Nach Medikamenten-Aufruf für Kinder Ihlower Hausärztin verteidigt Sammelaktion in „Offenem Brief“
Nach einem Aufruf bei Whatsapp gab es Kritik von Apothekern aus dem Landkreis Aurich. Nun meldet sich die Allgemeinmedizinerin aus Westerende-Kirchloog noch einmal selbst zu Wort.
Ihlow - Nach der Kritik an ihrer Medikamenten-Sammel-Aktion für Kinder meldet sich Hausärztin Franziska Fenderl aus Westerende-Kirchloog (Gemeinde Ihlow) noch einmal mit einem „Offenen Brief“ – gerichtet vor allem an die Apotheker.
Der Vorsitzende des Landesapothekerverbandes, Berend Groeneveld (Rats-Apotheke Norden), und der Auricher Apotheker Lars Bakker (Hof-Apotheke, Burg-Apotheke) hatten den Whatsapp-Aufruf von Fenderl kritisch bewertet. Groeneveld nannte die Aktion auf ON-Anfrage sogar „hochgradig gefährlich“ und rechtlich problematisch. Fenderl bekam Unterstützung vom Vorstand des Auricher Hausärzteverbandes, möchte aber in dem Brief noch einmal ihre Position verdeutlichen.
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„Das Wichtigste sind Solidarität und Mitgefühl“
„Das Wichtigste für mich in Zeiten von Krisen sind Solidarität und Mitgefühl. Als Hausärztin arbeite ich an der Basis. Ich habe Mitgefühl mit Eltern und hochfiebernden Kindern, die weder in Versandapotheken noch in hiesigen Apotheken fiebersenkende Mittel bekommen haben. Für jeden Antibiotikasaft telefonieren wir bereits die umliegenden Apotheken ab. Oft wird nicht das medizinisch Sinnvollste, sondern das gerade noch verfügbare Medikament verordnet“, schreibt Fenderl.
Als eine Möglichkeit gebe es derzeit eine „Rückbesinnung an Zeiten ohne Ibuprofen und Paracetamol“. „Wadenwickel gegen Fieber, Kartoffelwickel gegen Husten können helfen“, so Fenderl. Dann sei aus umliegenden Apotheken zuletzt ein Aufruf gekommen, auf „Reservemittel“ zur Fiebersenkung zurückzugreifen, etwa Metamizol (unter dem Handelsnamen Novaminsulfon). Dieses sei jedoch „nicht unbedenklich“ und in vielen Ländern deshalb vom Markt genommen, so Fenderl.
Fenderl: „Kleine Kinder bleiben unberücksichtigt“
Von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft seien Ratschläge zu teilbaren Tabletten und kontrollierter Abgabe von Fiebersaft nur auf Rezept gekommen. Fenderl sagt: „Unberücksichtigt bleiben hier die kleinsten Kinder. Gerade für diese fehlen Zäpfchen und Fiebersäfte. Zuletzt bleibe den Eltern die Fahrt in die benachbarten Niederlande oder die Nutzung niederländischer Versandapotheken, um dort noch verfügbare Medikamente einzukaufen.
„Eine Liste von Apotheken im Umland, die selbst Säfte und Fieberzäpfchen herstellen, fehlt bislang“, beklagt Fenderl. Trotz der möglichen Lösungsansätze bleibe das Versorgungsproblem. Sie stelle sich die Frage, was sie als Hausärztin den Eltern eines Babys mit hohem Fieber sagen solle. Sie könne ihnen ein Rezept geben mit den Worten: „Lieferbar wird es eh nicht sein.“
„Alle sollten zusammenarbeiten“
Doch Fenderl fragt: „Ist es nicht hilfreicher, solidarisch zu handeln? Haben wir das bisher nicht auch mit weltweiten Krisengebieten ohne Bedenkenaufrufe der Apotheker getan? Reichlich Medikamente aus privaten Haushalten wurden verschickt.“
Die Hausärztin betont: „Es ist nicht die Zeit, sich zu beschuldigen oder zu degradieren. Es ist eine Zeit, in der alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens maximal zusammenarbeiten müssen, auch unkonventionell. Im Interesse unserer Patienten, vor allem der Kleinsten.“