Folgen gestiegener Kosten und Zinsen Trend geht laut Gutachter wohl zum kleineren Haus
Zwar sind die Immobilienpreise in Ostfriesland im zweiten Halbjahr 2022 erstmals gesunken. Doch sie liegen immer noch auf sehr hohem Niveau.
Aurich - Angesichts gestiegener Kosten und Zinsen werde der Trend in nächster Zeit beim Eigenheimbau wohl zu etwas kleineren Einfamilienhäusern gehen, zu Doppelhaushälften und Reihenhäusern. „Es müssen keine 1000 Quadratmeter-Grundstücke mehr sein“, so die Prognose des Vorsitzenden des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Aurich, Martin Homes. Der Fachmann stellte am Donnerstag den Grundstücksmarktbericht 2023 für Ostfriesland vor. Dabei gab es erstmals seit vielen Jahren einen spürbaren Rückgang der Umsätze und der Preise im vergangenen Halbjahr zu verzeichnen.
Allerdings liegen die Immobilienpreise damit weiter auf dem sehr hohen Niveau von Herbst 2021. In den zehn Jahren zuvor hatten sie sich im Landkreis Aurich mehr als verdoppelt.
Typisches Einfamilienhaus kostet im Kreis Aurich über 300.000 Euro
Für ein freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1950 bis 1977, mussten im Kreis Aurich im Mittel 244.000 Euro auf den Tisch gelegt werden, im Vorjahr waren es 209.000 Euro. Für ein neueres Haus, Baujahr 1991 bis 2019, waren es schon satte 380.000 Euro (Vorjahr: 334.000 Euro). Bei den Reihenhäusern und Doppelhaushälften lagen die Kaufpreise für durchschnittliche Objekte, Baujahr 1978 bis 1990, bei 240.000 Euro. Auch in diesem Bereich wurden 2022 in Ostfriesland mit 754 Verträgen neun Prozent weniger Verträge als im Vorjahr abgeschlossen – im Kreis Aurich waren es minus drei Prozent (185 Verträge).
Bei den Wohnungen war das Preisniveau von Mitte 2021 bis Mitte 2022 ebenfalls erneut um acht Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Kaufpreis bei Weiterverkäufen lag im Binnenland bei etwa 2500 Euro pro Quadratmeter und in den Küstenbadeorten bei ca. 3800 Euro.
Auf Norderney kostet der Quadratmeter im Schnitt 12.800 Euro
Auf den Inseln lag das Preisniveau deutlich höher. So lag der Durchschnittpreis für eine Wohnung auf Norderney bei 12.800 Euro pro Quadratmeter (zum Vergleich in Aurich bei 2700 Euro, in Wiesmoor bei 1970). In der absoluten Spitze wurden auf Norderney sogar absurd hohe Preise von bis 28.300 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Auf der Nachbarinsel Juist lag der Durchschnittspreise immer noch bei 10.000 Euro je Quadratmeter, auf Baltrum bei 7400 Euro. „Die Inseln haben eben noch mal eine andere Dynamik“, sagte Homes. Dort sei das Sinken der Preise ab dem Sommer nicht so zu beobachten.
Insgesamt wurden bei Wohnungen 2022 in ganz Ostfriesland insgesamt 2343 Verträge registriert – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Im Kreis Aurich lag der Rückgang bei minus sechs Prozent (715 Verkäufe). Die Zahl der verkauften Bauplätze für den Wohnungsbau lag mit 792 Baugrundstücken 23 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nur im Kreis Aurich gab es hier eine Zunahme von 25 Prozent. Die Preise der Baugrundstücke waren im Mittel um sieben Prozent gestiegen.
Landwirtschaftsflächen nur moderat teurer
Bei den land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken war die Zahl der Verkäufe mit 546 Verträgen ebenfalls um zehn Prozent rückläufig. Im Kreis Aurich betrug der Rückgang 17 Prozent. Zugleich stiegen die Preise für landwirtschaftliche Flächen im Mittel um vier Prozent. Das sei eine ziemliche moderate Entwicklung nach den heftigen Preissteigerungen zwischen etwa 2010 und 2015, erklärte Homes.
Trendwende auf ostfriesischem Immobilienmarkt
So ist die Preisentwicklung bei Wohnimmobilien in Ostfriesland
Preise für Bauplätze und Häuser steigen wieder
Bei den baureifen Gewerbebaugrundstücken wurden 2022 insgesamt 117 Kaufverträge abgeschlossen – 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Preise lagen überwiegend auf dem geringen Niveau der Vorjahre. Einige Kommunen hatten die Verkaufspreise aber angehoben.
Gutachter glaubt nicht an dauerhaft sinkende Preise
Und wie geht es nun weiter nach dem Preis- und Umsatzeinbruch im zweiten Halbjahr 2022? Gutachter-Ausschuss-Vorsitzender Martin Homes glaubt nicht, dass die Trendwende von Dauer sein wird und die Preise dauerhaft weiter sinken werden. Denn das Angebot an Immobilien sei weiter eher gering in Ostfriesland. Und die Nachfrage habe sich wohl nur in die Zukunft verschoben.