Abfallabholung im Kreis Aurich Rückwärtsfahren der Müllwagen bleibt umstritten
Eigentlich sollen Müllwagen aus Sicherheitsgründen nicht mehr zurücksetzen. Doch nun haben viele Bürger weitere Wege zu Sammelstellen. Der Abfall-Betriebsleiter berichtet über die schwierige Abwägung.
Aurich - Zahlreiche Bürger im Landkreis Aurich müssen seit einiger Zeit längere Wege in Kauf nehmen, um ihre Mülltonne an die Abholstelle zu bringen. Denn aus Sicherheitsgründen sollen die Müllwagen des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Aurich nicht mehr rückwärts fahren dürfen. In vielen Straßen aber gibt es keine Wendehämmer.
Weil sich immer wieder Bürger bei den Kreispolitikern beschweren, stand das Thema jetzt einmal mehr auf der Tagesordnung des zuständigen Betriebsausschusses Abfallwirtschaft.
„Gemeinsam mit Betroffenen nach Lösungen suchen“
Betriebsleiter Hans-Hermann Dörnath betonte, man habe die betroffenen Haushalte angeschrieben und wolle gemeinsam nach Lösungen suchen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb bekomme weiterhin zahlreiche Anrufe zu dem Thema.
Letztlich seien aber oft Einzelfall-Entscheidungen notwendig, je nach Situation in der betroffenen Straße. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hatte bereits 2018/19 Tausende Straßen unter die Lupe genommen und die Fahrer befragt. Dabei wurde festgestellt, dass die Müllwagen in rund 900 Straßen rückwärts fahren. Für jede Straße wurde das Gefährdungspotenzial eingeschätzt. Eine Rolle spielten dabei die Länge und Breite der Straße, die Anzahl der Häuser – und ob an ihr Kitas oder Schulen lagen.
In vielen Fällen Maßnahmen umgesetzt
In zahlreichen Fällen wurden Maßnahmen umgesetzt, um das Rückwärtsfahren zu vermeiden. In einigen Fällen wurden Sammelplätze eingerichtet, die aber längere Wege für die Anwohner bedeuten – gerade für ältere Menschen bisweilen ein Problem.
Laut Gesetz sind 150 Meter bis zur Abholstelle zumutbar. Eine Patentlösung kann Dörnath nicht liefern. „Es ist immer eine Abwägung“, erklärte der Betriebsleiter. Auf der einen Seite stehe die Verkehrssicherheit, auf der anderen eine möglichst einfache Bereitstellung für die Bürger. Dörnath sagte aber auch deutlich: „Wenn es einen Unfall gibt und da wird jemand totgefahren, dann stellt der Staatsanwalt Fragen – und wir haben ein Problem.“ Außerdem müsse auch die Situation der Fahrer gesehen werden. „Es kann nicht sein, dass ein Fahrzeug achtmal hin- und hersetzen muss, um zu wenden.“
Die meisten Vorschläge haben auch Nachteile
Auch Vorschläge wie der Einsatz kleinerer Müllfahrzeuge seien nicht ohne Nachteile zu haben, so Dörnath. Denn die zusätzlichen Kosten müsse man am Ende auf die Müllgebühren umlegen, so seine Warnung.
Regina Stegemann (Grüne, Aurich) appellierte an die Kommunen, bei der Baugebietsplanung an die Wendehämmer zu denken. Das müssten sie eigentlich ohnehin, sagte Saskia Röhrig vom Abfallwirtschaftsbetrieb. „Doch wir stellen fest, dass manche es nicht berücksichtigen.“
Von einer „super Lösung“ berichtete Kreistagsabgeordneter Enno Krüsmann (SPD, Großefehn) aus seinem Heimatort. Dort haben nach seinen Angaben acht Anwohner einer betroffenen Straße jeweils 400 Euro gezahlt und davon wurde ein Wendehammer für den Müllwagen geschottert.