Veto vom Bauordnungsamt  Stadt legt Arbeiten am Auricher Schützenhaus still

| | 13.02.2023 20:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gerodetes Gestrüpp wurde verladen. Foto: Heino Hermanns
Gerodetes Gestrüpp wurde verladen. Foto: Heino Hermanns
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Die Verwaltung hat ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen einer Baumfällung gegen den Schützenverein eingeleitet. Außerdem fehlt noch eine Baugenehmigung.

Aurich - Am Montag rollten hinter dem Auricher Schützenhaus die Bagger. Schon in den vergangenen Tagen entfernten Arbeiter dort einige Bäume und Gestrüpp. Eine viele Jahre alte Erdaufschüttung wurde vom Bewuchs befreit und die Erde nun auf dem Grundstück verteilt.

Im Rathaus klingelte gleich am Montagmorgen das Telefon. Bürger fragten sich, ob die Baumfällung und die Erdarbeiten genehmigt seien. Und das waren sie offenbar nicht. Die Stadt war mit mehreren Mitarbeitern vor Ort und untersagte laut Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß mit einer mündlichen bauaufsichtlichen Anordnung die weiteren Arbeiten. Lediglich die Verteilung des Erdreichs durfte fortgesetzt werden. Laut Busch-Maaß sind ohne vorherige Kontaktaufnahme zur Verwaltung zwei durch die Baumschutzsatzung geschützte Linden gefällt worden. „Da beißt die Maus keinen Faden ab“, so Busch-Maaß. Die Anordnung sei ausgesprochen worden, um die Arbeiten erst einmal zu stoppen, bevor möglicherweise weiterer Schaden entstehen könnte.

Schützenverein: Bäume waren Schwarzerlen

Stefan Dunkmann, Vorsitzender des Auricher Schützenvereins, widerspricht: Es habe sich nach Angaben des vom Schützenvereins beauftragten Unternehmens um zwei Schwarzerlen gehandelt, die nicht unter die Baumschutzsatzung fallen. Nach dem Sturm vor einigen Tagen sei aus einem der Bäume ein lautes Knacken zu hören gewesen. Ein Fachmann habe sich daraufhin den Baum gründlich angesehen und sei zu dem Schluss gekommen, dass dieser vom Sturm im zweiten Drittel beschädigt worden sei.

Auf dem Gelände des Schützenvereins steht auch noch Baumaterial von der Baustelle des Einkaufszentrums. Foto: Heino Hermanns
Auf dem Gelände des Schützenvereins steht auch noch Baumaterial von der Baustelle des Einkaufszentrums. Foto: Heino Hermanns

Es habe aus Sicht des Vereins die Gefahr bestanden, dass der Baum auf das Schützenhaus falle, deshalb sei er entfernt worden, so Dunkmann. Zur Sicherheit sei eine umfangreiche Fotodokumentation darüber erstellt worden. Außerdem wurden eine weitere Schwarzerle sowie Weiden, „Gestüpp und 40 Jahre altes Unkraut“ beseitigt, so Dunkmann. Dem beauftragten Unternehmen habe er zugesagt, dass es das Holz verwerten dürfe. Deshalb seien am Wochenende Mitarbeiter mit Motorsägen auf dem Grundstück gewesen und hätten das Holz abtransportiert. Das wiederum hat einige Auricher auf den Plan gerufen, die kritisieren, dass ein Biotop zerstört werde, und deshalb die Bauordnung der Stadt einschalteten.

Verein pocht auf sein Recht, sein Grundstück aufräumen zu dürfen

Laut dem Schützenvereinsvorsitzenden hat der Verein im Zuge seiner Umbaupläne aber nur sein Grundstück aufgeräumt. Die alte Wallhecke, die das Grundstück zu den Privatgrundstücken an der Blücherstraße abgrenzt, sei geschützt und nicht angetastet worden. Es gebe daneben eine Aufschüttung, die aus Zeiten stamme, als die Schausteller den Platz genutzt hätten, so Dunkmann. „Und so sieht es dann aus, wenn man sich 40 Jahre lang nicht drum kümmert.“

Ihn empört die öffentliche Aufregung um die Arbeiten. „Wir haben das Recht, auf unserem Grundstück sauber zu machen. Ich sage ja auch niemandem, ob er auf seinem Grundstück seinen Kompost wegnehmen darf“, so der Vereinsvorsitzende. Ihn enttäusche, dass die Anlieger ihn nicht angesprochen hätten. Dann hätte er ihnen den Schaden an den Bäumen erklärt. Wenn nun aber Behauptungen aufgestellt würden, könne der Schützenverein auch rechtliche Schritte dagegen prüfen lassen.

Stadt geht davon aus, dass rechtswidrig Linden gefällt wurden

Zumindest gegenüber der Stadt wird Dunkmann nun Gelegenheit bekommen, seine Sicht der Dinge darzulegen. Die Verwaltung habe nach dem Vor-Ort-Termin am Montag die Auffassung, dass es sich bei den gefällten Bäumen unteranderem um zwei geschützte Linden handelte, so Busch-Maaß. Deshalb sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Im Rahmen eines schriftlichen Anhörungsverfahrens habe der Vereinsvorstand darin Gelegenheit, zu belegen, dass es sich um Schwarzerlen und nicht um Linden gehandelt habe – sofern er dies belegen könne.

Hinter dem Schützenhaus gehört dem Verein ein 18 Meter breiter Streifen in Richtung Familienzentrum, der als Parkplatz genutzt werden soll. Foto: Heino Hermanns
Hinter dem Schützenhaus gehört dem Verein ein 18 Meter breiter Streifen in Richtung Familienzentrum, der als Parkplatz genutzt werden soll. Foto: Heino Hermanns

In der Baumschutzsatzung sei auch geregelt, dass bei beschädigten geschützten Bäumen vor dem Fällen das Gespräch mit der Stadt zu suchen sei, so die Stadtbaurätin. „Wenn ein Baum nicht mehr verkehrssicher ist, gibt es ja Lösungen. Aber es lässt sich besser am lebenden Baum über Schäden und Kompensation sprechen, als wenn das Holz schon als Kaminholz gestapelt in der Garage liegt.“ Solange nur Gestrüpp entfernt werde, liege das allerdings im Ermessen des Eigentümers. Auch das Verschieben und Verfüllen von Erdreich sei genehmigungsfrei.

Erstmal Stopp für Parkplatz

Neben dem Verfahren wegen der ungenehmigten Fällung mutmaßlich geschützter Bäume sind aber auch alle weiteren Arbeiten am Parkplatz gestoppt worden. Denn die nötige Genehmigung dafür sei nicht erteilt worden, so Busch-Maaß. Es gehe dabei um Entwässerung und die Versiegelung von Flächen, die nicht einfach so vorgenommen werden dürfe.

Laut Dunkmann bleibt hinter der Rückwand des Schützenhauses ein 18 Meter breiter Streifen, auf dem Parkplätze für die Vereinsmitglieder angelegt werden sollen. Auf diese Parkflächen sei der Verein dringend angewiesen. Ein Teil der Fläche werde immer noch vom Investor für das frühere Kaufhallengelände für die Lagerung von Baumaterial genutzt. Fünf neue Bäume sollen dort laut Dunkmann gepflanzt werden. Und zudem könnte eine Thujahecke als neue Abgrenzung sowie als Sicht- und Lärmschutz zu den Anliegern entstehen. Kontakt zu einem Gärtner habe er deshalb schon aufgenommen. Auch über eine zusätzliche Außenwand als Dämmung der Geräusche aus dem Schützenhaus sei im Verein gesprochen worden.

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