Schimmel in Mehrparteienhäusern Mieter-Gutachten bescheinigt feuchte Wände in der Wiesenstraße
Das Gutachten, das im November entstand, ist eindeutig: Bauliche Mängel verursachen Tauwasserausfall. Haus-Eigentümerin LEG reagiert nun auf die Vorwürfe. Doch es gibt noch andere.
Sandhorst - Herbert Fath aus der Wiesenstraße gibt sich kämpferisch: Zweimal war im Herbst ein Bausachverständiger in seiner Wohnung, um die Ursache der Schimmelbildung zu ergründen. Wie berichtet, klagen Fath und einige seiner Nachbarn über feuchte Wände in dem Mehrparteienhaus aus den 1960er-Jahren und entsprechende Schimmelbildung an den Wänden – vor allem im Bereich von Außenwänden, Türen und Fenstern.
Der Gutachter hat im Oktober im Bereich der Terrassentür einen hohen Feuchtigkeitsgehalt vorgefunden. Das Messgerät zeigte dort 125,9 Digits an. „Das deutet auf einen hohen Feuchtegehalt im Mauerwerk hin“, heißt es im Sachverständigenbericht.
Im November folgte eine Messung an der Schlafzimmerwand, vor allem dort, wo diese eine Außenwand ist. Herbert Fath hatte durch Entfernen der Tapete eine große Fläche mit schwarzen Schimmelspuren freigelegt. Das Messgerät zeigte dort 200 Digits an. „Der Gutachter sagte, das bedeutet nicht feucht, sondern nass“, sagt Herbert Fath: „Er hat eindeutig schwere bauliche Mängel festgestellt.“
Fath: „Wir wohnen jetzt mehr als ein Jahr in der Nässe“
Mit diesen Gutachten im Rücken hat der Anwalt des Ehepaares Fath Anfang Dezember den Vermieter, die LEG-Immobiliengruppe, aufgefordert, bis Weihnachten die Schäden zu beheben. Doch bislang hat die LEG laut Herbert Fath nicht reagiert. Er und seine Frau Christel prüfen nun zusammen mit dem Juristen rechtliche Schritte. Denn sie wollen am liebsten nicht nur eine Sanierung der Wohnung durchsetzen, sondern wollen auch prüfen lassen, ob ihnen wegen der unzureichenden Wohnung Schadensersatz zusteht. „Wir wohnen jetzt mehr als ein Jahr in der Nässe“, schimpft Herbert Fath.
Die Faths sind nicht alleine mit dem Schimmelproblem. Die ON besichtigten im vergangenen Herbst mehrere Wohnungen mit Schimmel. Nach Angaben der Faths haben mindestens zwei dieser Mieter inzwischen gekündigt.
Permanente Bearbeitung erforderlich
Die LEG hat die Wohnungen erst zu Beginn des vergangenen Jahres übernommen. Nach mehrmaligen Beschwerden der Faths schickte das Unternehmen einen Gutachter, der zu dem Schluss kam, dass die Wohnung unsachgemäß gelüftet und beheizt werde. Eine Aussage, die das Ehepaar nach wie vor zutiefst empört.
Ein Energieberater der Verbraucherzentrale stellte dann fest, dass die Rollladenkästen der Wohnung nicht gedämmt sind und einen hohen Wärmeverlust verursachen. Alle paar Tage streicht Herbert Fath nach eigenen Angaben die Bereiche um die Kästen, wo immer wieder Schimmel auftauche. Vier Raumentfeuchter hat das Ehepaar aufgestellt, alleine zwei im Schlafzimmer. „Die muss ich alle paar Tage leeren“, sagt Herbert Fath. Das, was das Ehepaar seit einigen Monaten für Miete einbehalte (wir berichteten) gehe für Material für Farbe und Salz für die Entlüfter schon fast wieder drauf, berichtet Christel Fath. Außerdem habe das Paar sich zwei neue Kleiderschränke kaufen müssen.
Sorge um die Gesundheit
Noch nicht ermessen ließen sich die Folgen für die Gesundheit. Gut ein Jahr lang hätten sie nur wenige Zentimeter entfernt von einer schimmelnden feuchten Wand geschlafen. Schon im Sommer habe sie sich unerklärlich schlecht und angegriffen gefühlt. Die LEG hat nach Angaben der Faths bisher nicht auf die Zusendung des Gutachtens reagiert.
Auf ON-Nachfrage teilte LEG-Sprecher Mischa Lenz aber mit, dass der Konzern mit einem Bestand von insgesamt knapp 150.000 Wohnungen in der Wiesenstraße nun handeln wolle. „Wir als LEG haben einen unabhängigen und unvoreingenommenen TÜV-geprüften Gutachter beauftragt, die Wohnung und das ganze Gebäude in Augenschein zu nehmen und ein Gutachten zu erstellen.“ Die Mieter seien umfassend schriftlich informiert worden, unter anderem darüber, dass sich der Gutachter zwecks Terminvereinbarung mit ihnen in Verbindung setzen werde – und dass der Konzern sich melde, sobald das Gutachten vorliege. „Sobald wir also das Gutachten erhalten haben – das wird wahrscheinlich im Laufe des Januar 2023 geschehen, werden wir uns intern abstimmen, welche Maßnahmen von unserer Seite zu ergreifen sind und diese in Auftrag geben. Unsere Mieter werden wir dann selbstverständlich erneut umfassend informieren“, so Lenz.
Ehepaar hat noch keine Kenntnis über die Pläne der LEG
Die Faths reagierten überrascht, als die ON sie nach entsprechenden Schreiben der LEG fragten. Weder sei ihnen auf ihre Zusendung ihres Gutachtens geantwortet worden noch ein allgemeines Schreiben an alle Mieter zu dem Thema zugegangen. Das Ehepaar ärgert sich derzeit stattdessen über noch etwas: Die Kosten für die Wohnung sollen nun deutlich steigen. Dieses Schreiben der LEG habe sie erreicht. Auch dieser Brief wird vom Anwalt geprüft.
Wie schon berichtet, hat die LEG vom Vor-Vermieter Adler Group die Mietverträge übernommen. Darin steht eine Indexklausel, die Miete entwickelt sich alljährlich mit der Inflation. Da diese im vergangenen Jahr in die Höhe schoss, ist nun auch die Mieterhöhung üppig und liegt laut Herbert Fath bei 12 Prozent.
Ärger über undifferenzierte Anhebung der Nebenkosten
Hinzu sei die Nebenkostenabrechnung gekommen. Auch dort gebe es eine saftige Erhöhung, sagten die beiden Sandhorster. Zum einen sollten sie mehr als 300 Euro für ihre ersten fünf Monate in der Wohnung im Herbst 2021 nachzahlen – ohne dass klar sei, wofür. Zudem seien mit dem Hinweis auf allgemein gestiegene Kosten nun die Nebenkosten um 91 Euro pro Monat auf 196 Euro erhöht worden. Dabei seien Strom und Heizung da noch gar nicht drin, so Herbert Fath. Auch da kämen noch Preissteigerungen auf ihn zu.
Stattdessen seien Posten aufgeführt, die in einer Nebenkostenabrechnung nichts zu suchen hätten: Die Kontrolle der Rauchmelder etwa, die in der Wohnung trotz mehrmaliger Nachfrage gar nicht vorhanden seien. Ebenso die Kosten für die Salmonellenüberprüfung des Trinkwassers. Inklusive Strom und Wasser koste die Wohnung künftig mehr als 800 Euro. „Das sehe ich wirklich nicht ein“, sagt Herbert Fath.
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