Viele Anträge im Kreis Aurich  Umweltverband fürchtet Wildwuchs bei Freiflächen-Fotovoltaik

| | 12.12.2022 15:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Solarpark auf einer Freifläche östlich von Berlin.Foto: DPA
Ein Solarpark auf einer Freifläche östlich von Berlin.Foto: DPA
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Die Anlagen versprechen satte Gewinne und sollen kräftig ausgebaut werden. Doch Rolf Runge vom BUND Ostfriesland warnt vor einer ungesteuerten Entwicklung – und nennt Maßnahmen dagegen.

Aurich - Angesichts der „Goldgräber-Stimmung“ beim Bau von Freiflächen-Fotovoltaikanlagen zeigt sich der Naturschutzbund BUND in Sorge. Viele Städte und Gemeinden werden laut Rolf Runge (BUND Aurich) derzeit mit Anträgen geradezu „überschwemmt“. Die Naturschützer haben nun die Sorge, „dass eine ungesteuerte Entwicklung über Jahrzehnte Natur und Landschaft, Tourismus und Landwirtschaft beeinträchtigen kann“.

Der Umweltverband fürchtet, dass nicht ausdrücklich geschützte, aber für den Naturhaushalt wichtige Bereiche überbaut werden. „So kann es zu einem Verlust an Biotopen oder Vegetation mit negativen Auswirkungen auf Insekten, Kleintiere oder Vögel kommen. Die Anlagen können als Barrieren in der Landschaft wirken“, schreibt Rolf Runge. Der Ausbau der Freiflächen-Fotovoltaik habe zudem wirtschaftliche Folgen. Für auf Pachtflächen angewiesene Landwirte werde sich eine zahlungskräftigere Konkurrenz ergeben, so Runge. „Um die Wertschöpfung auch für die Region zu erhalten, sollten Bürger-Beteiligungen ermöglicht werden“, fordert der Umweltschützer.

BUND: Bereits versiegelte Flächen nutzen

Da Freiflächen-PV-Anlagen nicht privilegiert seien, sei eine Bauleitplanung in den Gemeinden erforderlich. Vorbereitend biete sich die Festlegung von Potenzialflächen an, die aufgrund entsprechender Kriterien ermittelt werden könnten. Einige Gemeinden in Ostfriesland haben laut Runge diesen Weg bereits beschritten.

Er schreibt: „Wichtig ist aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes, dass Potenziale auf versiegelten Flächen genutzt und Freiflächen so wenig wie möglich beansprucht werden und Vorranggebiete für Naturschutz und ökologisch wertvolle Flächen ausgeschlossen sind.“ Hier fordert der BUND Ostfriesland eine frühzeitige Beteiligung.

Agri-Voltaik bleibt wohl Ausnahme

Bei entsprechender Planung könnten durch Freiflächen artenreiche Lebensräume geschaffen werden, etwa für Amphibien. Auch wären bei Berücksichtigung ökologischer Kriterien degradierte Moorböden oder künstliche Wasserflächen wie Baggerseen nutzbar. Eine Doppelnutzung von Fotovoltaikanlagen und Landwirtschaft, die sogenannte Agri-Voltaik werde in Ostfriesland aber wohl eher die Ausnahme bleiben, glaubt Runge.

Da die Anlagen wegen ihrer Größe „raumbedeutsam“ sind und oft gemeinde-übergreifend wirken, sind aus Sicht des BUND auch die Landkreise gefordert, einen Wildwuchs zu verhindern.

Aus Sicht des Umweltverbandes sind Dächer und bereits versiegelte Flächen wie Parkplätze für die Nutzung von Sonnenenergie klar zu bevorzugen. „Hier liegt viel ungenutztes Potenzial“, so Runge. Aufgrund der kleinteiligeren Flächen und verschiedener Probleme komme der Ausbau aber nur zögernd voran. Bei den Freiflächen-Anlagen seien die Kosten deutlich niedriger und die Betreiber können Erträge von deutlich über 50.000 Euro pro Hektar erwarten. Daher rühre die „Goldgräberstimmung“, so Runge.

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