Debatte um mögliche Faeser-Nachfolge Saathoff hält drei niedersächsische Minister für „unwahrscheinlich“
Der 55-jährige Pewsumer galt schon als heißer Kandidat für die Nachfolge des niedersächsischen Innenministers Pistorius. Doch auf Bundesebene stehen die Chancen vor allem aus zwei Gründen schlechter.
Pewsum/Berlin - In der Debatte um einen möglichen Nachfolger von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) unterstützt Johann Saathoff die ausgeglichene Besetzung des Bundeskabinetts durch Frauen und Männer. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium hält es außerdem für „sehr unwahrscheinlich“, dass künftig drei Männer aus Niedersachsen dem Kabinett angehören könnten. Das teilte der Bundestagsabgeordnete für Aurich-Emden auf ON-Anfrage mit.
Aus der Aussage wird erkennbar, dass die Chancen für Saathoff, möglicher Nachfolger von Faeser zu werden, wohl eher gering einzuschätzen sind. Am Donnerstag hatte Faeser erklärt, als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Hessen am 8. Oktober anzutreten. Sollte Faeser gewählt werden, würde der Posten der Bundesinnenministerin frei. Verschiedene Oppositionspolitiker hatten sogar gefordert, dass Faeser bereits jetzt ihren Ministerinnenposten abgibt, da die Kandidatur nicht mit dem Landtagswahlkampf vereinbar sei. Doch Faeser verweist auf andere Minister, die ebenfalls im Amt Landtagswahlkämpfe gemacht hatten.
Saathoff: „Keine Notwendigkeit für Spekulationen“
Auch Johann Saathoff meint: „Es gibt derzeit aus meiner Sicht keine Notwendigkeit, über etwaige Neubesetzungen zu spekulieren.“
Der gebürtige Emder und frühere Krummhörner Bürgermeister gibt seiner „Chefin“ auf ON-Anfrage, wenig überraschend, vollen Rückhalt: „Nancy Faeser ist eine hervorragende Innenministerin. Sie ist darüber hinaus eine der erfahrensten Innenpolitikerinnen aus ihrer Zeit im Hessischen Landtag. Ich arbeite sehr gerne mit ihr zusammen und freue mich über die vielen wichtigen innenpolitischen Akzente, die wir im vergangenen Jahr setzen konnten.“
Pewsumer unterstützt paritätische Kabinettsbesetzung
Er unterstütze außerdem die Vorgabe von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), das Bundeskabinett „paritätisch“, also gleichmäßig mit Frauen und Männern zu besetzen. Nachdem aber Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) durch Boris Pistorius (SPD) ersetzt worden war, gibt es bei den SPD-Ministerposten ein Ungleichgewicht gegenüber den Frauen. Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass eine Frau Nachfolger von Nancy Faeser würde.
Zudem sitzt mit dem Osnabrücker Pistorius neben Hubertus Heil (Peine) nun ein zweiter Niedersachse im Bundeskabinett. Auch das schmälert die Chancen von Johann Saathoff, der Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen im Bundestag ist. Laut ARD-„Tagesschau“ gibt es außerdem die Tradition, dass der oder die Chefin Volljurist(in) ist.
Als Landes-Innenminister war er heißer Kandidat
In Niedersachsen war Saathoff Mitte Januar als möglicher Nachfolger von Innenminister Pistorius gehandelt worden – und galt aus heißer Kandidat. Am Ende übernahm die bisherige Landes-Gesundheitsministerin Daniela Behrens das Innenministerium.
Johann Saathoff wurde am 8. Dezember 2021 zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium ernannt. Der 55-Jährige war zuvor Russland-Beauftragter der Bundesregierung gewesen. Er gehört dem erweiterten Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an und war zeitweise stellvertretender wirtschaftspolitischer Sprecher sowie energiepolitischer Koordinator seiner Fraktion sowie Vorsitzender der SPD-„Küstengang“. Er ist außerdem Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Aurich und Mitglied im Auricher Kreistag.