Topspiel der Bezirksliga Der SV Großefehn bezwingt die Unbesiegbaren aus Esens
Wie Großefehn die Erfolgsserie von Esens beendete. Lange Zeit wurde das Topspiel der Bezirksliga seinem Namen nicht gerecht, aber zum Schluss änderte sich das.
Großefehn - Die lange Menschenschlange vor dem Mühlenstadion signalisierte am Sonnabendnachmittag nur eines: Das Topspiel in der Bezirksliga zwischen dem Zweiten, SV Großefehn, und Tabellenführer TuS Esens zog Fußballinteressierte an. Mehr als 400 waren es beim Anpfiff. Zu Beginn der zweiten Hälfte zählte Stadionsprecher Heinz-Erich Buss mehr als 500. Sie sahen lange Zeit eine Partie, die den Namen Topspiel nicht verdiente. Erst in der Schlussphase kamen die Besucher auf ihre Kosten, als Tore fielen und sich beide Mannschaften bis zum Abpfiff in der langen Nachspielzeit einen offenen Schlagabtausch lieferten. Zum Schluss bejubelten die Fehntjer einen 2:1-Sieg.
Im Vereinslokal war vor Spielbeginn eifrig spekuliert worden, wie denn das Spitzenspiel enden würde. Ein knappes Ergebnis sahen viele voraus. Einer von ihnen hatte den richtigen Riecher. TuS Esens kam mit einer imposanten Serie von 18 Spielen ohne Niederlage in der laufenden Saison zum SVG.
„Beeindruckend“, meinte einer der SVG -Betreuer und fügte an: „Wenn einer diese Serie beenden kann, dann sind wir es.“
Kick ohne Risiko
Damit sollte er Recht behalten, auch wenn der Weg dahin lange Zeit unklar war. Klar hingegen war ziemlich schnell die Spielweise beider Seiten: Bloß keine Fehler machen, lieber noch einen Querpass oder eine Rückgabe, als ein mutiges Zuspiel nach vorne. Zuschauer, die ein Festival von Chancen und Schüssen erwartet hatten, wurden enttäuscht. Die beiden torgefährlichsten Teams der Liga hielten sich auffällig zurück. So sah die große Kulisse viel Ballgeschiebe im Mittelfeld und kaum risikofreudige Kombinationen in Richtung Strafraum. Immerhin erspielte sich die Heimmannschaft drei Eckbälle im ersten Durchgang, die aber nichts einbrachten. Esens verbuchte einen Schuss, als Finn Rosenboom in der 35. Minute sein Glück aus der Distanz versuchte. Der Ball wurde zur Ecke abgefälscht. Mehr nicht.
„Harmlos, harmlos, harmlos“, unkte ein Fan. So verlief auch das Spielgeschehen bis zum Halbzeitpfiff. 0:0, ein Ergebnis, das an der Wurstbude oder in der Kabine Gespräche in alle Richtungen ermöglichte.
Weihnachtsmann in der Pause
Für warme Töne in der Pause sorgte Detlev Schoone mit dem Akkordeon. Er begleitete Kinder und Erwachsene beim Singen von zwei Weihnachtsliedern. Dazu gesellte sich später noch ein Mann, verkleidet als Weihnachtsmann, der aus seinem Jutesack für die Kinder einen Schokoladenweihnachtsmann nach dem anderen hervorholte. Die Kinder freuten sich. Sie hatten bereits beim Eingang eine große Tasche, gefüllt mit allerlei Fan-Utensilien wie Deutschlandfahne, Rasseln und Halsketten in Schwarz-Rot-Gold erhalten.
Im zweiten Durchgang veränderte sich das Bild ein wenig. Während die Gäste an ihrer passiven Ausrichtung festhielten, wurde Großefehn nach und nach mutiger. Tobias Hillers machte den Auftakt nach rund einer Stunde Spielzeit mit einem Schuss, der knapp das Tor verfehlte. Ein Weckruf für den SVG, der fortan mit mehr und mehr Tempo daherkam und die TuS-Abwehr mit ihren großen Spielern unter Druck setzte. Die langen Kerls räumten aber alles ab, was da auf sie zukam. Nur einmal nicht, da ließen sie im Strafraum Tom Böhling freie Bahn. Ein langer Ball von rechts an den langen Pfosten geschlagen und Böhling (72.) kam unbedrängt zum Kopfball. 1:0 für Großefehn.
Spannende Schlussphase
Die Gastgeber ließen es aber nicht dabei. Sie suchten weiter ihr Heil in der Vorwärtsbewegung. Eine sehenswerte Kombination auf der rechten Seite leitete den zweiten Treffer des SVG ein. Torjäger Hauke Specht legte den Ball auf die rechte Außenbahn – dem eingewechselten Bjarne Müller vor die Füße. Müller passte quer in den Strafraum auf Janek Freudenberg (82.), der aus kurzer Entfernung den Ball zum 2:0 einschob. Damit war das Topspiel aber keineswegs entschieden. Der TuS wachte auf und wehrte sich mit wilden Angriffen. Lohn war der Anschlusstreffer kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit. Ein Tor, das Esens noch einmal mächtig Schwung für die fünfminütige Nachspielzeit verlieh. Für die SVG-Fans eine Ewigkeit, die immer wieder den Abpfiff des Schiedsrichters forderten. Esens war dem Ausgleich näher als Großefehn dem 3:1. Es blieb aber am Ende beim knappen Heimsieg. Die Fans durften sich nicht nur über diesen Erfolg freuen, sondern es gab auch noch kostenlosen Glühwein im Vereinsheim.
SVG-Trainer Bi Le Tran freute sich über den Erfolg: „Das Spiel war lange Zeit sehr taktisch geprägt und ohne Risiko. Wir sind in der zweiten Hälfte geduldig geblieben, haben mutiger gespielt und haben unsere beiden Chancen genutzt.“
Sein Gegenüber Ralf Backhaus meinte: „Die Niederlage ist zwar ärgerlich, aber wir können damit leben. Zuerst haben wir das Spiel kontrolliert. Im zweiten Durchgang fühlten wir uns zu selbstsicher. Wir sind zum Schluss zwar aufgewacht, aber zu spät.“