Mehr Menschen ohne Job Nicht nur der Frost hat Folgen für den Arbeitsmarkt in Ostfriesland
Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt auf 6,3 Prozent. Trotzdem blickt der Chef der hiesigen Arbeitsagentur zuversichtlich in die Zukunft. Es gebe auch gute Nachrichten.
Aurich/Ostfriesland - Frostige Temperaturen hatten im Dezember Folgen für den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Agenturbezirk Emden-Leer um 1306 auf 15.668 Personen gestiegen. Das sind 1306 Menschen beziehungsweise 9,1 Prozent mehr als im November. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um ein halbes Prozent auf 6,3 Prozent. Im Vorjahresvergleich liegen die Arbeitslosenzahlen höher, im Vergleich zum Dezember 2021 ist der Bestand an Arbeitslosen um 1158 bzw. 8 Prozent gestiegen. Trotzdem blickt Roland Dupák, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Emden-Leer, zuversichtlich auf den regionalen Arbeitsmarkt.
Wie schon in den vergangenen Jahren setzte im letzten Monat des Jahres die Winterpause in Ostfriesland ein, heißt es in einer Mitteilung der Agentur für Arbeit. Aufgrund der niedrigen Temperaturen im Dezember sei in den Außenberufen wie dem Baugewerbe und dem Garten- und Landschaftsbau weniger gearbeitet worden. Auch im Hotel- und Gaststättenbereich an den Küstenregionen seien Arbeitskräfte „vorübergehend freigesetzt“ worden.
Rund 1420 Geflüchtete aus der Ukraine bei Jobcentern gemeldet
Auch wenn die Arbeitslosenquote im Vorjahresvergleich insgesamt über dem Vorjahreswert liege, „verzeichnen wir im Bereich der Arbeitslosenversicherung, also dem SGB-III-Bereich, weniger Arbeitslose als noch zum gleichen Zeitpunkt vor Beginn der Pandemie“, sagt Dupák. In diesem Bereich waren im Dezember den Angaben zufolge 5867 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Dezember 2019 waren es noch 7203. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl allerdings deutlich um 18,2 Prozent beziehungsweise 903 Personen. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank sie um 0,2 Prozent oder neun Personen. Insgesamt erhielten 5984 Personen im Dezember 2022 Arbeitslosengeld, 590 mehr als vor einem Jahr.
Im Bereich der steuerfinanzierten Grundsicherung lag die Arbeitslosenzahl laut der Agentur im Dezember 2019 bei 8160 Personen. Im Dezember 2022 waren 9801 Menschen arbeitslos gemeldet. Von ihnen zählen 4974 Personen, also 50,7 Prozent, als Langzeitarbeitslose. Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im SGB-II-Bereich sei teilweise auf den weiteren Zuwachs geflüchteter Ukrainer zurückzuführen. Im letzten Monat des Jahres waren bei den Jobcentern insgesamt 1423 Geflüchtete aus der Ukraine arbeitslos gemeldet.
Unterbeschäftigungsquote stieg auf 8,2 Prozent an
Dem Arbeitgeber-Service wurden im Dezember 571 neue Arbeitsstellen gemeldet, heißt es weiter. Mit 2740 offenen Arbeitsstellen im Agenturbezirk ist der ostfriesische Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig, schreibt die Agentur. Ein Beleg für den dynamischen Arbeitsmarkt liefere die Reduzierung der Langzeitarbeitslosen um 1,6 Prozent im Rechtskreis des SGB III. Die Personalnachfrage sei weiter hoch. Die meisten Arbeitskräfte werden demnach in fertigungstechnischen Berufen, Verkehrs- und Logistikberufen, im Baugewerbe und im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht. Auch im Handel und im Gastgewerbe bestehe weiterhin Personalbedarf.
Deutlich gestiegen ist die Zahl der sogenannten Unterbeschäftigung. Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit hierzu Angaben. Zusätzlich zu den Arbeitslosen zählen zur Unterbeschäftigung Personen, die offiziell nicht als arbeitslos gelten, die aber im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung lag nach vorläufigen Angaben im Dezember 2022 bei 20.814 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote betrug im Dezember 8,2 Prozent. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 7,4 Prozent.