Großkrankenhaus in Südbrookmerland Baustart für Zentralklinik-Gebäude erst 2024
Eigentlich sollte der Förderbescheid des Landes schon vorliegen, die endgültige Gremienentscheidung getroffen sein. Doch der Zeitplan verzögert sich. Hinter den Kulissen laufen intensive Gespräche.
Aurich - Eigentlich sollte der Baustart in diesem Jahr erfolgen. Doch die Baumaßnahmen für das Gebäude der geplanten Zentralklinik werden nun wohl erst Anfang 2024 starten. Das teilte die Klinik-Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden auf ON-Anfrage mit – und bestätigte damit einen Bericht der Ostfriesen-Zeitung. Der aktuelle Zeitplan sehe aber vor, dass im August/September dieses Jahres bereits mit bauvorbereitenden Maßnahmen wie der Gewässerumlegung für den Vorfluter und Ausgleichsmaßnahmen begonnen wird.
Unterdessen liegt ein offizieller Förderbescheid des Landes Niedersachsen für das 814-Betten-Großkrankenhaus noch immer nicht vor. „Intensive Gespräche mit dem Land über den genauen Zeitpunkt eines Förderbescheids und die Bereitstellung von Fördergeldern werden geführt“, teilte die Trägergesellschaft dazu mit.
Landtagsabgeordneter: Frage der Bereitstellung des Geldes wird diskutiert
Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels sagte auf ON-Anfrage, die Haushaltsexperten der rot-grünen Landesregierung berieten derzeit noch darüber, wie und wo das Geld technisch zur Verfügung gestellt wird, etwa über einen möglichen Nachtragshaushalt.
Wie berichtet hat der niedersächsische Krankenhausplanungsausschuss im Juni 2022 empfohlen, das Projekt mit 460 Millionen Euro zu fördern. Die SPD/CDU-Landesregierung stellte sich damit erneut klar hinter die umstrittene Zentralklinik. Im Planungsausschuss im November sei das nochmals bekräftigt worden, so die Trägergesellschaft.
Bewilligung von Bundesamt fehlt noch
Zur Erinnerung: Das Landes-Sozial- und Gesundheitsministerium hatte Ende September mitgeteilt, der Förderbescheid könne erst nach Bewilligung durch das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) erteilt werden. Damit sei 2023 zu rechnen. Beim BAS in Bonn ist aber weiterhin kein Antrag für die Zentralklinik gestellt worden, teilte eine Sprecherin nun den ON mit.
Auch die angekündigte finale Entscheidung des Auricher Kreistages und des Emder Stadtrates über den Bau steht weiterhin aus. Unverändert bleibt laut Trägergesellschaft die Baukostenschätzung. Eine Steigerung, sogenannte Indexierungskosten, würden „selbstverständlich beobachtet“.
Kosten von bis zu 772 Millionen Euro
Laut dem Förderantrag von Februar 2022 liegen die Baukosten bei 567 Millionen Euro. Würde es bei dieser Summe bleiben, entsprächen die 460 Millionen Euro einer stattlichen 81-Prozent-Förderung.
Doch dazu kommen laut Trägergesellschaft auf jeden Fall mindestens 19 Millionen Euro für Grundstück und Ausgleichsflächen. Und in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung wird von einer möglichen Kostensteigerung auf bis zu 720 Millionen ausgegangen. Dazu kommen noch 52 Millionen Euro für Infrastruktur (Kläranlage, Rettungswache, Straßenbrücke, Busbahnhof, Diagnostikum) – insgesamt wären das dann 772 Millionen Euro. Alle diese Berechnungen wurden jedoch vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gemacht. Nicht zuletzt deshalb gehen Kritiker der Zentralklinik, etwa der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos), davon aus, dass die Baukosten am Ende sehr viel höher liegen werden – jenseits von einer Milliarde Euro.
Einen Namen hat die Klinik noch nicht
Übrigens, einen Namen hat die neue Klinik noch nicht: Ein Namenswettbewerb soll gestartet werden, sobald alle formalen Hürden genommen wurden, teilt die Trägergesellschaft mit.