Müllabfuhr  Abfuhr für Rückwärtsfahrten

| | 19.12.2022 20:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Müllfahrzeuge sollen zur Unfallvermeidung nicht mehr rückwärts fahren. Deshalb werden einige Sackgassen nicht mehr angefahren.
Müllfahrzeuge sollen zur Unfallvermeidung nicht mehr rückwärts fahren. Deshalb werden einige Sackgassen nicht mehr angefahren.
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Manche Straßen im Brookmerland werden von Müllfahrzeugen nicht mehr angefahren, weil sie dort nicht wenden können und Rückwärtsfahrten verboten sind. Etliche Haushalte stellt das vor ein Problem.

Brookmerland - Etliche Brookmerlander Haushalte haben in den vergangenen Tagen und Wochen Post vom Landkreis Aurich bekommen. Der Grund: Sie wohnen an einer Straße – meist eine Sackgasse– in der das Müllfahrzeug nicht wenden kann. Und Rückwärtsfahren ist wegen der von der Berufsgenossenschaft beschlossenen Unfallverhütungsvorschrift nicht länger zulässig. Zu hoch ist das Risiko, dass die Fahrer im Rückspiegel in schmalen Straßen Radfahrer oder Fußgänger übersehen.

Das Thema bewegt in der vergangenen Woche auch den Samtgemeinderat. Ratsfrau Ida Bienhoff-Topp (BfB) fragte nach dem Kenntnisstand der Samtgemeindeverwaltung zu dem Thema. Viele seien angespannt, weil ein weiterer Transport der schweren Tonnen zu einer Sammelstelle für sie mit großen Anstrengungen verbunden sei, so die Osteelerin.

Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) bestätigte, dass der Transport der Tonnen zu einer Sammelstelle an einigen Stellen nicht zu vermeiden sei. „Manchmal schaffen wir es, Wendemöglichkeiten hinzukriegen, und das können auch private Auffahrten sein, die breit genug sind, ein solches Fahrzeug aufzunehmen, oder von uns neu geschotterte Flächen“, so Ihmels: „Aber in allen Bereichen wird das nicht gehen.“ Den Fahrern sei das Risiko, einen schweren Unfall zu verursachen, nicht zuzumuten. „Wir versuchen, so gut es geht vernünftige Lösungen mit dem Landkreis zu finden.“

Tonnen blockieren oft Gehwege

Ihmels sprach noch ein weiteres mögliches Problem an, das durch die neue Regelung entsteht. Denn überall dort, wo mehrere Haushalte an Sackgassen nicht mehr direkt angefahren werden, stehen plötzlich viele neue Tonnen an den Einmündungen dieser Straßen. Das blockiere möglicherweise den Gehweg, der an Leerungstagen ohnehin schon manchmal von Tonnen blockiert werde. Aus seiner Sicht sei es deshalb sinnvoll, wenn die Anwohner der Straßen, wo die Müllfahrzeuge fahren, ihre Tonnen am Rande ihres eigenen Grundstücks aufstellen – statt auf dem Gehweg.

Laut Bauamtsleiter Jochen Behrends wurde in den vergangenen zehn Jahren bei den Baugebieten schon darauf geachtet, dass hinreichend große Wendeflächen für die Müllfahrzeuge eingeplant werden. Und wenn Lücken mit einigen wenigen Häusern geschlossen würden, werde ein Sammelplatz für die Tonnen angelegt.

Dort, wo Sackgassen historisch gewachsen seien, wie beispielsweise in Osteel am Alten Postweg, fehle der Wendekopf jedoch manchmal, so Behrends. Und er sei dort oft auch nicht zu schaffen, weil der Platz fehle.

Immobilienunternehmer Wilke Saathoff, dem im Brookmerland mehrere Mietwohnungen gehören, berichtete von etlichen Anrufen besorgter Mieter in seiner Firma. Gerade ältere Mieter sorgten sich, dass sie die langen Strecken nicht schaffen. Rechtlich lasse sich gegen die Auflage des Landkreises nichts ausrichten. Allerdings hätte man aus seiner Sicht die Änderung früher kommunizieren können, so Saathoff. Nun erfolge die Umstellung von jetzt auf gleich.

