Landschaftsversammlung in Aurich  Kontinuität und überraschend auch „Katzeklo“

| | 27.11.2022 15:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Landschaftsversammlung gibt es zwar 23 neue Mitglieder, aber dennoch viel Kontinuität. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft
In der Landschaftsversammlung gibt es zwar 23 neue Mitglieder, aber dennoch viel Kontinuität. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft
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Bei den Gezeitenkonzerten 2023 wird Dada-Musiker Helge Schneider erwartet. Zudem drücken Finanzsorgen. Und personell bleibt bei der Landschaft alles beim Alten.

Aurich - Helge Schneider, der Dada-Sänger, der mit dem Lied „Katzeklo“ bekannt geworden ist, der Chor des NDR und Götz Alsmann gehören zu den Künstlern, die im kommenden Jahr zu den Gezeitenkonzerten der Ostfriesischen Landschaft erwartet werden. Das wurde bei der konstituierenden Sitzung der Landschaftsversammlung am Sonnabend bereits verraten. Die Ausschussvorsitzenden warfen den Blick nach vorne und auch zurück auf dieses Jahr, das geprägt war von Unsicherheit.

Die Nach-Corona-Phase, Materialmangel und die Preiskrise trieben auch die Ostfriesische Landschaft um. Die Gezeitenkonzerte, die bis 2019 jährliche Steigerungen beim Kartenverkauf vermeldeten, blieben in diesem Jahr 15 Prozent hinter dem bisherigen Höchstverkauf aus dem Jahr 2019 zurück. Verglichen mit anderen Kulturfestivals sei das noch gut, sagte Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. Dennoch sollen angesichts der derzeitigen finanziellen Herausforderungen im nächsten Jahr 35 statt 40 Konzerte realisiert werden.

Finanziell wird es durch höhere Kosten enger

Laut Mecklenburg wird das Sammlungszentrum für historisches ostfriesisches Kulturgut (Shok) in Kürze in Betrieb gehen. Im Frühjahr wird es dann auch offiziell eröffnet. Finanziell schwebt über dem Projekt aber noch Unsicherheit. Zum einen fehle immer noch eine wichtige Antwort auf einen Förderantrag von Juli 2021. Zum anderen sei davon auszugehen, dass die Energiekosten deutlich höher sein werden, als bei der Planung angenommen.

Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger umriss den Wirtschaftsplan für 2023. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft
Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger umriss den Wirtschaftsplan für 2023. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft

Dies muss die Ostfriesische Landschaft budgetintern auffangen. Laut Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger steigen die Beträge, die die ostfriesischen Kommunen als Träger der Landschaft und das Land zahlen, nur um 1,4 Prozent. Die Kosten steigen ungleich stärker. Die Landschaft müsse für einen ausgeglichenen Haushalt an ihre Rücklagen gehen.

Die Betriebskosten für das Shok sind ein neuer Posten im Haushaltsplan. Am Ende haben laut Stenger zwar alle Abteilungen die gleichen Budgets wie zuletzt, müssen aber angesichts der Zusatzausgaben ihre Handlungsspielräume einschränken.

Leiterin der Kulturagentur verabschiedet

Nicht mehr davon betroffen ist Katrin Rodrian, die nach mehr als 15 Jahren als Leiterin der Kulturagentur am Januar in den Ruhestand gehen wird. Sie wurde von der Landschaftsversammlung mit Applaus verabschiedet. Nachfolger wird Dr. Welf-Gerrit Otto, der noch an der KVHS Friesland-Wittmund tätig ist.

Katrin Rodrian leitete mehr als 15 Jahre lang die Kulturagentur und wurde nun von Rico Mecklenburg in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft
Katrin Rodrian leitete mehr als 15 Jahre lang die Kulturagentur und wurde nun von Rico Mecklenburg in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft

Ein paar Monate nach der Neukonstituierung der kommunalen Räte steht auch ein personeller Wechsel in der Landschaftsversammlung an. 23 der 49 Mitglieder wurden am Sonnabend neu verpflichtet, langjährige Mitglieder verabschiedet. Trotz dieses Wechsels scheint bei der Landschaft Kontinuität Trumpf zu sein. So verließen mehrere junge Mitglieder, wie die Auricher Ratsfrau Sarah Buss, die Versammlung wieder.

