Aus Solidarität mit Ukrainern  Ortsrat diskutiert Bitte um Verzicht auf Böller

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 14.12.2022 13:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehrere Menschen schauen in einer Wohnstraße einem Feuerwerk zu. Foto: DPA
Mehrere Menschen schauen in einer Wohnstraße einem Feuerwerk zu. Foto: DPA
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Der Ortsrat Kernstadt befasste sich am Dienstag mit der Frage, ob er die Auricher um einen Verzicht auf Böller bitten soll. Grund dafür ist die Solidarität mit ukrainischen Geflüchteten.

Aurich - Alle Jahre wieder wird dieselbe Diskussion losgetreten. Sollten Böller und Silvesterfeuerwerk verboten werden? Auch im Auricher Ortsrat Kernstadt wurde das Thema am Dienstag heiß diskutiert.

Heidrun Weber (GFA) regte an, ob der Ortsrat nicht eine Empfehlung aussprechen könnte, auf das Böllern in diesem Jahr zu verzichten. Kein Verbot, wie sie klarstellte, nur eine Bitte. „Wir haben eine Vielzahl von Flüchtlingen bei uns, traumatisierte Kinder“, sagte sie. Menschen, die in der Ukraine vor dem russischen Angriff nach Deutschland geflüchtet sind. „Es wäre schön, wenn der Ortsrat sich positionieren könnte.“

Flieger und Bomben in der Nacht

Die Antwort und die Ablehnung kamen prompt. Richard Rokicki (AWG) konnte Webers Vorschlag überhaupt nichts abgewinnen. „Ich bin fest überzeugt, die Ukrainer wollen auch Neujahr feiern“, sagte er. Dass die Explosionen von Raketen in der Nacht die Geflüchteten an die Angriffe auf ihre Heimatstädte erinnern könnte, glaubt er nicht. „Das können sie differenzieren. Die Traumatisierung ist weit hergeholt“, ist sich Rokicki sicher. Das habe man auch bei Geflüchteten aus anderen Nationen wie Syrien vor einigen Jahren gesehen. Sie böllerten genauso wie alle anderen. Weber hält dagegen: In der Flüchtlingsunterkunft sei es damals still geblieben.

Dass die Erinnerungen an den Krieg tief sitzen, berichteten bereits mehrere ukrainische Geflüchtete den ON. Oksana Chepelieva verbrachte mit ihren beiden Töchtern und ihrem Sohn eine Woche lang in einem Keller, in dem sie Schutz vor den Bombenangriffen auf ihre Heimatstadt Lyssytschansk suchten. In den Nächten hörten sie den Fliegeralarm und die Explosionen der Bomben. In der Krummhörn, in Sicherheit, ließ sie der Krieg aber nicht los. Immer wenn ein Hubschrauber oder ein Flugzeug zu hören ist, ducken sie und ihre Kinder sich unwillkürlich, sagte Oksana Chepelieva.

Zeichen von Solidarität und Empathie

Für Rokicki steht im Vordergrund, dass die Auricher gerade in Zeiten der Pandemie viel hätten zurückstecken müssen. Man habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren viele Einschränkungen hinnehmen müssen. Man solle den Menschen die Freude beim Feuerwerk lassen. „Es gibt auch noch andere Probleme“, sagte er.

Für den stellvertretenden Ortsbürgermeister Rolf Stemmler (CDU) stellte sich noch eine ganz andere Frage. Schon jetzt gebe es bestimmte Richtlinien für Silvesterfeuerwerk – und diese würden bereits nicht eingehalten. Man könne es schlicht nicht kontrollieren, sagte Stemmler. Woraufhin Weber noch einmal betonte, dass es ihr nicht um ein Verbot gehe. „Es wäre ein Zeichen der Solidarität und der Empathie, wenn wir ein Statement setzen“, sagte sie. Rokicki quittierte das mit einem Kopfschütteln und einem „Nö“.

Zum Schluss fand sich keine Mehrheit für Webers Vorschlag. Die meisten Ratsmitglieder enthielten sich bei der Frage.

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