Ärger um Flüchtlingsunterkünfte Rückzug aus dem Rechtsstreit
Im April hatte die NDR-Sendung Panorama 3 schwere Vorwürfe gegen einen Leezdorfer Unternehmer erhoben. Dieser schaltete einen Staranwalt ein. Doch nun setzt er andere Prioritäten.
Leezdorf/Norden - Zunächst hatte der Leezdorfer Immobilienunternehmer Wilke Saathoff große Geschütze aufgefahren: Nach einem Bericht der NDR-Sendung „Panorama 3“ von April hatte er den bekannten Presse- und Medienrechtler Prof. Dr. Matthias Prinz eingeschaltet, um gegen die Behauptungen und die weitere Ausstrahlung der Sendung vorzugehen. Doch davon hat Saathoff nun Abstand genommen. Aus „prozessökonomischen Gründen“ verzichte er auf einen Rechtsstreit, weil die Kosten in keinem Verhältnis zum Ergebnis stünden, sagte Saathoff auf ON-Nachfrage.
Vorwürfe zu Zuständen in Flüchtlingswohnungen
Panorama 3 hatte im April berichtet, dass Saathoff nach Einschätzung der Sendung unzureichend ausgestattete Wohnungen zu unverhältnismäßig hohen Preisen an Ukraine-Flüchtlinge vermietet habe. Flüchtlingshelfer erzählten den ON damals von zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt neun Wohnungen, in denen 36 Menschen untergebracht worden seien.
Die Geflüchteten waren nicht über Aufnahmestationen nach Ostfriesland gekommen und vom Landkreis Aurich zugewiesen worden, sondern hatten die Wohnungen selbst angemietet. Der für die Flüchtlingsunterbringung zuständige Landkreis hatte nach dem Bericht einige der Wohnungen besichtigt und „kleinere Mängel“ festgestellt, die aber nicht zur Unbewohnbarkeit führten. Gleichwohl bot der Landkreis den Mietern an, umzuziehen.
NDR kam Aufforderung nicht nach
Saathoff und seine Anwälte gingen zunächst gegen die Anschuldigungen in der NDR-Sendung vor. Im Mai teilte die mit dem Fall betraute Prinz-Anwältin Dr. Diana Grün auf ON-Nachfrage mit, dass geprüft werde, ob möglicherweise unwahre Tatsachen behauptet worden seien.
Die NDR-Pressestelle teilte im August auf Nachfrage mit, dass Saathoff verlange, dass der Sender seine Beiträge über ihn nicht weiter veröffentlicht.
Im Mai 2022 habe der Leezdorfer über eine Anwaltskanzlei dem NDR gegenüber eine Unterlassungsaufforderung zu dem entsprechenden Panorama-3-Beitrag sowie dazugehörigen Online-Artikeln zukommen lassen, so NDR-Sprecherin Amelie Schwenke-Rolfs. Diesen Unterlassungsaufforderungen sei der NDR nach juristischer Prüfung nicht nachgekommen.
Seit August habe sich der Sachverhalt nicht weiterentwickelt, wie Schwenke-Rolfs auf Nachfrage bestätigte.