf seinem Grundstück aufräumen wollen, sagen die beiden Vorsitzenden. Sie fühlen sich missverstanden. Foto: Karin Böhmer

Wie berichtet, hatte die Stadt Aurich am Montag die Arbeiten auf dem Grundstück gestoppt. Zum einen geht die Verwaltung davon aus, dass widerrechtlich und ohne Genehmigung zwei Winterlinden gefällt wurden, die von der Baumschutzsatzung geschützt sind. Zum anderen hat ein Rathausmitarbeiter am Dienstag Erdarbeiten unterbunden. Am Montag war das Verschieben von Erdreich noch gestattet und jede weitere bauliche Tätigkeit untersagt worden. Doch nun musste der Baggerfahrer am Dienstag unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil auch das weitere Verschieben von Erde als bauvorbereitende Maßnahme gedeutet wurde.

Vorsitzende wehren sich gegen das Wort „Baustopp“

Siegfried Janssen war am Dienstagvormittag nahezu fassungslos über diese Untersagung, während Stefan Dunkmann ankündigte, nun einen Anwalt einzuschalten.

Die beiden Vereinsvorsitzenden verwehren sich gegen das Wort „Baustopp“. Am Schützenhaus werde gar nicht gebaut, lediglich im Inneren liefen Umbauarbeiten zur Renovierung des Saales und des Großkaliberschießstandes, sagte Stefan Dunkmann. Es sei kein Bauantrag für einen Anbau gestellt worden und ebenso keiner für den Bau eines Parkplatzes. Insofern könne man gar nicht von einem Baustopp sprechen. „Wir sind ein eingetragener Verein, wir würden doch nichts ohne Baugenehmigung bauen“, sagt Siegfried Janssen und schüttelt ungläubig den Kopf.

Erdarbeiten bis zu einem gewissen Grad genehmigungsfrei

Möglicherweise gibt es laut Siegfried Janssen ein Missverständnis. Dem Schützenverein gehöre nur noch ein 18 Meter breiter Streifen, beginnend an der Rückwand des Schützenhauses. Auf vier Metern des Schützengrundstücks stehe noch das Baumaterial von der Baustelle für das Einkaufszentrum, vor allem Steine. Und der gesamte Rest des früheren Platzes sei dem Investor Wilhelm Schomaker für seine Pläne am Einkaufszentrum in Erbpacht überlassen worden. Alles Baumaterial, was sich dort befinde, habe mit den Schützen ebenfalls nichts zu tun, betonte Siegfried Janssen. Der Verein wolle lediglich das Schützenhaus im Inneren modernisieren, denke – wie berichtet – über die Erweiterung des Hauses um eine Bogenschützenhalle nach und habe den Bereich hinter dem Haus geschottert, damit die Baumaschinen dort arbeiten können.

Worin die Stadt Aurich dort nun bauvorbereitende Maßnahmen erkennt, wollte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Dienstag nicht weiter kommentieren. Grundsätzlich sei es aber so, dass Erdarbeiten bis zu einem gewissen Maß genehmigungsfrei seien. Ab einem gewissen Grad aber auch nicht mehr.

Verein sah „Gefahr im Verzug“

Zum anderen beteuern die beiden Vereinsvorsitzenden, dass keine Linden gefällt worden seien. Als Beweis haben sie Teile eines Erlenstammes beim Pressetermin im Schützenhaus dabei.

Der Verein habe nur Roterlen gefällt. Zum Beweis brachten die Vorsitzenden Teile der Erlen zur Pressekonferenz mit. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß spricht aber auch von zwei Winderlinden, die ebenfalls gefällt worden seien. Letztere stehen unter Schutz. Foto: Karin Böhmer
Der Verein habe nur Roterlen gefällt. Zum Beweis brachten die Vorsitzenden Teile der Erlen zur Pressekonferenz mit. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß spricht aber auch von zwei Winderlinden, die ebenfalls gefällt worden seien. Letztere stehen unter Schutz. Foto: Karin Böhmer

Anlass der Fällung von zwei Roterlen sei ein lautes Knacken in einem der Bäume gewesen. „Wir waren letzte Woche gerade draußen, um das Grundstück dort zu vermessen, und dachten, der Baum kippt gleich um“, sagt Stefan Dunkmann. Das sei kurz nach den stürmischen Tagen gewesen. „Wir haben hier die Verkehrswegesicherungspflicht und da war Gefahr im Verzug“, sagt der Vereinsvorsitzende. Deshalb habe der Vorstand auf der Internetseite der Stadt das Merkblatt zum Baumschutz angeschaut und dort gesehen, dass Erlen nicht unter Schutz stehen. Entsprechend habe man die Bäume entfernen lassen. Die Verwaltung habe er nicht informiert und eingeschaltet, weil dies aus seiner Sicht zu lange gedauert hätte, so Stefan Dunkmann. Die Arbeiten seien fotografisch aber dokumentiert.

Stadtbaurätin ist skeptisch

Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß überzeugt das Argument nicht, wie sie auf Nachfrage sagte. Zum einen sei die Verwaltung bei Gefahr sehr schnell unterwegs, um sich solche Situationen anzuschauen und eine Lösung zu finden. Dafür sei auch der Betriebshof sehr gut aufgestellt. Zum anderen seien in der Tat zwei nicht geschützte Roterlen gefällt worden, aber ebenso zwei geschützte Winterlinden. „Wir haben den Bereich genau aufgenommen. Dort sind insgesamt sieben Bäume gefällt worden, darunter zwei geschützte“, so die Stadtbaurätin. Im Rahmen des Ordnungswidrigkeitenverfahrens habe der Schützenverein aber Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen.

Laut Stefan Dunkmann wurde vor Jahrzehnten Erdreich beim Planieren des freien Platzes hinter dem Schützenhaus an den Rand geschoben und zu einer Art Wall aufgetürmt. Um den Grundstückstreifen neben dem Schützenhaus und den Bewuchs auf diesem Erdreich habe sich jahrzehntelang niemand gekümmert. Im Zuge der Erneuerungspläne wolle der Schützenverein an der Seite des Hauses aber auch eine kleine Sitzmöglichkeit schaffen. „Deshalb haben wir da die Thujas und den Efeu und sonstiges Gestrüpp entfernen lassen – und um zu sehen, wie unser Grundstück darunter überhaupt aussieht“, sagt Stefan Dunkmann.

Vorsitzende sind von den Nachbarn enttäuscht

Teile der alten Aufschüttung seien dann genutzt worden, um das Grundstück, das zur alten und vom Schützenverein unangetasteten Wallhecke abschüssig war, anzufüllen. „Es muss doch möglich sein, auf seinem eigenen Grundstück Ordnung zu schaffen“, sagt Siegfried Janssen. Für die alten Kugelfänge, die unschöne Rückwand des Schützenhauses und den Schallschutz am Großkaliberschießstand seien Lösungen in Planung. „Wir wissen auch, dass das für die Anwohner gerade kein schöner Anblick ist“, sagte Janssen: „Aber daran arbeiten wir.“

Nicht verstehen können beide Vereinschefs, dass nur einer der Nachbarn mit einer Frage auf sie zugekommen sei. Alle anderen würden zwar über die Arbeiten reden, aber nie den persönlichen Kontakt suchen. Und das gelte auch für die Stadt Aurich: „Niemand hat mit uns Kontakt aufgenommen und gefragt, was wir hier machen. Stattdessen kommt jemand vorbei und sagt dem Baggerfahrer, dass er die Arbeit einstellen soll. Dass keiner an uns herantritt und uns fragt, finde ich am schlimmsten“, so Stefan Dunkmann.

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