Verteilung des Corona-Bonus für Klinik-Pflegekräfte Auricher Landrat will Beschwerdebrief an Lauterbach schreiben
Die Sonderprämie für 2021 haben bei weitem nicht alle Mitarbeiter der Krankenhäuser Aurich-Emden-Norden bekommen. Daran hat Olaf Meinen am Donnerstag im Kreistag deutliche Kritik geübt.
Aurich - Als „eklatante Ungleichbehandlung“ hat der Auricher Landrat die Verteilung des Corona-Pflegebonus für Pflegekräfte in Kliniken am Donnerstag kritisiert. Anspruch für 2021 hätten nur solche Krankenhäuser, die mindestens zehn Corona-Patienten behandelt haben, die länger als 48 Stunden beatmet wurden. Davon würden die Standorte Aurich und Emden profitieren, Norden aber nicht. Denn das Norder Krankenhaus habe nur neun solcher Patienten gehabt, berichtete Meinen. Außerdem hätten nur examinierte Pflegekräfte auf bettenführenden Stationen den Anspruch. Zahlreiche Hilfskräfte dagegen gingen leer aus. Und es gehe „nicht um Peanuts“, so der Landrat. Intensivpflegekräfte bekämen 3305 Euro steuerfrei, andere Pflegekräfte immerhin noch 2204 Euro. In der UEK Aurich erhielten 311 Beschäftigte den Corona-Bonus 2021.
„Die Verteilung sorgt für Frust und Enttäuschung. Darunter leidet das Wir-Gefühl. Die Mitarbeiter haben einen harten Job – und dann sowas“, sagte Meinen in Anwesenheit der Klinik-Interims-Geschäftsführer Heiko Goldenstein und Andreas Epple sowie der UEK-Betriebsräte Gaby Goldenstein und Helge Brötje.
Landrat: „So etwas darf nicht nochmal passieren“
Meinen, der Mitglied in Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Klinik-Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden ist, sagte, er werde noch vor Weihnachten einen Beschwerdebrief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schreiben. Vielleicht, sagte der Landrat mit Blick auf den anwesenden Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff, lasse sich bei dem Thema vom Bund doch noch „nachsteuern“. Für Meinen ist klar: „Soetwas darf nicht nochmal passieren.“
Interims-Geschäftsführer Heiko Goldenstein hatte den ON bereits im September mitgeteilt: „Die Corona-Hilfen der Regierung waren eine wichtige Unterstützungsleistung, aber die vorgegebenen Rahmenbedingungen waren nicht gut durchdacht. Den Kliniken waren mit den strikten Vorgaben die Hände gebunden. Etwas mehr Handlungsspielraum wäre wünschenswert gewesen, um bei der Auszahlung der Boni die Realität in den Kliniken besser abbilden zu können.“
Klare Mehrheit für Fusion der Klinik-Gesellschaften
Eine klare Mehrheit von 42 Abgeordneten bei drei Gegenstimmen und vier Enthaltungen gab es im Auricher Kreistag am Donnerstag für die Zusammenlegung der beiden Klinik-Gesellschaften UEK gGmbH und Klinikum Emden gGmbH (die ON berichteten).
„Der Schritt ist überfällig. Es gilt auch, gemeinsame Identität zu stiften“, erklärte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert. Er sagte auch, dass die rechtliche Zusammenlegung wohl auch den sogenannten Konsortialvertrag zwischen dem Landkreis Aurich und der Stadt Emden zur Klinik-Zusammenarbeit „in großen Teilen obsolet“ machen werde.