Im Brookmerland 35 Straßen näher betrachtet

Ein älterer Anwohner der Gödecke-Michel-Straße reagierte sofort auf die Aufforderung des Landkreises. Er holte seine Biotonne am vergangenen Donnerstag gleich nach der Leerung wieder vom Hingstlandsweg zurück. Der Fußweg von knapp 100 Metern sei zu schaffen – wobei einige Tonnen natürlich schon schwer seien. Den Anwohner stört eher, dass er die Tonne nun nicht mehr rausbringen kann, wenn er die Müllwagen langsam in die kleine Straße fahren sieht, sondern dass er schon morgens ziehen muss und später am Tag immer wieder kontrollieren, ob schon geleert wurde.

Eine Anwohnerin des Hingstlandweges rannte am Donnerstag dem Müllwagen entschlossen einige Meter nach. Ein Anlieger der Störtebekerstraße hatte seine Tonne bereits an den Hingslandsweg gestellt. Doch da war diese so wohl noch nicht vorgesehen. Der Fahrer des Müllwagens bog in die schmale Sackgasse ein, die zusätzliche Tonne am Hingstlandsweg ignorierte er zunächst. Alein der Nachbarin ist zu verdanken, dass der Biomüll sein Ziel fand.

Laut Yves Knoblich vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises sind das die Pannen des Übergangs. Insgesamt seien 795 Straßen im gesamten Kreisgebiet geprüft worden. Im Brookmerland ging es um 35 Straßen, die einer Gefahrenanalyse unterzogen wurden. Nennen möchte Knoblich diese Straßen nicht. „Jeder Fall ist individuell“, sagte er.

Bei 13 Straßen habe sich gezeigt, dass andere Lösungen möglich sind, sagte Saskia Röhrig vom Abfallwirtschaftsbetrieb. Zum Teil habe die Samtgemeinde Poller entfernt. Die Verwaltung habe sich sehr lösungsorientiert gezeigt. Oder die Abfallwirtschaft habe die Route des Fahrzeugs so verändert, dass ein anderer Wendeplatz angefahren werden könne. Bei Sackgassen ohne Wendekopf sei allerdings tatsächlich wenig zu machen, so Röhrig.

Abfallwirtschaftsbetrieb setzt auf Informationen

Die Anwohner aus 17 verbleibenden Straßen müssten ihre Tonnen maximal 100 Meter weit bewegen. Nur in fünf Straßen des Brookmerlandes gehe es um weitere Strecken.

Dass sich die Tonnen bald am Alten Postweg drängen und die Gehwege verstopfen, glaubt Knoblich nicht. In Aurich gebe es auch Straßen mit vielen Anliegern. Auch da stehe am Leerungstag Tonne an Tonne. Wichtig sei, dass die Tonnen möglichst erst kurz vor dem Abstelltermin um 6.30 Uhr an die Straße gestellt werden und möglichst nach der Leerung auch wieder weggeholt. Wenn es im Brookmerland Straßen gebe, wo die Gehwege blockiert werden, könne der Abfallwirtschaftsbetrieb möglicherweise die Fahrer noch mal auf möglichst exaktes Abstellen hinweisen. Generell sei es möglich, die Tonnen bis zu maximal zwei Meter vom Straßenrand entfernt abzustellen. Das könne vielleicht schon reichen, um einige Gehwege zu entlasten und die Tonnen auf Grundstücken zu platzieren. Die Besitzer müssten aber darauf achten, dass keine Hindernisse im Weg sind, so Knoblich. Informationen dazu seien auf der Internetseite des Abfallwirtschaftsbetriebes unter https://mkw-grossefehn.de/images/downloads/Beileger_So_klappt_es_mit_der_Abfuhr.pdf zu finden.

Knoblich und Röhrig rechnen damit, dass nach dem Umstellungsprozess sich viele Sorgen von selbst zerstreuen. Und wenn es wirklich irgendwo hake, stehe der Landkreis unter der in dem Anschreiben genannten Nummer auch für Rückfragen zur Verfügung. Auch Ortstermine seien möglich.

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