Einzelhandel in Aurich  Leises Aufatmen in der Osterstraße

| | 26.12.2022 08:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So sieht das neue Pflaster in der Osterstraße aus. Die Feinarbeiten werden allerdings erst im nächsten Jahr gemacht. Foto: Karin Böhmer
So sieht das neue Pflaster in der Osterstraße aus. Die Feinarbeiten werden allerdings erst im nächsten Jahr gemacht. Foto: Karin Böhmer
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Den Einzelhändlern steckt die Neupflasterung noch in den Knochen. Auch das Weihnachtsgeschäft war noch beeinträchtigt. Die Meinung über das neue Pflaster ist immerhin ziemlich einheitlich.

Aurich - Vor Weihnachten machen viele Händler den wichtigsten Umsatz des Jahres. Deshalb war es der Stadtverwaltung wichtig, das neue Pflaster in der Osterstraße möglichst vor der Eröffnung des Weihnachtszaubers fertigzustellen. An einer Stelle vor Abegg ist sogar schon einer der Klinkerstreifen fertig, auf denen im nächsten Jahr in der Straße verteilt Bänke, Mülleimer, Grün und Fahrradständer aufgestellt werden. Bislang ist das Betonpflaster mit der Maschine verlegt werden, damit die Passanten schnell wieder auf ganzer Breite laufen können.

Wie ist die Bilanz der Kaufleute nach den ersten Wochen ohne mindestens halbseitige Baustelle und Roter-Teppich-Zickzack? Alle Befragten sprachen von sehr harten Jahren, in denen zu den Coronabeschränkungen und der zuletzt sinkenden Kaufkraft noch große Einschnitte durch die Baustelle hinzugekommen seien. Ihre Hoffnung ruht nun auf der Zeit, wenn die Straße fertig gepflastert und möbliert ist.

Nicht überall mehr Kunden

Laut Gertrud Meyer von der Traditionsbäckereifiliale sei es seit der Freigabe des neuen Pflasters, als sei ein Schalter umgelegt worden. Die Zahl der Kunden habe wieder erkennbar zugenommen. „Höher als vor der Baustelle ist sie durch das neue Pflaster bisher aber auch nicht geworden.“ Ihr selbst gefalle das Pflaster gut. Und auch die Kunden hätten sich positiv geäußert - verbunden aber oft mit der Frage, ob das nun alles gewesen sei.

Zur Eröffnung der Osterstraße gab es am Sonnabend vor dem ersten April ein Familienprogramm, unter anderem mit den Puppenspielern Axel und Lorenz Bahro von Puppets in Minutes Foto: Karin Böhmer
Zur Eröffnung der Osterstraße gab es am Sonnabend vor dem ersten April ein Familienprogramm, unter anderem mit den Puppenspielern Axel und Lorenz Bahro von Puppets in Minutes Foto: Karin Böhmer

Heiner Seroka von „Die Alternative“ spürt bisher noch keine Verbesserung. Das Weihnachtsgeschäft 2020 und 2021 sei wegen Corona schon spürbar schlechter gewesen als zuvor. Nun komme noch die Teuerung hinzu. Dass die Straße nun offen und neu gestaltet sei, habe sich auf seinen Laden bisher nicht ausgewirkt. Er hoffe darauf, dass sich die Attraktivität der Osterstraße nach Abschluss der Arbeiten gut entwickeln wird.

Unverständnis für die vielen Baustellen-Baken

Das hofft auch Ires Dambrowski, die den Modeladen Ires Inspiration führt. Die Stadt müsse dringend etwas für die Osterstraße tun. Sie selbst versuche schon mit einer Lichterkette und einer Musikbox vor der Tür, sichtbar und hörbar zu machen, dass es Geschäfte in der Osterstraße gibt. Doch dabei müsse sie natürlich auch auf die Nachbarn Rücksicht nehmen.

