„Bilanz“ kritisiert Pläne für B 210 n durch Ihlow Verein sieht Brutgebiet durch Autobahnzubringer in Gefahr
Für die Zentralklinik in Uthwerdum sollen große Ausgleichsflächen für Kiebitze geschaffen werden. Das sei bei dem viel größeren Autobahnzubringer nicht machbar, kritisieren die Auricher Naturschützer.
Aurich - Anlässlich der Berichte über Ausgleichsflächen für die geplante Zentralklinik in Uthwerdum (Südbrookmerland) hat sich jetzt der Auricher Verein „Bilanz“, der sich gegen den Bau der B 210 n einsetzt, zu Wort gemeldet. Wie berichtet, sollen für den Klinikbau 50 Hektar Ausgleichsflächen für 18 Kiebitzpaare geschaffen werden – zu Kosten von rund einer Million Euro.
„Der geplante Autobahnzubringer B 210 n würde einen mindestens zehn Mal so großen Eingriff für Wiesenvögel bedeuten“, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung. Die Trasse würde auf sechs Kilometern bis zur Autobahn 31 die Blitzniederung in Ihlow komplett durchschneiden. Das etwa 1000 Hektar große Gebiet gehöre zu den bedeutendsten Wiesenvogelbrutgebieten in Deutschland. Mit fast 300 Brutpaaren Kiebitzen, über 50 Paaren Uferschnepfen, mehr als einem Dutzend Großen Brachvögeln sowie Rotschenkeln, Austernfischern, Bekassinen, Feldlerchen, Wiesenpiepern, Wachteln, Löffelenten und Blaukehlchen sei das Gebiet von nationaler Bedeutung, so die „Bilanz“.
Böttcher: „Brut- und Rastgebiet wird völlig entwertet“
Außerdem gehöre die Fläche zu den letzten Brutgebieten des Rebhuhns in Ostfriesland. Während der Zugzeit rasten hier laut „Bilanz“ international bedeutsame Schwärme von Gastvögeln wie Regenbrachvogel, Kiebitz, Goldregenpfeifer, Bleßgans, Pfeifente und anderen.
„Der Autobahnzubringer würde mindestens eine Fläche von 250 Hektar für die Vogelwelt zerstören und damit das gesamte Brut- und Rastgebiet im Grunde genommen völlig entwerten. Dieser Eingriff wäre gar nicht kompensierbar“, schreibt der neue „Bilanz“-Vorsitzende Joachim Böttcher. „Gerade die vom Aussterben bedrohten Wiesenvögel nehmen überall in bedrohlicher Weise ab. Wie und wo soll ein derartiger Eingriff ausgeglichen werden?“, fragt Böttcher.
Ausgleichs-Kosten im zweistelligen Millionenbereich
Die Kosten lägen im höheren zweistelligen Millionenbereich, von den langfristigen Folgekosten abgesehen. Der Verein weist darauf hin, dass es derzeit keine Beispiele von langfristig erfolgreichen Kompensationsgebieten für Wiesenvögel dieser Größenordnung gebe.
Außerdem stelle sich die Frage, wo ein solch gravierender Eingriff ausgeglichen werden könne. „Der Landwirtschaft entsteht durch den Bau der B 210 n samt Nebenanlagen ja schon ein gewaltiger Flächenverlust durch Überbauung und Versiegelung. Außerdem braucht man Ausgleichsgebiete, die grundsätzlich für Wiesenvögel geeignet sind“, gibt Böttcher zu bedenken.
„Wir haben hier eine herausragende Verantwortung“
Die aktuellen Diskussionen zu Wiesenvogelschutzmaßnahmen am Großen Meer zeigten, dass die Akzeptanz und Umsetzbarkeit für neue großräumige Brutgebiete nicht gegeben sei. „Wenn wir den internationalen Artenschutz Ernst nehmen, müssen wir vor Ort anfangen. Vom Aussterben bedrohte Arten wie Uferschnepfe und Großer Brachvogel brüten deutschlandweit fast nur noch im Nordwesten. Wir haben hier daher eine herausragende Verantwortung diesen Arten gegenüber. Verluste dieser Größenordnungen sind nicht verantwortbar, schon weil sie nicht kompensierbar sind. Stattdessen müssen mit der Landwirtschaft nachhaltige Wege für erfolgreichen Wiesenvogelschutz gefunden werden“, meint Böttcher.