Ems-Jade-Kanal Komplettrodung der Böschung
Auf mehreren Hundert Metern hat der NLWKN am Ems-Jade-Kanal für Kahlschlag gesorgt. Bei den Anwohnern sorgt das für Empörung.
Aurich - Mit schwerem Gerät an Land und im Wasser wird derzeit am Ems-Jade-Kanal in Höhe des Treidelweges gearbeitet. Mehrere Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sind seit Montag damit beschäftigt, die Böschung des Kanals zu roden. Denn die Uferbefestigung soll erneuert werden. Weder Büsche oder Sträucher noch Bäume blieben an dem schmalen Weg stehen. Sehr zum Entsetzen vieler Anwohner.
Diese waren zwar mit einem Schreiben des Landesbetriebs vorgewarnt worden. Vom Ausmaß der Abholzung waren sie aber überrascht. „Es ist eine andere Straße“, sagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Ebenso wie einige Nachbarn hat sie die Kanalböschung entlang ihres Hauses gepflegt und dort Pflanzen gesetzt. Darauf wurde in dem Schreiben des NLWKN Rücksicht genommen: Eigene Pflanzen sollten rechtzeitig entfernt werden.
Uferbefestigung muss erneuert werden
Immer wieder halten Radfahrer an, bleiben Fußgänger stehen. Sie schauen zu, wie Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Kettensäge Sträucher, Büsche und Bäume an der Kanalböschung entlang des Treidelweges entfernen. Trotz des Anschreibens des Landesbetriebes an die Anlieger herrscht Ratlosigkeit unter den Passanten, aber auch unter den Bewohnern der anliegenden Häuser. Denn das Bild der Straße sowie des Kanals hat sich komplett geändert.
Eine Erklärung für den radikalen Rückschnitt gibt es von Fabian Buß, Pressesprecher des NLWKN in Norden. Entlang des Treidelweges müsse die Uferbefestigung erneuert werden. Um die Arbeiten durchführen zu können, müsse die Böschung freigeräumt werden. „Ein Rückschnitt der Gehölze dient auch der Verjüngung der Pflanzen.“ Die Arbeiten entlang des Treidelweges seien mit dem Landkreis Aurich und der Stadt Aurich abgestimmt.
Rückschnitt erfolgt entlang des Fuß- und Radweges
Es ist nicht der einzige Abschnitt, der in den kommenden Wochen durchforstet wird. Laut Fabian Buß finden die Arbeiten entlang des Ems-Jade-Kanals im Bereich zwischen Popens (von der Middelburger Brücke) bis nach Wiesens statt – hauptsächlich auf der Seite des Fahrrad- und Fußgängerweges. Die Arbeiten dienten hauptsächlich der Verkehrssicherheit. Es werde Gehölz und Totholz zurückgeschnitten. Außerdem würden vereinzelt umsturzgefährdete sowie kranke Bäume entnommen, um eine sichere Nutzung der Verkehrswege sicherzustellen. Eine jährliche Baumkontrolle stelle den aktuellen Zustand der Bäume in Bezug auf die Verkehrssicherheit fest.
Fünf Tage vor Beginn der Maßnahmen erhielten die Anwohner des Treidelweges einen Brief des NLWKN. Darin wurde die Räumung der Böschung angekündigt. „Bootssteganlagen beziehungsweise sonstiges Eigentum im Bereich der Kanalstrecke bitte ich zeitnah zurückzunehmen“, hieß es darin. Genehmigte Anlagen könnten nach Beendigung der Maßnahme wieder aufgestellt werden.
Keine Einigung bei Schleusengebühren
Laut einem Mitarbeiter des NLWKN vor Ort gehören zum „sonstigen Eigentum“ auch Bäume und Sträucher, die von den Anliegern gepflanzt worden sind. Diese hätten ihre Pflanzen auf fremdem Grund und Boden gepflanzt, daher dürfte der NLWKN die Sträucher nun auch entfernen. Für Empörung sorgt das bei einer Anwohnerin. Jahrelang habe sie den Uferbereich mit gepflegt. „Nun werde ich da bestimmt nichts mehr machen.“
Schon im vorigen Jahr stand der NLWKN wegen seines Vorgehens am Ems-Jade-Kanal in der Kritik. Damals ging es um die Gebühren für die Schleusungen zwischen Emden und Wilhelmshaven. Eine saftige Gebührenerhöhung hatte der Landesbetrieb den Bootjefahrern am Ems-Jade-Kanal beschert. Statt wie bisher pauschal 70 Euro jährlich pro Wassersportverein waren plötzlich 500 Euro jährlich pro Boot für die Nutzung der Schleusen im Gespräch. Die 40 Euro sollten aber nur gelten, wenn mindestens 500 Boote mitmachen würden. Auf dem Ems-Jade-Kanal gibt es aber nur insgesamt 90 Boote.
Im Mai wurde eine Pilotphase für den neuen „Boots-Pass EJK/NGFK“ angekündigt. Der Pass erlaubt für eine Jahresgebühr von 70 Euro je Boot jedem im Rahmen der Betriebszeiten ein ganzjähriges Befahren des Ems-Jade-Kanals und des Nordgeorgsfehnkanals. Mitglieder der auf der ostfriesischen Halbinsel ansässigen Motorboot- und Seglervereine sollen eine ermäßigte Gebühr in Höhe von 40 Euro zahlen. Was aus der Pilotphase geworden ist, steht noch nicht fest. „Zum jetzigen Zeitpunkt können dazu noch keine Aussagen seitens des NLWKN getroffen werden“, sagt Fabian Buß auf ON-Nachfrage.