So sah das Ende der Osterstraße am ersten Adventswochenende aus. Foto: Karin Böhmer
So sah das Ende der Osterstraße am ersten Adventswochenende aus. Foto: Karin Böhmer

Dass immer noch so viele Warnbaken in der Straße stehen und an der Einmündung in die Große Mühlenwallstraße sogar ein Riegel die Zufahrt beschränkt, könne sie nicht nachvollziehen. „Das sieht doch aus, als sei hier immer noch Baustelle“, so die Modehändlerin.

Sie und ihre Tochter Kassandra hoffen darauf, dass die Aufenthaltsbereiche künftig Neugierige anlocken. Dambrowksi hat eine kleine Sitzbank vor ihren Laden gestellt, eigentlich für Pausen. Aber es fragten oft Passanten, ob sie sich dort kurz setzen dürften. „Da sieht man, wie wichtig Bänke sind. Und Grün. Wir alle brauchen die Natur“, so die Einzelhändlerin. Sie hoffe, dass die Spielgeräte bald wieder aufgebaut werden. Sie selbst finde das Pflaster schön, habe aber schon gehört, dass es recht empfindlich sei. Und sie habe auch schon von einigen Kunden negative Rückmeldungen bekommen.

Rüttelarbeiten noch deutlich in die Weihnachtszeit hinein

Almuth Maaß ist mit den letzten Tagen des Weihnachtsgeschäfts zufrieden. Da ihre Drogerie ziemlich am Ende der Straße liegt, waren dort aber recht lange Bauarbeiten vor der Tür. Zuletzt, als der Belag gerüttelt und eingeschlämmt wurde. Dabei seien ihr sogar einige Teile im Schaufenster umgefallen. Kunden waren in der Zeit Mangelware.

Es sei zuletzt mehr los gewesen als zu Baustellenzeiten. Dennoch fehle durch die lange Bauzeit ein deutlicher Teil des Weihnachtsgeschäfts. Immerhin: In der ansonsten derzeit unbeleuchteten Straße sei zuletzt auch vor ihrer Tür noch eine Lichterkette aufgehängt worden.

Aufsteller fehlten, Laufkundschaft fehlte – ist jetzt aber wieder da

Alexandra Schneemilch von Abegg stellte einen sehr deutlichen Unterschied zwischen der Baustellen- und Nach-Baustellenzeit fest. Hinter dem Einzelhandel in der Osterstraße lägen wegen Corona und der Arbeiten zwei schmerzliche und katastrophale Jahre. „Wir stellen jeden Tag 20 Aufsteller raus, um auf uns hinzuweisen. Da kann man sich ja vorstellen, was passiert, wenn die wegen der Baustelle keinen Platz haben“, so die Inhaberin des Schreibwarenladens. Noch schwieriger als im Schreibwarenladen sei es jedoch bei Abag gewesen, weil dort der Rote Teppich und damit der Durchgang auf die andere Seite verschwenkt gewesen sei. Und auch der Krach der Baustelle sei nicht zu unterschätzen gewesen, so Schneemilch.

Am ersten Adventswochenende ging es noch um die Anpflasterung an die Häuser. Foto: Karin Böhmer
Am ersten Adventswochenende ging es noch um die Anpflasterung an die Häuser. Foto: Karin Böhmer

Deswegen sei sie sehr froh, dass die Adventszeit nun wieder ungestört war. Der Weihnachtsmarkt sei in diesem Jahr von auffallend vielen Kunden gelobt worden. „Wir sind umsatzmäßig nicht auf das Vor-Corona-Jahr zurückgekommen, aber da wirken ja auch noch andere Faktoren mit“, so Schneemilch. Bald werde das Taschengeschäft Abag um ein Reisetaschensortiment im Obergeschoss erweitert. Sie wäre sehr froh, wenn dann die Osterstraße voll möbliert in neuem Glanz erstrahlt. Und sie verstehe gut, dass den Händlern in der Burgstraße vor dem nächsten Sommer grause.

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