Take Hülsebus (links) aus Emden gehörte 49 Jahre lang der Landschaftsversammlung an und bekam dafür vom Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg ein dickes Dankeschön. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft
Take Hülsebus (links) aus Emden gehörte 49 Jahre lang der Landschaftsversammlung an und bekam dafür vom Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg ein dickes Dankeschön. Foto: Sebastian Schatz/Ostfriesische Landschaft

Fünf Mitglieder wurden aber auch für 25-jähriges Mitwirken geehrt. Onno Folkerts aus Hesel bekam nach 40 Jahren in der Landschaftsversammlung Blumen und Sekt. Take Hülsebus aus Emden erhielt für nahezu 50 Jahre im Kulturparlament Champagner.

Kein Wechsel im Landschaftskollegium

Kein Anzeichen von Amtsmüdigkeit zeigen auch die sieben Landschaftsräte. Der Leeraner Landrat Matthias Groote ist zwar erst seit 2018 dabei und der frühere Emder Oberbürgermeister Bernd Bornemann seit 2015. Der stellvertretende Landschaftspräsident Hilko Gerdes aus Südbrookmerland ist aber schon seit 1988 Mitglied des Kollegiums, Helmut Makus aus Norden seit 1997, Jann Berghaus aus Aurich seit 1998, Dieter Baumann aus Moormerland seit 1999 und der frühere Wittmunder Landrat Hennig Schultz seit 2022.

Der Kopf-Tisch der Versammlung bleibt in Männerhand: Die Landschaftsräte Henning Schultz (Zweiter von links) und Matthias Groote (Dritter von links) wurden wiedergewählt, ebenso Jann Berghaus (ganz rechts). Foto: Karin Böhmer
Der Kopf-Tisch der Versammlung bleibt in Männerhand: Die Landschaftsräte Henning Schultz (Zweiter von links) und Matthias Groote (Dritter von links) wurden wiedergewählt, ebenso Jann Berghaus (ganz rechts). Foto: Karin Böhmer

Vor drei Jahren hatte Versammlungsmitglied Christine Schmidt eine Frauenquote für das Landschaftskollegium gefordert. Damals zog keine Frau in das Gremium ein, weil keine Kandidatin nominiert wurde.

Kandidatinnen bleiben Mangelware

Und so war es auch jetzt: Die Amtszeit der Landschaftsräte Jann Berghaus, Matthias Groote und Henning Schultz waren abgelaufen. Sie stellten sich zur Wiederwahl und wurden dabei auch von ihren kommunalen Fraktionen unterstützt. Gegenkandidatinnen gab es nicht. Die Wiederwahl erfolgte jeweils einstimmig. Das Kollegium bleibt in Männerhand.

Die Abteilungsleiter der Ostfriesischen Landschaft verfolgten die Versammlung aus dem Hintergrund. Foto: Karin Böhmer
Die Abteilungsleiter der Ostfriesischen Landschaft verfolgten die Versammlung aus dem Hintergrund. Foto: Karin Böhmer

Schultz kündigte allerdings an, diese Amtszeit nur noch streifen zu wollen. Im Frühjahr werde er 80 Jahre alt. Er habe bis dahin noch einige Dinge zu ordnen und wolle dann außerhalb des Wahlturnus sein Amt abgeben. Als Nachfolger schlug die Wittmunder Fraktion mit markigen Worten den amtierenden Landrat Holger Heymann vor. Da derzeit noch weniger Gemeinden in Ostfriesland von Frauen geführt werden als vor einigen Jahren, dürfte der Trend sich fortsetzen.

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